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Goldschatz in Hannover Ein Fliesenleger deckt auf


Es heißt ja, Handwerk hat goldenen Boden. Ein Fliesenleger in Hannover zeigt jetzt, wie es geht: Unterm Küchen-PVC liegt das Geld.
Von Manuela Pfohl

Morgens: Viel zu früh Weckerklingeln. Rein in die Latzhose, zur Arbeit fahren. Stau. Auf dem Weg schnell einen Pott Kaffee beim Bäcker kaufen und ein Mettbrötchen. In der Firma den Auftragsplan abholen. Wieder rein ins Auto. Hin zum Kunden. "Moin, wir sind die Handwerker." Die Bude liegt im fünften Stock. Also Fliesen schleppen. Das Zeug ist schwer. "Machense bloß nichts dreckig", warnt der Kunde. Einige Überstunden später endlich Feierabend. Mal wieder kein Trinkgeld. So übel kann ein Handwerkerleben sein. Muss es aber nicht.

Ein Fliesenleger in Hannover hat jetzt aufgedeckt, dass es des Handwerks goldenen Boden wirklich gibt. Und das ging so: Der 38-Jährige war von einem Wohnungsunternehmen beauftragt worden, zusammen mit einem Kollegen den Boden einer Küche zu fliesen, die nach dem Tod des Mieters erneuert werden sollte. Der alte PVC-Boden musste raus. Die Einbauküche hingegen sollte drin bleiben. Nix Besonderes. Der Fliesenleger demontierte mit seinem Kollegen wie in solchen Fällen üblich die Blenden der Küchenmöbel - und entdeckte dahinter einige Plastiktüten. "Wir dachten erst, das ist Abfall oder Ersatzteile der Küche, die dort verstaut worden waren", erzählt der Mann am Tag danach der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Doch weit gefehlt. Teilweise in Zeitungspapier verpackt liegen vor dem Handwerker rund drei Kilo Goldbarren und Münzen, dazu Silberbesteck im Wert von mehr als 100. 000 Euro.

Ein bisschen seltsam ist das schon

Ein Handwerker im Glück! Und was tut der grundsolide ehrliche Mensch? Er packt den Schatz nicht in seine Latzhose, um sich davon ein Ferienhaus auf Malle zu kaufen. Nein. Er steckt all die australischen Dollarmünzen, manche mit dem Konterfei von Queen Elizabeth, die Goldbarren mit Degussa-Prägung, das Silberbesteck und die Silbermünzen brav in eine Plastiktüte, meldet das Ganze der Hausverwaltung. Und sagt schließlich der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", er habe nicht einen Moment daran gedacht, die Wertgegenstände selbst zu behalten. Die blanke Rechtschaffenheit. "Erst später, als ich von meinem Fund erzählt habe, bin ich mehrfach gefragt worden, warum ich das überhaupt abgegeben habe", erzählt der Fliesenleger der Heimatzeitung.

Und wer bekommt nun den Schatz? Das Wohnungsbauunternehmen habe ihn sofort den Erben des gestorbenen Mieters der Wohnung gegeben, versichert eine Mitarbeiterin der Hausverwaltung. Doch wer das ist, warum der Mieter das Gold und Silber nicht zur Bank trug, sondern im Küchenboden versteckte, ob er es womöglich längst vergessen hatte, und ob er überhaupt derjenige war, der den Schatz versteckt hat, ist nicht bekannt. Aber die Polizei in Hannover wird es herausfinden. Denn ein bisschen seltsam ist das alles schon.

Ebenso interessant ist allerdings, ob dem braven Fliesenleger ein Finderlohn zusteht, und er auch einen Teil vom goldenen Boden des Handwerks abbekommt. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) erklärt dazu etwas umständlich: Wenn sich der Verlierer meldet und die Sache an ihn zurückgegeben werden kann, können Sie von ihm einen Finderlohn beanspruchen. Dieser beträgt als gesetzlicher Mindestanspruch fünf Prozent des Wertes der Sache. Ist die Sache mehr als 500 Euro wert, wird der Finderlohn von dem darüber hinausgehenden Mehrwert mit drei Prozent berechnet. Das würde zumindest für einen anständigen Familienurlaub auf Malle reichen.


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