HOME

Einnahmen brechen weg: Zoos in der Corona-Krise: Zur Not "würde ich Tiere schlachten, um andere Tiere zu füttern"

Zwar sind die Zoos in Deutschland aktuell geschlossen. Die Tiere müssen aber natürlich trotzdem versorgt und gepflegt werden. Doch ohne Besucher keine Einnahmen. Das treibt einige Tierparks dazu, sich auf drastische Maßnahmen vorzubereiten.

Eisbär Vitus, Deutschland größter Eisbär und Vater von Berlins Eisbären Knut, schwimmt in seinem Becken in Neumünster

Eisbär Vitus, Deutschland größter Eisbär und Vater von Berlins Eisbären Knut, schwimmt in seinem Becken in Neumünster

DPA

Auch Tierparks und Zoos in Deutschland bleiben nicht von den Auswirkungen der Corona-Krise verschont. Die Einnahmen brechen weg, die Ausgaben bleiben aber bestehen. Das Hauptproblem: Selbst, wenn die Parks geschlossen sind, müssen die Tiere versorgt und gepflegt werden, Tropenhäuser müssen beheizt, Aquarien betrieben werden. "Der Großteil der Kosten fällt nicht einfach weg, nur weil der Zoo seine Tore nicht für Besucher öffnet", sagt Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) dem stern

Manch ein Zoo wähnt sich schon bald zu drastischen Maßnahmen gezwungen. Der Tierpark Neumünster in Schleswig-Holstein etwa hat einen Notplan ausgearbeitet, welche Tiere wegen der Zwangsschließung in welcher Reihenfolge geschlachtet werden müssten. Zuletzt auf die Schlachtbank käme demnach der 3,60 Meter große Eisbär Vitus, übrigens der Vater des inzwischen verstorbenen berühmten Berliner Eisbären Knut.

Laut der Direktorin wird der Zoo derzeit ausschließlich mit Spenden am Leben gehalten. "Wir sind ein Verein und bekommen keine städtischen Gelder, und alles, was wir bis dato an Landesgeldern beantragt haben, ist noch nicht eingetroffen", äußerte Verena Kaspari gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA). 

Sie beteuerte jedoch, dass es sich bei dem Schlachtplan um die absolut letzte Lösung handele. "Wenn - und das ist wirklich der aller worst, worst case - wenn ich kein Geld mehr habe, Futter zu kaufen, oder wenn es passieren sollte, dass mein Futterlieferant aufgrund neuer Restriktionen nicht mehr liefern kann, dann würde ich Tiere schlachten, um andere Tiere zu füttern", wird sie von der DPA zitiert. Zudem würde sie Tiere einschläfern, bevor sie diese verhungern ließe. 

Auf Anfrage des stern ließ sie ausrichten, nicht mehr für Interviews zur Verfügung zu stehen. Sie müsse sich um den Park und die Tiere kümmern.

Droht manchem Zoo gar die Pleite?

Ähnliche Probleme beschreibt Peter Marke, Zoodirektor des Westküstenpark in St. Peter-Ording. "Wir haben seit 15. Oktober keine Umsätze mehr gefahren”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ähnlich wie etwa die Bären in den Parks, sammeln die meisten Zoos in den Sommermonaten Geldreserven, um über die Wintermonate zu kommen. Ab Frühjahr müssen dann aber wieder Einnahmen in die Kassen kommen. "An der Seeadler-Voliere können wir nicht weiter bauen, und auch die anderen Renovierungsmaßnahmen können nicht stattfinden, weil das Geld nicht da ist”, wird Marke zitiert.

Beim Zoo in Schwerin befürchtet man bei anhaltendem Einnahmeneinbruch sogar die Pleite. "Eine Zoo-Insolvenz ist für uns alle ein neues Thema", sagte Direktor Tim Schikora der "Welt". Für die Auflösung des Tierparks existierten keine Pläne. Vor allem große Exoten seien ein Problem. "Unsere Tiger und Nashörner - die könnte ich kurzfristig nirgendwo unterbringen."

Verbandschef: Erster Rettungsschirm ging an Zoos vorbei

Laut Zoo-Verbandschef Homes wurde seine Branche vom ersten Corona-Rettungsschirm der Regierung quasi nicht berücksichtigt. Die Helfen würden für viele Betriebe nicht greifen, weil viele Zoos mindestens teilweise in der Hand der Kommunen seien und damit keine finanzielle Hilfen des Bundes in Anspruch nehmen könnten.

Wichtig seien nun schnelle finanzielle Hilfen für die Tierparks. Dafür hat der Verband in einem Brief einen 100-Millionen-Euro Rettungsschirm für Zoos gefordert. Man sei hierzu weiter in Gesprächen, sagt Homes. Aber erst drei der 16 Bundesländer arbeiteten ihm zufolge an einer Lösung, die Tierparks berücksichtigt.

Analyse zur Pandemie: Deutschland sicherstes Land in Europa

Zoos bald wieder offen für Besucher?

Was den Zoos wohl am schnellsten und einfachsten helfen würde, wäre die Erlaubnis, den Betrieb wieder aufzunehmen. "Wir hoffen, dass wir bei der ersten Welle, oder den ersten Wellen der Geschäftsöffnungen dabei sein werden", so Homes zum stern. "Natürlich nicht wie früher, aber unter Auflagen." So könne man Abstandsregelungen im Park und an den Schlangen vor den Kassen berücksichtigen oder zunächst die Restaurants im Zoo geschlossen lassen. 

Am Mittwoch verlautete laut DPA-Informationen aus Regierungskreisen: Tatsächlich erörtern Bund und Länder aktuell, ob Museen, Zoos und Botanische Gärten ab dem 20. April wieder geöffnet werden können.

Quellen: Pressemitteilung Verband der Zoologischen Gärten e.V. / "Redaktionsnetzwerk Deutschland" / "Welt" (Bezahlinhalt)