Henry Kissinger "Fürth ist mir ziemlich egal"


Gelegentlich neigt Henry Kissinger im Umgang mit seinen Fürther Jahren zu einer gewissen Rigorosität. So fiel die Visite des früheren US-Außenministers in seiner fränkischen Geburtsstadt kurz aus. Sein Geburtshaus ließ der 81-Jährige gleich links liegen.

Die Visite fiel unerwartet kurz aus: Gerade mal fünf Minuten dauerte am Montag der Abstecher des früheren US-Außenministers Henry Kissinger in dem betagten viergeschossigen Gründerzeitgebäude, in dem er Kindheit und Jugend verbrachte. Dann holperte die dunkelblaue Limousine über das rauhe Kopfsteinplaster des früheren Juden-Viertels zur nächsten Station. Sein Geburtshaus, das nur einige Straßen weiter entfernt liegt, ließ der 81-Jährige allerdings links liegen und fuhr direkt zum alten jüdischen Fürther Friedhof.

Zumindest äußerlich zeigte der ergraute US-Politiker und frühere Superstar der amerikanischen Außenpolitik beim Verlassen des elterlichen Hauses keine emotionale Regung. Die Frage von Journalisten, was er denn fühle, nachdem er die Stätte seiner Kindheit und Jugend besucht habe, ignorierte er einfach.

Besuch der früheren Eltern-Wohnung misslungen

Zuvor war Kissingers Versuch misslungen, noch einmal einen Blick in die frühere elterliche Wohnung zu werfen. Wegen der Kurzfristigkeit des Besuchs hatten die heutigen Bewohner im zweiten Stockwerk des Hauses Marienstraße 5 nicht mehr rechtzeitig verständigt werden können. Kissinger und sein ebenfalls in den USA lebender Bruder Walter standen vor verschlossenen Türen.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) strahlte unterdessen über beide Ohren. Denn Kissingers Fürth-Besuche waren in den vergangenen Jahren selten geworden. Natürlich sei er nervös, "einem Weltbürger zu begegnen", bekannte das Stadtoberhaupt. Bei einem Plausch mit dem einzigen noch lebenden Ehrenbürger der Stadt entlockte ihm Jung schließlich die Zusage, das 1000-jährige Jubiläum der fränkischen Industriestadt im Jahre 2007 mit seinem Besuch zu krönen - "wenn es die Gesundheit erlaubt", wie Kissinger einschränkte.

Nach Darstellung von Kissingers politischem Biografen Jeremi Suri, der sich gerade zufällig in Fürth aufhielt, ist Kissingers Verhältnis zu seiner Heimatstadt bis heute gespalten. Wer den Politiker auf seine Kindheit und Jugendjahre in Fürth anspreche, erhalte oft keine oder nur ausweichende Antworten. "Kissinger redet nicht gerne über seine Zeit und seine Erfahrungen in Fürth", erzählt der Historiker der University Wisconsin. Suri erforscht die Einflüsse der deutschen Jugendjahre auf Kissinger und dessen späteren Politikstil.

"Ich habe in Fürth keine alten Freunde"

Gelegentlich neigt Kissinger nach Suris Einschätzung im Umgang mit seinen Fürther Jahren sogar zu einer gewissen Rigorosität. Als frühere Fürther Freunde Kissingers den US-Politiker Mitte der 70er bei einer inoffiziellen Fürth-Visite treffen wollten, ließ dieser kurz und bündig antworten: "Ich habe in Fürth keine alten Freunde. Sie sind alle tot." Und als US-Historiker Suri Kissinger noch vor einigen Monaten danach befragte, welche Rolle denn Fürth eigentlich in dessen Leben gespielt habe, habe dieser zur Antwort gegeben: "Fürth ist mir ziemlich egal."

Klaus Tscharnke/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker