Papst-Besuch in Brasilien Papst warnt Jugendliche vor Sex und Drogen


In seiner Rede vor zehntausenden Jugendlichen in Sao Paulo hat Papst Benedikt XVI. vor Drogen und vorehelichem Sex gewarnt. Nicht alle seiner Anhänger stimmen mit den Ansichten des Pontifex überein.

Vor mehr als 30.000 Jugendlichen hat Papst Benedikt XVI. in Brasilien für traditionelle Familienwerte geworben. In einem Fußballstadion in der Metropole Sao Paulo warnte das katholische Kirchenoberhaupt seine Anhänger vor Sex vor der Ehe und vor Drogen. "Seid Förderer der Lebens, von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende", sagte der Papst von einem handgeschnitzten roten Thron aus.

Gemischte Gefühle bei Jugendlichen

Die Jugendlichen, die zum Teil stundenlange Busfahrten für die Begegnung auf sich genommen hatten, nahmen die Rede mit gemischten Gefühlen auf. "Die Kirche sollte für den Gebrauch von Kondomen eintreten. Sie sollte realistisch sein", sagte der 21-jährige Student Felipe Silveira. Auch der 20-jährige Robson de Compos sagte zum Punkt Verhütung: "Die Kirche muss flexibler werden."

Zum Auftakt seiner ersten Lateinamerika-Reise hatte sich Benedikt XVI. zuvor mit Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva getroffen. Offiziellen Angaben zufolge ging es dabei in erster Linie um die geplanten Feierlichkeiten anlässlich Benedikts fünftägigen Aufenthalts in dem Land mit den meisten katholischen Einwohnern weltweit. Die strittigen Themen Abtreibung und die Verteilung kostenloser Kondome durch die Regierung seien hingegen nicht angeschnitten worden. Bei einer Messe auf einem Flughafengelände will der Pontifex außerdem den Franziskanerpater Frei Galvao heilig sprechen.

Keine Legalisierung von Abtreibungen

Der Papst hatte bei seiner Ankunft in Sao Paulo seine strikte Ablehnung der Abtreibung betont und drohte Politikern mit dem Ausschluss aus der Kirche, wenn sie Gesetze zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen unterstützen. In Brasilien strebt unter anderem Gesundheitsminister Jose Gomes Temporao eine Legalisierung der Abtreibung an. Die Regierung wurde außerdem von brasilianischen Bischöfen scharf kritisiert, weil sie im Rahmen einer Anti-Aids-Kampagne Millionen Kondome umsonst verteilt.

In Lateinamerika lebt fast die Hälfte der weltweit 1,1 Milliarden Katholiken, in Brasilien sind es etwa 125 Millionen - so viele wie in keinem anderen Land. Allerdings verliert die Katholische Kirche in der Region seit einiger Zeit Millionen von Anhängern etwa an evangelikale Freikirchen und Sekten. Der deutsche Papst gilt vielen Katholiken in Lateinamerika dabei als verkopfter Theologe, der die meiste Zeit seiner Karriere hinter den Mauern des Vatikans verbracht habe. Sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. genoss dagegen große Popularität auf dem Kontinent.

Reuters Reuters

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