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Von Mops bis Kampfhund Baden-Württemberg plant "Hundeführerschein" – Halter müssen Test bestehen

Ein Hund fletscht die Zähne
Was tun, wenn ein Hund sich aggressiv verhält? Dass sie ihr Tier unter Kontrolle haben, müssen Besitzer künftig per "Hundeführerschein" in Baden-Württemberg nachweisen.
© Soeren Stache/dpa-Zentralbild / DPA
Die neue Regierung in Baden-Württemberg kommt in ihrem Koalitionsvertrag auch auf den Hund. Der "Hundeführerschein" ist wohl nicht die einzige Verschärfung, mit der Tierhalter im Südwesten rechnen müssen.

Hunde gehörten schon vor der Corona-Pandemie zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. In Zeiten, wo im Home Office gearbeitet wird und man und die eigenen vier Wände selten verlässt, haben sich sogar noch mehr Menschen einen treuen Begleiter angeschafft – schließlich kann man sich nun den ganzen Tag um das Tier kümmern und muss es nicht stundenlang allein zu Hause lassen.

In Baden-Württemberg dürften Schätzungen zufolge inzwischen deutlich mehr als 1,1 Millionen Hunde leben – bei etwas mehr als 11 Millionen Einwohnern. Insgesamt 48 Millionen Euro Hundesteuer nahmen Gemeinde und Städte in dem Bundesland nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr ein.

Niedersachsen ist Vorbild beim "Hundeführerschein"

Auf die Hundehalterinnen und -halter dort kommen neue Verpflichtungen zu, wie es in mehreren Presseberichten zum neuen Koalitionsvertrag heißt. In Baden-Württemberg war am 14. März gewählt worden, Details aus dem Vertragswerk sickerten in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit.

Die Regierung aus Grünen und CDU will, so ist seit Montag in Parteikreisen zu hören, offenbar einen "Sachkundenachweis" für die Haltung von Hunden einführen. Umgangssprachlich wird dieser salopp "Hundeführerschein" genannt. Vorbild ist Niedersachsen, wo schon seit 2013 eine solche Pflicht besteht, die allerdings auch einige Ausnahmen vorsieht – etwa in manchen Fällen für Jäger. 40 Euro kostet die Prüfung in dem nördlicheren Bundesland. Sinnvoll kann allerdings sein, vorher eine Hundeschule zu besuchen.

Die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" waren die ersten, die über das Vorhaben der grün-schwarzen Regierung berichteten, das viele Hundebesitzer in Baden-Württemberg vermutlich ärgern wird, weil sie neue Kosten und bürokratische Hürden fürchten. Wie genau dieser "Hundeführerschein" ausgestaltet sein wird und welche Ausnahmen geplant sind, ist bislang unklar.

Klar scheint aber, dass jede und jeder, die sich einen Hund anschaffen wollen oder einen solchen besitzen, demnächst eine schriftliche und eine praktische Prüfung ablegen müssen, mit der bewiesen werden soll, dass man zur Haltung eines Hundes in der Lage ist und auch brenzlige Situationen beherrscht. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um gefährliche "Kampfhunde", sondern um alle Rassen, also auch um allgemein als harmlos angesehene Vertreter wie Dackel oder Mops.

Ziel der Stuttgarter Pläne sei einerseits, Menschen vor Beißattacken zu schützen. Andererseits gehe es auch um das Wohl der Tiere – die Menschen sollten mehr über die Bedürfnisse ihrer Hunde erfahren und mit den Tieren so besser umgehen.

Der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU sehe außerdem eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht vor, heißt es in den Presseberichten weiter.

Auch hier ist das Vorbild Niedersachsen: Dort müssen Hunde schon seit gut zehn Jahren einen elektronischen Chip tragen und haftpflichtversichert sein. Inzwischen gibt es dort auch eine zentrale Datenbank, in der alle Hunde im Land, die älter als ein halbes Jahr sind, gemeldet sein müssen. Läuft ein Hund weg, kann er so leicht seinen Besitzern zugeordnet werden. Etwas Ähnliches gibt es auch beispielsweise für Katzen in ganz Deutschland. Allerdings ist das Chippen hier freiwillig.

Tierschützer begrüßten das Vorhaben der Regierung um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Aktuell könne sich jeder ohne nötige Sachkunde einen Welpen zulegen, kritisierte Daniela Lisenfeld vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Wenn die Tiere dann aber beispielsweise nicht beigebracht bekämen, wie sie sich im Rudel mit den Menschen zu verhalten haben, hätten die Ordnungsämter viel zu tun, wurde sie in mehreren Medien zitiert. Andere Hunde würden völlig falsch zum Beispiel nur in der Wohnung gehalten. Viele Hunde landeten nach einer Zeit im Tierheim. Die Tierschützerin befürchtet, dass dieses Schicksal auch vielen Hunden droht, wenn die Coronakrise überwunden ist. Einen "Hundeführerschein" sieht ihr Verband daher als einen Beitrag zur Verbesserung der Situation.

Offenbar will die Landesregierung in Baden-Württemberg bei Hunden nicht Halt machen. Denn einen solchen "Sachkundenachweis" soll es künftig auch für die Haltung von gefährlichen Tieren geben, etwa Schlangen. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass solche Tiere aus völlig unzureichenden Terrarien gerettet werden – oder sie ihren Haltern wegkriechen und dann für Schlagzeilen sorgen.

Quellen: "Badische Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten", SWR.de, "Planethund.com"


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