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Proteste gegen Ölbohrungen vor Kanaren: Spanien beschlagnahmt Greenpeace-Schiff

Die "Artic Sunrise" scheint vom Pech verfolgt. Erst im September 2013 wurde sie von russischen Sicherheitskräften gekapert. Nun setzte Spanien das Greenpeace-Schiff auf Lanzarote fest.

Die spanischen Behörden haben das wegen einer Protestaktion gegen Ölbohrungen vor den Kanarischen Inseln kreuzende Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" beschlagnahmt. Die Besatzung habe eine maritime Sperrzone missachtet und Anweisungen der Marine ignoriert, diese wieder zu verlassen, sagte Verteidigungsminister Pedro Morenés am Mittwoch im Parlament. Eine Kaution wurde festgesetzt, deren Höhe Greenpeace auf 50.000 Euro bezifferte.

Von der "Arctic Sunrise" aus seien Beiboote ins Wasser gelassen worden, um ein Forschungsschiff des Energiekonzerns Repsol "zu schikanieren und zu entern", sagte Morenés. Das attackierte Schiff sollte demnach Öl- und Gasvorkommen in der Region erkunden.

In einem von Greenpeace veröffentlichten Video ist zu sehen, wie drei Marine-Boote die Boote der Greenpeace-Aktivisten rammen, als diese sich dem Repsol-Schiff nähern. Eine italienische Aktivistin und ein spanischer Aktivist seien bei der Intervention der spanischen Marine verletzt worden, erklärte die Organisation im "Greenpeace Magazin". An zwei Schlauchbooten soll Totalschaden entstanden sein.

Greenpeace betonte die Wahl rein friedlicher Protestmittel: Einen Versuch zum Entern habe es nicht gegeben. Der Leiter von Greenpeace Spanien, Mario Rodriguez, sagte dem "Greenpeace Magazin": "Die Festsetzung der Arctic Sunrise verletzt die Rechte aller Menschen, die für die Umwelt kämpfen." Er warf der spanischen Regierung vor, die Interessen eines Ölkonzerns zu unterstützen und gegen eine friedliche Umweltorganisation vorzugehen.

Angebliche "Verstoße gegen Seeverkehrsregeln"

Die Naturschützer hatten sich bereits vor mehreren Wochen mit dem unter niederländischer Flagge fahrenden Greenpeace-Schiff in die Gegend begeben. Die "Arctic Sunrise" liegt nun bis auf Weiteres im Hafen von Arrecife auf der Kanareninsel Lanzarote fest. Nach Angaben von Greenpeace hat die spanische Regierung Ermittlungen gegen den Kapitän der "Arctic Sunrise" wegen eines "Verstoßes gegen Seeverkehrsregeln" veranlasst, der mit einem Bußgeld von bis zu 300.000 Euro geahndet werden kann. Der Kapitän und die Mannschaft sind aber auf freiem Fuß.

Der Zwischenfall erinnert an einen ähnlichen Zwischenfall im September vergangenen Jahres. Damals wurde die "Arctic Sunrise" in der Barentssee von russischen Einsatzkräften aufgebracht. 30 Aktivisten und Journalisten an Bord wurden festgenommen und nach internationalen Protesten einige Wochen später auf Kaution freigelassen. Die Umweltschützer hatten versucht, eine Bohrinsel des russischen Staatskonzerns Gazprom in der Barentssee zu entern. Erst im Juni wurde die "Arctic Sunrise" wieder freigegeben.

ivi/AFP / AFP