HOME
Meinung

Politische Korrektheit in der Kita: Indianer-Kostüme zu verbieten, ist völlig überzogen und vor allem: Es führt am Ziel vorbei

Eine Kita in Hamburg will nicht, dass Kinder als Indianer zum Fasching kommen. Das Beispiel zeigt: Politische Korrektheit ist zwar grundsätzlich eine gute Idee. So aber wird sie ad absurdum geführt.

Zwei Kinder als Indianer verkleidet

Zwei Kinder als Indianer verkleidet. Ist das noch niedlich oder schon rassistisch?

Picture Alliance

Die Diskussion ist nicht neu: Wie darf ich mich zu Fasching verkleiden? Womit verletzte ich Gefühle anderer? Welche Kostüme sind diskriminierend? Eine Kita aus Hamburg hat aus dieser Debatte Konsequenzen gezogen und zur jährlichen Faschingsfeier gewisse Kostüme als unerwünscht erklärt. Etwa als Indianer oder Scheich sollten die kleinen Steppkes bitte nicht auftauchen. Die Idee dahinter: Man möge doch bitte keine Stereotype bedienen. So sei es zum Beispiel respektlos sich Federn ins Haar zu stecken, weil es viele verschiedene Indianervölker gebe, und das eine unzulässige Simplifizierung sei. Tiere und Fabelwesen seien doch tolle "diskriminierungssensible Alternativen".

Das ist auf mehreren Ebenen schwierig. Nicht in Stereotypen zu denken, ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, selbstverständlich. Beim Fasching geht es aber nun mal ums Verkleiden, und bei Kostümen sollen die Leute erkennen, als was man geht. Dass Kostüme also typische Merkmale einer Gruppe aufweisen, lässt sich kaum vermeiden. Zumal die Frage erlaubt sein muss, wer sich tatsächlich von einem dreijährigen Indianer diskriminiert fühlt und ob derjenige nicht vielleicht ganz andere Probleme hat.

An Fasching über fremde Kulturen lernen

Eine Sichtweise aber wird dabei völlig außer Acht gelassen: Man kann es natürlich auch als Zeichen des Respekts vor dieser Kultur deuten, dass sich Kinder als Indianer, Scheich oder was auch immer verkleiden. Wenn die Kleinen in diese Rollen schlüpfen, beschäftigen sie sich immerhin damit. Eltern können die Gelegenheit nutzen, Kindern etwas über die Kultur dieser Menschen beizubringen, sie dafür begeistern, ihr Interesse auf Fremdes wecken. Oder sollen die Kinder in 20 Jahren einfach nicht mehr wissen, was Indianer sind?

Außerdem: Was sind denn die Alternativen? Gehen dann alle Kinder als stumpfe Superhelden aus noch stumpferen Filmen? Muss jede Faschingsfeier vorab eine Liste der zugelassenen Kostüme rausgeben, aus denen sich dann alle etwas aussuchen müssen und am Ende sehen alle gleich aus?

Es ist wie so oft mit guten Ideen: Es hapert an der Ausführung. Sich politisch korrekt verhalten zu wollen, ist ja grundsätzlich nicht verkehrt. Aufeinander acht geben, sensibel sein, Gefühle anderer respektieren. All das sind sinnvolle, erstrebenswerte Dinge.

Das Problem ist nur: Schießt man übers Ziel hinaus, leistet man der Idee einen Bärendienst. Mittlerweile ist politisch korrekt für nicht wenige zu einem Schimpfwort geworden. Das hat der Gedanke dahinter nicht verdient. Kostümregeln für Kleinkinder gehören zu diesen Dingen, die viele Menschen den Kopf schütteln lassen. Wegen genau solcher Einfälle hat das gesamte Konzept der politischen Korrektheit einen schlechten Ruf.

Man sollte nie vergessen: Der Dreijährige verkleidet sich so, weil er toll findet, was das Kostüm verkörpert. Er will niemanden kränken. Er geht als stolzer kleiner Indianer zum Fasching. Warum sollte man ihm das wegnehmen?

Das Netz ist über Kramp-Karrenbauers Büttenrede empört
Themen in diesem Artikel