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M. Winnemuth: Um es kurz zu machen: Erwischt!

Warum sind wir bereit, beträchtliche Summen für Adventskalender auszugeben, deren Inhalt wir normalerweise keinesfalls kaufen würden?

Unlängst erhielt ich eine interessante E-Mail von einer Dame namens Rae. Mir wurde mitgeteilt, dass ich beim Internetporno-Gucken erwischt worden sei. Davon gebe es ein Beweisvideo, weil Rae dank eines Trojaners Zugriff auf meine Laptopkamera habe und mich dabei gefilmt habe, wie ich mich beim Anschauen eines Pornokanals (ähem) vergnügt habe. Das Beweisvideo zeige per Doublescreen links den Porno ("Sie haben guten Geschmack, haha"), rechts meine Reaktion darauf. Ach so, außerdem habe sie Zugriff auf all meine E-Mail- und Facebook-Kontakte.

Überweisung auf ein Bitcoinkonto

Um dieses "dreckige kleine Geheimnis" zu bewahren, fände Rae es angemessen, wenn ich 1.200 Dollar überweise. Und zwar innerhalb von fünf Tagen, bitte auf folgendes Bitcoin-Konto: 1Giz75kQoiZyuPEtwSoUGvfxM1AnuaxVZL. Falls ich nicht löhne, gehe das Beweisvideo an all meine Kontakte inklusive Verwandtschaft und Kollegen. Dass ich diese Mail gelesen habe, wisse Rae auch, wegen irgendeines Pixels, das den Empfang quittiert.

Okay.

Zunächst mal, das müssen Sie mir jetzt einfach glauben, habe ich allen Ernstes noch nie Internetpornos geguckt. Nicht mal zufällig auf der Maus ausgerutscht oder so, da bin ich ganz sicher; es hat mich bislang einfach nicht interessiert. Soll ein anderer analysieren, was das über mich aussagt, übermenschliche Tugend, totale Langeweile oder galoppierendes Spießertum, höchstwahrscheinlich alles zusammen. Angeblich gucken 43 Prozent aller Internetnutzer pornografische Inhalte an, insofern befinde ich mich aufseiten einer knappen Mehrheit. Die Deutschen, das nur nebenbei, sind Weltmeister im Porno-Gucken, sie generieren 12,4 Prozent des weltweiten Traffics.

alte Passwörter werden gehackt

Die E-Mail ist natürlich nur ein "Scam", ein Fall von Cyberkriminalität. In diesem Fall aber eine besonders perfide Form von Erpressungsversuch, denn in der Betreffzeile der Mail wurde das Passwort genannt, das ich tatsächlich jahrelang in Verbindung mit meiner privaten E-MailAdresse verwendet hatte – es wurde ganz offenbar gehackt. Auch wenn das Passwort veraltet ist, fühlt es sich trotzdem ungemein mulmig an, dass so was da draußen kursiert.

Das Verrückte an der Geschichte ist nun aber, dass ich mich trotz erkannten Scams und (so glauben Sie es mir doch!) Niegeguckthabens sofort schuldig fühlte. Jemand bezichtigt mich irgendeines Quatsches – und schon werde ich ganz wuschig. Warum? Ist doch völlig blödsinnig, ich könnte das Ganze abheften und vergessen, oder?

Vermutlich liegt es daran, dass in diesen Zeiten die reine Fantasie eines Fehlverhaltens, die blanke Idee, jemand könne dieses tun oder jenes denken, ausreicht, um ganze Schuldund Beschuldigungskaskaden in Gang zu setzen. Das Verbreiten von Hirngespinsten, Gerüchten und Verdächtigungen hat durch das Spiegelkabinett des Internets eine derartige Wucht und Haftkraft entwickelt, dass jede Form von Blödsinn unkompostierbar fortlebt. Da draußen geistern Gedanken-Zombies umher, die durch den schlichten Satz "Aber das stimmt doch gar nicht" erst richtig fett gefüttert werden.

Das Netz vergisst nichts

Das Internet vergisst nichts. In irgendeiner digitalen Ecke hängt immer noch ein Rest Schmutz fest – doch am hartnäckigsten in unseren ratternden, kleinen Köpfen. Darf ich mal in Ihren schauen? Wird schon einen Grund haben, warum sie darüber schreibt. Ist vielleicht doch was dran? Wäre doch denkbar! Warum betont sie so, dass sie noch nie Internetpornos geguckt hat? Wer sich verteidigt, klagt sich an.

Dieser Text ist ein Testfall. Da war doch mal was mit Winnemuth und Porno, werden Sie in einigen Monaten denken. Hat sie sogar selber geschrieben.

stern-Stimmen-Lesung: Wenn man der IT sein Passwort verraten muss – und es ist "Titten 3000"


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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.