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Katzenvideos sind museumsreif: Faster Pussycat, click click click

Sie haben es geschafft! Das New Yorker Museum of the Moving Image widmet dem Phänomen Katzenvideo eine eigene Ausstellung. Also jetzt mal ganz ernsthaft: Miau!

Von Sophie Albers "Grumpy" Ben Chamo

Die Netz-Katzenstars Grumpy Cat und LilBub

Die Netz-Katzenstars Grumpy Cat und LilBub

Nach dem Weltkatzentag auch das noch: Das New Yorker Museum of the Moving Image (MoMi) hält Katzenvideos, die sich tonnenweise ins Netz ergießen, für museumsreif. Die Ausstellung "How Cats Took Over The Internet" (Wie Katzen das Internet übernommen haben) wird die nächsten sechs Monate zu erklären versuchen, warum statistisch gesehen jeder, der einen Social-Media-Account besitzt, sich in seinem User-Leben schon mindestens ein Katzenvideo angesehen hat: sei es von Grumpy Cat, Lil Bub oder jedem anderen beliebigen Fellknäuel, das katzenhaft Katzendinge tut.

Natürlich gebe es Leute, die darüber die Nase rümpfen, dass die online unvermeidbaren Tierchen nun auf Augenhöhe mit Orson Welles gezeigt werden (dessen Porträt um die Ecke hängt), sagte Museumsdirektor Carl Goodman der "New York Times". "Dass wir es ins Museum stellen, heißt nicht, dass wir es als Kunst ansehen. Es heißt auch nicht, dass wir es nicht als Kunst ansehen. Es soll heißen, dass wir es für kulturell bedeutsam halten". Die Ausstellung sei ein "Spaß", aber nicht unseriös", zitiert ihn der "Guardian".

Von "Cat Scans" bis "Grumpy Cat"

Tatsächlich erwartet den Katzenvideo-Fan auch ein durchaus ernstzunehmender Überblick zum Thema: Es geht um unseren Hang zur Vermenschlichung (Anthropomorphismus) und eine "Ästhetik des Niedlichen" oder auch Portale wie "Bored at Work" (gelangweilt bei der Arbeit).

Kernstück der Ausstellung ist eine interaktive Zeitschiene, die das Internetphänomen schon 1996 ausmacht, als "Kitty Cams" mehr schlecht als recht Katzenbilder verbreiten sollten. Es folgten "lustige" Bilder wie "Pet of the Day" (Haustier des Tages), 1998 die "Cat Scans", als Katzenbesitzer ihre Lieblinge auf den Scanner packten (Gute Güte, gibt es immer noch). Mitte der 2000er rief 4chan den "Caturday" aus, daraus wurden die "lolcats". Online-Katzenfans kennen sicher auch noch "I can has Cheezburger", woraus gleich ein erfolgreiches Geschäftsmodell für humoristische Online-Bilder- und Videos wurde: das Cheezburger Network. Regelrecht wissenschaftlich verfolgen lässt sich hier der Weg vom Bild zum Gif zum Video zum Katzen-Star mit Fanbase. Grumpy Cat hat mittlerweile einen eigenen TV-Film, Lil Bub eine Doku, und die Nyan Cat gibt es als Spiel.


Kätzchen für Millionen

Neben der Timeline, massenhaft Videos, Gifs, Fotos und der Möglichkeit, selbst lustige Katzenbilder zu fabrizieren, sollen laut "Guardian" auch (zu bestimmten Terminen) Katzenstars live zu sehen sein. Und weil wir hier im Museum sind, geht es natürlich auch um die Frage des Warum. Warum machen die Kätzchen jeden Tag Millionen von uns so glücklich?

Weil es Katzen im Gegensatz zu Hunden egal sei, dass sie gefilmt werden, denn sie sind Jäger, zitiert Ausstellungskurator Jason Eppink in der "New York Times" einen Experten aus Neuseeland: "Katzen sind launenhaft und unberechenbar." Hunde würden dagegen in die Kamera starren. So richtig befriedigend ist das ja nicht. Hat Eppink eigentlich selbst eine Katze? "Nein", verriet er dem "Guardian": Er sei allergisch.


Noch bis zum 31. Januar 2016 ist "How Cats Took Over The Internet" im Museum Of The Moving Image in New York zu sehen.

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