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Hochsommer: Volker erhitzt die Gemüter

Großbildleinwände sind aus, die Fan-Feste überfüllt, die Innenstädte dagegen leer - Hoch Volker sorgt in Deutschland für hochsommerliche Temperaturen. Die aber gefallen nicht jedem, glaubt man Berufssportlern, die gerade arbeiten müssen.

Wer hätte vor kurzem gedacht, dass sich die Spieler bei der Weltmeisterschaft ausgerechnet über die Hitze beschweren würden. 40 Grad waren es am Sonntag im Leipziger Stadion bei der Partei Holland gegen Serbien-Montenegro, was den niederländischen Trainer Marco van Basten stoßseufzen ließ: "Der schlimmste Gegner war die Hitze. Wir wären beinahe gestorben".

Den Übeltäter haben die Meterologen "Volker" genannt, ein Hochdruckgebiet, das sich pünktlich zum Beginn der WM über Deutschland breit gemacht hat. Und die Hitzewelle soll noch bis Mittwoch anhalten; mit bis zu 16 Sonnenstunden täglich und Spitzenwerten von 33 Grad, in den Spielstätten kann es bis zu 40 Grad werden.

Ab Mittwoch legt der Hochsommer dann eine kleine Pause ein. Dabei sind kräftige Gewitter mit Hagel und heftigen Regengüssen möglich, denen eine Abkühlung folgt, wie der Deutsche Wetterdienst vorhersagt. Die hören am Donnerstag zwar wieder auf, doch dann wird es wieder deutlich kühler: Die Tageshöchsttemperaturen erreichen nur noch 16 bis 24 Grad, an Ober- und Hochrhein sind noch 25 bis 27 Grad möglich.

Wetterumschwung erfreut die Händler

Der Wetterumschwung wird immerhin die Händler erfreuen. Denn mit der Weltmeisterschaft haben viele Geschäfte ihre Öffnungszeiten teilweise bis Mitternacht ausgedehnt, was bislang aber nicht den erhofften Umsatzschub gebracht haben soll, glaubt man etwa Karstadt-Quelle. Der Warenhauskonzern erteilte dem Wochenende lediglich die Note "befriedigend", das gute Sommerwetter lockte die Verbraucher eher ins Freibad als in die Innenstädte. "Das Geschäft war so, dass es sich lohnt, die Häuser aufzumachen. Aber die Neigung zu einem Einkaufsbummel ist bei gutem Wetter natürlich nicht so ausgeprägt", sagte der Sprecher des Konzerns.

Auch an den Aktienmärkten macht sich "Volker" bemerkbar. Die wichtigsten Indizes gaben nach, Händler sprachen von einem sehr geringen Handelsvolumen, das schöne Wetter sei am Markt eben deutlich spürbar.

Fan Feste mit großem Zulauf

Das schöne Wetter sorgt auch bei den Fan Festen für großen Zulauf. Sehr zum Unmut der Gastronomen, denn laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands sei das Projekt Weltmeisterschaft zwar "gut angelaufen", doch häufig war das Public Viewing, also die Übertragung auf Großleinwänden, aber noch attraktiver. "Natürlich ist beim Public Viewing viel los. Man hat aber auch gesehen, dass die Fußball-Fans viele Angebote haben und diese ausprobieren", sagt ein Verbandssprecher zweckoptimistisch.

Inzwischen gegen sogar die Großbildleinwände aus. Die großen Verleiher müssen sich ihre Leinwände mittlerweile aus dem Ausland besorgen, weil Unternehmen und Kneipen sie ihnen förmlich aus den Händen reißen. Doch das schöne Wetter sorgt bei diejenigen, die sich eine Leinwand für die Live-Übertragungen gesichert haben, für ein Problem: Im niederbayerischen Eggenfelden etwa war kurz vor Anpfiff des WM-Eröffnungsspiels Deutschland - Costa Rica wegen zu starker Sonneneinstrahlung nichts zu sehen, wie die "Passauer Neue Presse" berichtet. Doch die Fans wussten sich zu helfen: Aus Holzlatten und schwarzer Folie wurde kurzerhand ein Sonnenschutz gebastelt.

mit DPA/AP/Reuters / AP / Reuters