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Ex-Frau von Jeff Bezos MacKenzie Scott spendet weitere Milliarden für gute Zwecke – und wird trotzdem reicher

MacKenzie Scott im Jahr 2018 Bezos auf der Vanity Fair Oscar Party
MacKenzie Scott im Jahr 2018 auf der Vanity Fair Oscar Party
© Evan Agostini / / Picture Alliance
Sie hat es wieder getan: MacKenzie Scott, Ex-Frau von Jeff Bezos, hat eine weitere Milliardensumme für gemeinnützige Zwecke gespendet. Ihr philanthropischer Ansatz ist jedoch umstritten.

Nach einer Trennung geben die meisten Leute gerne Geld für sich selbst aus – nicht so MacKenzie Scott. Kurz nach ihrer Scheidung von Amazon-Chef Jeff Bezos versprach Scott 2019, so viel von ihrem Vermögen zu spenden bis, Zitat: "der Tresor leer ist". Doch das wird wohl schwieriger als erwartet. 

Ihr Anteil an Amazon-Aktien wurde damals auf rund 36 Milliarden US-Dollar geschätzt. Da der Aktienwert des Internet-Giganten jedoch immer weiter steigt, steht die Multimilliardärin nun vor einem Dilemma: Sie verdient mehr Geld, als sie abgeben kann. Obwohl sie im vergangenen Jahr mehr als acht Milliarden US-Dollar gespendet hat, ist sie laut "Forbes" mit einem Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar heute reicher denn je. Nun gab Scott bekannt, dass sie eine weitere Milliardensumme für gemeinnützige Zwecke gespendet hat.

Scott kritisiert Verteilung von "unverhältnismäßigem Reichtum"

Die 2,74 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) gehen an 286 Organisationen, die bislang "historisch unterfinanziert und übersehen worden sind", wie die 51-Jährige am Dienstag auf der Online-Plattform "Medium" mitteilte. Unter den glücklichen Empfängern sind das Alaska Native Heritage Center, das Broward College in Florida und das Jazz at Lincoln Center in New York.

Die ausgewählten Einrichtungen – darunter Universitäten, Künstlergruppen und gemeinnützige Organisationen – setzen sich unter anderem gegen Rassismus und häusliche Gewalt sowie für Kultur und Bildung ein. Sie betonte, dass sie sich eine Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit zugunsten dieser Organisationen wünsche: "Große Spender ins Zentrum der Geschichten über sozialen Fortschritt zu stellen, ist eine Verzerrung ihrer Rolle."

In ihrem Blogbeitrag kritisierte die Milliardärin außerdem die ungerechte Verteilung von Reichtum auf der Welt. Ihr eigenes Vermögen sei durch Systeme ermöglicht worden, die geändert werden müssten, erklärte Scott. Sie glaube zudem, "dass es besser wäre, wenn unverhältnismäßiger Reichtum nicht in einer kleinen Anzahl an Händen konzentriert wäre, und dass die Lösungen am besten von anderen entworfen und ausgeführt" würden. Scotts wachsendes Vermögen wird durch Amazon ermöglicht, dem Unternehmen ihres Ex-Mannes. Der Internet-Gigant steht seit langem wegen seiner Monopolstellung im Privatsektor, niedrigen Steuerzahlungen und den teils ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in der Kritik. 

Philanthropischer Ansatz nicht unumstritten

Ihre jüngste Spende macht MacKenzie Scott endgültig zu der großzügigsten und einflussreichsten Philanthropin ("Menschenfreundin") weltweit. Gleichermaßen bejubelt wie umstritten ist dabei ihr Ansatz, die Spenden direkt, ohne Begründung und frei von Bedingungen zu verteilen. "Da wir glauben, dass erfahrene Teams am besten wissen, wie sie das Geld sinnvoll einsetzen können, haben wir sie ermutigt, es nach Belieben auszugeben", so Scott in ihrem Blogbeitrag. Das entlaste die Organisationen von bürokratischen Zwängen und beschleunige den Transferprozess, was sich besonders in Pandemiezeiten als äußerst hilfreich erwiesen hat. 

Ihre schnellen Schenkungen ebnen den Weg zu einem philanthropischen Status quo, der noch immer von großen Stiftungen dominiert wird. "Sie drückt ihre Kritik daran aus, indem sie so schnell so viel Geld verschenkt und so viele Bottom-up-Organisationen unterstützt", sagte David Callahan, Gründer der Webseite "Inside Philantrophy" der "New York Times". "Sie hat diesen Anti-Elite-Ansatz zur Philanthropie. Sie setzt sich nicht selbst auf den Fahrersitz."

Während Scotts Großzügigkeit von Philanthropie-Experten begrüßt wird, werden jedoch auch Stimmen lauter, die angesichts der hohen Beträge einen transparenteren Umgang mit den Spenden fordern. "MacKenzie Scott ist eine Privatperson, aber sie spielt eine öffentliche Rolle", sagte Maribel Morey, Direktorin des Miami Institute for the Social Sciences, der "Times". "Genauso wie ein Richter seine Logik erklären muss oder sich ein Senator vor seinen Wählern verantworten muss, ist es eine Philanthropin der Öffentlichkeit schuldig, zu erklären, wie und warum sie zu ihren Entscheidungen gekommen sind." 

Bisher ist nur wenig darüber bekannt, wie Scott ihre Organisationen auswählt – es gibt keine offizielle Anlaufstelle für Gruppen, um Fördermittel zu beantragen. Obwohl ihr Nettovermögen mittlerweile den Wert der Bill and Melinda Gates Foundation – der größten Wohltätigkeitsorganisation der Welt – übersteigt, hat Scott bislang kein Interesse an einer eigenen Stiftung gezeigt. Eine solche formelle Struktur würde detaillierte öffentliche Unterlagen und deutlich mehr Personal erfordern. Stattdessen erfahren die meisten Organisationen erst von ihrem potenziellen Glück, wenn ihnen von Scotts Vertretern mitgeteilt wird, dass sie von einer anonymen Spenderin für eine beträchtliche Summe in Betracht gezogen werden.

Mitglied der Initiative "Giving Pledge"

Im Januar 2019 hatten Scott und Bezos angekündigt, sich nach 25 Ehejahren scheiden zu lassen. Ihre Abfindung – etwa vier Prozent der Amazon-Aktien – wurde damals auf rund 36 Milliarden US-Dollar geschätzt. Nach ihrer Scheidung hatte Scott angekündigt, mindestens die Hälfte ihres Milliardenvermögens spenden zu wollen. Sie trat dazu der Initiative "The Giving Pledge" bei, wie die Organisation damals mitteilte.

Die Unterzeichner verpflichten sich, zu ihren Lebzeiten oder in ihrem Testament mindestens die Hälfte ihres Vermögens gemeinnützigen Zwecken zukommen zu lassen. Vergangenen Juli hatte Scott eine Spende von etwa 1,7 Milliarden Dollar öffentlich gemacht, bis Dezember folgten weitere Spenden von mehr als vier Milliarden Dollar.

Scott schätzt ihre Privatsphäre und hat in letzter Zeit keine Medieninterviews gegeben. Im März hatte sie zuletzt einen Teil ihres Privatlebens öffentlich gemacht, indem sie ihre Heirat mit Dan Jewett, einem Chemielehrer an der Schule ihrer Kinder, bekannt gab.

Quellen: "Medium", "New York Times", mit DPA


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