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M. Winnemuth: Um es kurz zu machen: Das Abc des Sommers – Wie verhält man sich bei Hitze richtig?

Bei dieser Sommerhitze drehen alle durch. Vor allem die Experten, die uns sagen, wie wir uns bei Hitze zu verhalten haben.

Sommer-Abc:: Wie verhält man sich bei großer Hitze richtig?

Jeden Sommer eine solch überraschende Wetterlage

Man soll ja viel trinken dieser Tage. Das hat erkennbar auch Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst getan, als er der dpa Folgendes als "Tipp für alle Hitzegeplagten" in den Block diktierte: "Vor dem Zubettgehen einfach den Pyjama beziehungsweise das Nachthemd oder zusätzlich auch die Bettbezüge für längere Zeit ins Eisfach legen." Ich versuche mir gerade die Dimensionen des Eisfachs von Herrn Trippler vorzustellen und das abendliche Ritual, das angefrorene Bettzeug vorsichtig von der Tiefkühlpetersilie zu befreien – nur um dann festzustellen, dass Pyjama und Laken handgestoppte zehn Sekunden brauchen, um wieder Raumtemperatur zu erreichen. So viel zu Ratschlägen, die dem beliebten Muster "einfach mal XY machen" folgen.

Alle drehen gerade ein bisschen durch. Ja, es ist warm. Ja, es ist wärmer als erwünscht und schon so lange warm und überhaupt viel zu warm. Wenn sich eine solche überraschende Wetterlage einstellt wie in praktisch jedem Sommer, wird gern zum Vokabular der Katastrophenberichterstattung gegriffen: "Brutalo-Hitze", "Sahara-Wärme", "Extremsommer", darunter geht es nicht. Jeder Tag ist der heißeste aller Zeiten, zumindest "seit Beginn der Wetteraufzeichnungen".

Charmanter Sommerkick

Und jedes Jahr muss den Leuten offenbar das Abc des Wärme-Ertragens wieder neu beigebracht werden. Alles daran ist unangenehm: über das Durstgefühl hinaus ungesüßte Kräutertees oder Fruchtsaftschorlen trinken, trotzdem aber bitte noch die Farbe des Urins beobachten, lauwarme Duschen, Sport nur in den Morgenstunden (Entschuldigung, aber: Sport???), kalorienarmes Essen, helle und weite, atmungsaktive Kleidung.

So weit sind sich alle Hitzeexperten einig. Lustig wird es bei den Spezialratschlägen. "Kalten grünen Tee in eine Spritzflasche füllen und sich damit einsprayen": Sehr schön, vor allem, wenn man die vorgeschriebene atmungsaktive helle Kleidung trägt, der die hellgrünen Spritzer einen charmanten Sommerkick verpassen.

"Sich in nasser Kleidung vor einen Ventilator stellen": Auch gut, denn man muss den Tee ja sowieso auswaschen, also kann man sich doch gleich angekleidet unter die (lauwarme!) Dusche stellen.

"Chili essen, weil man davon so schwitzt, dass der Schweiß abkühlend wirkt": Ja, das ist der Sinn von Schweiß, also gern mehr davon. "Keinen Kaffee trinken, weil man davon schwitzt und so Flüssigkeit verliert. Außerdem: Wenn Sie schwitzen, können Sie sich leicht erkälten." Bitte was? Ich komme nicht mehr hinterher. Schwitzen, nicht schwitzen?

"Lampen, Fernseher, Laptops – all diese Geräte geben Wärme ab und heizen Ihr Schlafzimmer zusätzlich auf. Daher sollten Sie sämtliche elektrischen Geräte besser ausschalten." Völlig richtig. Nur gibt der menschliche Körper mehr Wärme ab als ein Laptop. Der passende Rat wäre also: "Entfernen Sie alle anderen Personen aus Ihrem Haus, wenigstens aber aus Ihrem Bett."

Mittagshitzenlüge

"Nachts sollten Sie die Fenster ankippen. Bei weit geöffneten Fenstern könnte die Zugluft zu einem steifen Nacken führen." An dieser Stelle lasse ich Jörg Kachelmann von der Kette, der seit Menschengedenken gegen die urdeutsche Angst vor Zugluft pestet ("Was in anderen Ländern einfach Wind heißt, heißt in Deutschland Durchzug") und gegen die Mittagshitzenlüge: Am heißesten ist es nämlich nicht zwischen 12 und 14, sondern zwischen 17 und 18 Uhr.

Ich schreibe dies mit letzter Kraft, die Füße in einem Mörteleimer voll Wasser. Wenn Sie mich kurz entschuldigen wollen? Ich muss mich dringend mit atmungsaktiver Fruchtsaftschorle besprühen. Und dann den Laptop ausschalten.

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