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Maria 2.0: Sie wollen das Priesteramt für Frauen und pädophile Kirchenmänner hart bestrafen

Immer mehr Katholikinnen streiten für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. Antreiber ist die Bewegung "Maria 2.0". Sie entwickelt eine Wucht, die noch vor Jahren undenkbar war. Ein Frontbericht aus Köln.

Von Rolf-Herbert Peters

Katholikinnen fordern Priesteramt für Frauen und Gleichberechtigung

Am Tag der Deutschen Einheit gehen Kölnerinnen vor St. Agnes auf die Straße. Sie fordern für sich das Priesteramt.

Es ist kurz vor 16 Uhr. Rund 30 Frauen stehen bereit zum Aufstand. Sie lauern neben dem Portal der mächtigen Kölner Kirche St. Agnes. Ihre Plakate haben sie schon ausgerollt. "Zugang zu allen Ämtern!", steht darauf. Oder: "Kein Amt für Täter!" Doch erst einmal warten sie die Hochzeit ab, die im Gotteshaus läuft. Schließlich sind sie fromme Katholikinnen. Durch die offene Tür sieht man, wie der Pfarrer im grünen Festgewand das Sakrament spendet. Er tut, was sie auch tun wollen, aber seit 2000 Jahren nicht dürfen. Und zwar nur aus einem Grund: weil sie Frauen sind.

Das Brautpaar tritt heraus. Dudelsackbläser spielen ein Lied der Bläck Fööss, darin die Zeile: "Du bess verlieb en dinge staatse Dom." Du bist verliebt in deinen prächtigen Dom. Einige Protestlerinnen schunkeln. Ja, sie lieben ihre Kirche. Und zugleich bekämpfen sie sie. Als das Brautpaar davonfährt, skandieren sie: "Keine Zukunft ohne Frau’n – lasst uns unsere Kirche bau’n!"

"Priester haben die Sache Jesu verraten."

Es gärt in der römisch-katholischen Kirche – nicht nur in Köln. Schon im Mai haben Frauen in rund 1000 deutschen Pfarreien ihre Ehrenämter niedergelegt und Gottesdienste boykottiert – weil sie nicht mehr Schäfchen zweiter Klasse sein wollen. Seit Anfang Oktober gehen sie wieder bundesweit auf die Straße, fordern Gleichberechtigung. Macht. Antreiber ist die Bewegung "Maria 2.0", sie will ein Update des Kirchenrechts. Maria 2.0 entwickelt eine Wucht, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Laut Schätzungen von Frauenverbänden stützen drei Viertel der deutschen Katholikinnen ihre Ziele. Das sind neun Millionen Frauen.

Maria 2.0 entstand Anfang des Jahres in Münster. Aus Verzweiflung über den bigotten Umgang des Klerus mit den Missbrauchsskandalen verfassten 15 Katholikinnen der Gemeinde Heilig Kreuz einen offenen Brief an Papst Franziskus. Ihre Forderungen schlugen sie – wie einst Luther – an die Kirchentür: Weiheämter auch für Frauen! Demokratisierung der Kirche! Strafrechtliche Verfolgung von Missbrauchstätern und Vertuschern! Aufhebung des Pflichtzölibats! Eine kirchliche Sexualmoral, die zur Lebenswirklichkeit der Menschen passt!

Bernadette Rüggeberg (r.) und Doris Bauer von der Bewegung Maria 2.0,

"Kirchenmänner haben die Sache Jesu verraten": Bernadette Rüggeberg (r.) und Doris Bauer von der Bewegung Maria 2.0, hier in der Kölner Kirche St. Agnes

Bernadette Rüggeberg, 63, von St. Agnes kann jeden Punkt unterschreiben. Sie hat einen weißen Schal umgelegt, das Symbol der Bewegung, und steht an einem Tisch mit Kuchen, der mit dem Schriftzug "Maria 2.0" aus Zuckerguss verziert ist. Ein fieser Herbstwind jagt durch das Kölner Agnesviertel, aber Rüggeberg will mit Passanten ins Gespräch kommen. Immer wieder geht es um die moralische Arroganz der Kirchenmänner, die sich als einzig legitime Nachfolger Jesu definieren und denen sich Frauen wie dienende Mägde unterzuordnen haben. "Nie war die Gelegenheit günstiger, das aufzubrechen", sagt Rüggeberg. "Durch die tausendfache sexuelle Gewalt und deren Vertuschung haben Priester die Sache Jesu verraten."

Die Sozialpädagogin ist eine typische Maria-2.0-Kämpferin. Ihr Elternhaus: erzkatholisch. Als Kind lebte sie in Höllenangst. "Der liebe Gott sieht alles!", drohten die Geistlichen. Sie sagt: "Mit 18 Jahren habe ich mich gefragt: Glaubst du das wirklich alles?" Beim Bibelstudium mit Protestanten wurde ihr klar, dass Gott "Mensch" und nicht "Mann" wurde. Und ein liebender Gott ist.

Später heuerte die vierfache Mutter in der Schwangerenkonfliktberatung des Bistums an. Jedes noch so kleine Geschöpf wollte sie retten, na klar. Aber auch den verzweifelten Frauen beistehen. Sie nicht fallen lassen, selbst wenn sie sich für eine Abtreibung entschieden. Der Kirchenjob wurde zur Vorhölle: "Der Kardinal gab uns ernsthaft den Auftrag, keine Frau entlastet zu entlassen." Sie fühlte sich schuldig – nicht Gott, sondern den Frauen gegenüber. Im Jahr 2000, als die Kirche keine Beratungsscheine mehr ausgab, ohne die eine legale Abtreibung unmöglich ist, baute Rüggeberg die private christliche Konfliktberatung Donum vitae mit auf. Sie blieb katholisch. Warum? "Tja, warum?", sagt sie nachdenklich.

Ein junges Paar kommt auf sie zu. "Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen?", fragt sie. "Immer gern", sagt Anna Kriller, die als Redakteurin arbeitet. Sie ist evangelisch. Der Katholizismus erscheint Kriller wie von einem anderen Stern. Ihr Freund, ebenfalls evangelisch, will seinen Namen nicht nennen, hat "irgendwie Bedenken", weil er in einer katholischen Einrichtung arbeitet. Bernadette Rüggeberg muss schlucken, als sie das hört. "Was müsste die Kirche tun, um wieder attraktiver zu werden?" "Nahbarer werden", sagt Kriller. "Das Thema ist wichtig. Auch junge Menschen suchen Halt."

Der Kardinal will übers Priesteramt nicht reden

Es ist nicht leicht für die Frauen, den Aufstand zu proben. Gerade in Köln. Die Stadt, die sich gern als tolerant verkauft ("Jede Jeck es anders"), ist von maskulinen Netzwerken durchsetzt. In Kirche, Karneval und Fußball spielen Frauen so gut wie keine führende Rolle. Und Erzbischof Rainer Woelki gibt den Gegenreformator, noch bevor es eine einzige Reform gibt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat im September beschlossen, den "synodalen Weg" zu gehen und über zwei Jahre mit Laien über Macht, Sexualmoral und Männerbünde zu verhandeln – was einer kleinen Revolution gleichkommt. Woelki macht nicht mit. Er lässt im größten deutschen Bistum einen eigenen "pastoralen Zukunftsweg" entwickeln. Frauen? Gleichberechtigung? Kein Thema. Er diskutiert nicht einmal mit den Maria-2.0-Frauen.

Wie alle Ewiggestrigen hält er die Frage der Frauenordination für beantwortet. Weil es Papst Johannes Paul II. 1994 im Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" so entschieden habe: Die Kirche besitze "keinerlei Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden." Männern schon – weil Jesus bewusst männliche Apostel gewählt habe. Außerdem besetzten Frauen längst höchste profane Führungspositionen. Tatsächlich liegt die Frauenquote in den Bistümern bei 19 Prozent – in den Vorständen der 100 deutschen Top-Unternehmen sind es nur zehn Prozent. Gerade wurde eine Frau zur Amtschefin des Bistums München und Freising bestimmt. Nur: Auch über ihr rangiert noch der Erzbischof. Und von sämtlichen Kernaufgaben – Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Beichte, Weihe und Krankensalbung – ist sie ausgeschlossen.

Mädchen tanzt die Macarena während Gottesdienst

Woelkis Weltbild ist nach Ansicht vieler Theologen ein Konstrukt aus der Mottenkiste. Der Kölner Ex-Pfarrer und Buchautor Joachim Frank ("Wie kurieren wir die Kirche?") sagt: "Jesus hat überhaupt niemanden geweiht – weder Männer noch Frauen! Und sich auch mit keiner Silbe gegen ein Frauenpriestertum ausgesprochen." Im Gegenteil: Frauen begleiteten ihn laut Bibel in den Tod, während sich die Apostel aus dem Staub machten. Und Frauen wurden die ersten Zeuginnen seiner Auferstehung – obwohl ihnen damals juristisch kein Zeugenrecht zustand. Die Dogmatikerin Dorothea Sattler, Professorin an der Universität Münster, sagt, Gott wäre auch als Frau Mensch geworden – wenn das unter den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor rund 2000 Jahren nicht "unklug" gewesen wäre.

Über all das diskutiert auch Doris Bauer, 51, mit Passanten. Seit zwölf Jahren ist sie in der Gemeinde St. Agnes engagiert, Kirchenchor, Kommunionhelferin, Kantorendienst. Im Mai beschloss sie, gemeinsam mit sechs anderen Frauen und dem Pastoralreferenten, in den Maria-2.0-Streik zu treten. Mit pochendem Herzen entwarfen sie einen Flyer und Plakate. Am 11. Mai, einem Samstagmorgen, startete ihr erster Protestzug durch das "hillije Kölle", von der Kirche St. Kunibert nach St. Agnes. "Wir hatten keine Idee, wie viele kommen würden", sagt sie. Dann kamen 100 Frauen und Männer mit weißen Schals – "großartig!" Und sie organisierten eine Menschenkette um den Dom. "700 Frauen und Männer haben ihn umarmt", sagt sie, darunter der Kölner Stadtdechant, der ihr Plakat "Klimawandel in der Kirche" hielt. Es ging durch alle Medien. Doris Bauer streikt weiter – "bis sich was ändert, auch wenn es manchmal wehtut". Rät ihr jemand: "Werde doch evangelisch", sagt sie: "Die katholische Kirche ist meine Heimat. Die verlässt man nicht einfach."

"Frauen, worauf wartet ihr?"

Die Kölner Altstadt. In einem Nachbargebäude der Basilika Groß St. Martin sitzt Elisabeth Bungartz, 68. Unter einem roten Kreuz ist zu lesen: "Frauen, worauf wartet ihr?" Bungartz steht der Kölner Sektion der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) vor, die insgesamt 600.000 Mitglieder zählt. 52.000 davon, meist zwischen 65 und 75 Jahre alt, sind hier am Rhein zusammengeschlossen, um für ihre Rechte einzutreten. Lange rangierten sie im Erzbistum als treueste der treuen Schäfchen. Bischöfe und Pfarrer kraulten ihnen – um im Bild zu bleiben – gern das Fell. In den Gemeinden backen sie Kuchen für das Pfarrfest. Wurden sie zu feministisch, drohte ihnen der Kardinal schon mal mit dem Entzug von Mitteln und dem Titel "katholisch". Doch nun werden sie immer bockiger. Bungartz sagt: "Selbst die älteren Frauen lassen sich von den Bischöfen und Priestern nicht mehr unterbuttern." Viele stünden an der Schwelle zum Kirchenaustritt. Am Vorabend hat sie mit Vertreterinnen von Maria 2.0 getagt. Sie wollen kooperieren.

Der Widerstand wächst weltweit. Katholikinnen selbst in konservativen Ländern wie Polen oder den USA solidarisieren sich. Im Bistum Freiburg haben sich knapp 140 Pfarrer und Diakone per Unterschrift der Bewegung angeschlossen. Es passiert, was der knorrige Teil des katholischen Klerus so fürchtet: dass die Gegenwart ihn einfach überrollt. Die Chancen, dass die Frauen all ihre Forderungen zu Lebzeiten umsetzen können, tendieren gegen null – zu groß ist der Widerstand in der Weltkirche. "Aber die Bischofskonferenz könnte in Rom beantragen, Diakoninnen weihen zu dürfen", sagt Theologe Frank, heute Journalist bei DuMont. Die dürften dann wenigstens predigen, taufen und beerdigen.

Die Frauen von St. Agnes planen schon die (noch geheime) nächste Eskalationsstufe. Bernadette Rüggeberg sagt: "Ich stehe hier und kann nicht anders. Ich möchte, dass auch für meine Töchter und Enkel diese Kirche wieder Heimat werden kann."

Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe des stern entnommen:

VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?