Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
es ist immer ein wenig schwer, alle Beschimpfungen, Drohungen und sonstigen Äußerungen des US-Präsidenten darauf zu prüfen, ob sie es wert sind, berichtet zu werden. Das gilt umso mehr, seit klar ist, dass „Flooding the zone with shit“, eine Methode seines früheren Beraters Steve Bannon, längst zur Routine von Donald Trump gehört. Die Idee nämlich, wenn man nur genügend Schauplätze eröffnet, genügend Wirbel erzeugt, kann niemand mehr folgen – und schon gar nicht Widerstand organisieren. Diese Methode gelingt Trump richtig gut.
Seit einiger Zeit wiederholt Trump bei verschiedenen Gelegenheiten, dass er Kuba „freundlich übernehmen“ wolle. Manchmal lässt er das „freundlich“ auch weg. Wir haben das schon ein, zwei Mal am Rande aufgegriffen, inzwischen muss man diese Drohung allerdings sehr ernst nehmen. Wie inzwischen die Kubaner bestätigen, laufen im Hintergrund bereits Verhandlungen zwischen beiden Ländern.
Welche Pläne hat Trump wirklich für Kuba?
Kuba leidet schon lange unter der Misswirtschaft der Kommunisten. Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Doch seit Anfang des Jahres hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Das liegt auch daran, dass Venezuela und Mexiko jeweils auf Druck Trumps kein Öl mehr an Kuba liefern. Am Wochenende verwüsteten Demonstranten aus Frust über die Lage ein Parteibüro in Moron östlich von Havanna, gestern fiel auf der gesamten Insel der Strom aus.
Ob Trump aber nun wirklich Kuba übernimmt, wie er auch gestern gegenüber Journalisten erklärte? Unwahrscheinlich. Wie die „New York Times“ aus Verhandlungskreisen berichtet, zielt die Trump-Regierung auch auf Kuba nicht auf einen „Regime Change“.
Es scheint ihr zu genügen, den aktuellen Machthaber Miguel Díaz-Canel zu stürzen. Dann könnte man sich anderweitig einigen, zum Beispiel mit einem der Enkel von Fidel Castros Bruder Raúl, mit dem offenbar gerade US-Außenminister Marco Rubio verhandelt:
Das Problem, den Irankrieg zu beenden
Allerdings hat die Strategie Trumps, ständig eine neue Sau durchs Dorf zu jagen, auch ihren Preis: Die meisten seiner Maßnahmen sind nicht allzu durchdacht. Offenbar nicht einmal der Irankrieg. Die Straße von Hormus erweist sich als Achillesferse in Trumps Plänen. Auch, weil weder Nato noch EU ihm aus der Klemme helfen wollen, wie meine Kollegin Leonie Scheuble ausführt.
Dies ist übrigens auch Thema des 5-Minuten-Talks (siehe unten) – allerdings aus deutscher Perspektive.
Hut ab vor Sean Penn!
Wenn ich bedenke, in welchem Ausmaß die Regierung Trump gegen bürgerliche Freiheiten und die Kulturindustrie vorgeht, hätte ich schon einen klareren Kommentar aus Hollywood erwartet. In dieser Hinsicht aber war die Oscar-Verleihung eine Enttäuschung.
Um so klarer erscheint die Haltung von Sean Penn, der gar nicht erst hinging, um seinen dritten Oscar, diesmal für die beste männliche Nebenrolle, anzunehmen. Er ist offenbar auf den Weg in die Ukraine, die er schon länger politisch unterstützt. Hut ab!
Der Schlankheitswahn ist zurück
Die zweite große Enttäuschung, die für mich nach dieser Oscar-Verleihung zurückbleibt, beruht auf einer Beobachtung meiner Kollegin Christine Zerwes: Die Stars werden wieder dünner und dünner. Es ist ein offenes Geheimnis in Hollywood, dass das auch auf der Abnehmspritze beruht, angewandt in Mikrodosierung.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht hier nicht um ein „Body shaming“ gegen Schlanke. Aber wenn plötzlich eine ganze Reihe von Frauen im öffentlichen Leben unabhängig von ihren Körpergrößen Gewicht verlieren, ist das schon bemerkenswert, wie das etwa die Schauspielerin und Aktivistin Jameela Jamil formuliert. Ein krasser Rückschritt:
5-Minuten-Talk: Sollten wir Trump beim Irankrieg doch helfen?
Die meisten Staaten Europas werden die Straße von Hormus nicht sofort absichern, weil sie sich nicht am Irankrieg beteiligen wollen. Dieser Konflikt sei kein Nato-Konflikt, betonte Kanzler Merz. Die Botschaft: Die Suppe darf der US-Präsident mal schön alleine auslöffeln.
Aber ist das die richtige Antwort auf Trumps Forderung, die Nato möge bitte aushelfen? Klar, sagt Jan Rosenkranz. Europa könne sich ja schlecht an einem Krieg beteiligen, den Trump ohne Absprache begonnen hat. Nein, meint Veit Medick. Die Folgen des Krieges für uns sind so groß, dass wir schon aus Eigeninteresse aktiv werden sollten:
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Das passiert am Dienstag, dem 17. März 2026
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- Und dann noch ein Hinweis, was morgen passiert: Wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft verdi, streicht der Berliner Flughafen am Mittwoch alle Passagierflüge. Darauf wollen sich Betroffene vielleicht heute schon vorbereiten.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Der Begriff Nymphomanie stammt aus dem 19. Jahrhundert, brandmarkte eine aus damaliger Sicht krankhaft übersteigerte sexuelle Begierde von Frauen, auch „furor uterinus“ genannt, der „Wahnsinn des Unterleibs“.
Aber kann zu viel Sex wirklich krankhaft sein? Meine Kollegin Wiebke Geßner hat mit einer selbst ernannten Nymphomanin und einer Sexualtherapeutin gesprochen:
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Matthias Urbach