Millionenhandel Ein Stück Mond für 19,99 Dollar


Dennis Hope hätte es gar nicht gern, wenn jemand so einfach den Fuß auf den Erdtrabanten setzt. Dieser, argumentiert der Amerikaner, gehöre nämlich ihm selbst, und so bietet er seit Jahren Mond-Parzellen feil - 4000 Quadratmeter für 19,99 Dollar.

US-Präsident George W. Bush sollte besser zum Telefonhörer greifen, bevor er seine Pläne für eine bemannte Mondmission weiter vorantreibt. Sonst könnte er Ärger mit seinem Landsmann Dennis Hope bekommen, der es gar nicht gern hat, wenn jemand so einfach den Fuß auf den Erdtrabanten setzt. Der Mond, so argumentiert Hope, gehört nämlich ihm selbst, und daher hat ohne seine Genehmigung dort keiner etwas zu suchen. Es sei denn, man hat eines jener Mondgrundstücke gekauft, die Hope seit Jahren hauptsächlich per Internet feilbietet.

Viele Prominente als Grundstücksbesitzer

Und das Geschäft mit den kleinen Parzellen blüht. 19,99 Dollar, also etwa 15,70 Euro, nimmt der in Nevada lebende Amerikaner für einen Acre (rund 4000 Quadratmeter), und nach eigenen Angaben sind inzwischen über 400 Millionen Acres verkauft worden. Insgesamt, so verrät Hope, gibt es bisher 2,5 Millionen Grundstücksbesitzer auf dem Mond. Darunter seien Einzelpersonen und auch viele Prominente wie etwa die Schauspieler Tom Hanks, Tom Cruise, Nicole Kidman und Meg Ryan sowie zwei Expräsidenten und rund 25 Kongressabgeordnete. Aber auch 13 000 Firmen, die etwa eines Tages nach Schätzen im Mondboden schürfen oder Golfanlagen bauen wollten, hätten sich auf dem Mond eingekauft.

Einen Teil der Grundstücke hat der 55-Jährige an Subunternehmer in sieben anderen Ländern - darunter Großbritannien und Frankreich - veräußert, die damit die Parzellen selbstständig weiterverkaufen können. Aber Vorsicht: Hope, der sein Unternehmen "The Lunar Embassy" (Die Mondbotschaft) nennt, kennt kein Pardon, wenn ihm jemand unrechtmäßig in die Quere kommt. So droht er etwa Händlern in Deutschland, die ohne Genehmigung mit Bezug auf seinen Namen Grundstücke verkauften, mit rechtlichen Schritten.

Riesenjux oder Riesenschwindel?

Aber ist das, was Hope selbst betreibt, ein seriöses Geschäft, ist es ein Riesenjux oder ein Riesenschwindel? Hope versichert, dass alles legal sei und es bisher keinerlei Konflikte mit dem Gesetz gegeben habe. Im Gegenteil, so sagt er, könne er zwei Auszeichnungen seitens des US-Kongresses für seinen Unternehmergeist aufweisen.

Tatsächlich hat sich der nach eigenen Angaben inzwischen zum Multimillionär gewordene Hope seinen Besitz einst behördlich bescheinigen lassen und lacht sich selbst darüber kaputt, wie einfach es war. Die Geschichte des größten Grundstücksbesitzers im Universum begann vor fast 25 Jahren, als Hopes Ehe in die Brüche ging. Gebrannt in Sachen Liebe und abgebrannt in Sachen Geld suchte er nach neuem Lebenssinn plus neuer Erwerbsquelle. Dann kam die Erleuchtung - im wahrsten Sinne des Wortes: "Ich schaute in den Himmel und sah den Mond. Da wusste ich, was ich zu tun hatte."

Hope machte sich auf dem Weg zum Grundbuchamt im kalifornischen San Francisco, um sich als Eigentümer des Trabanten registrieren zu lassen. Das Glück spielte mit: Hope fand einen Beamten mit Humor. "Er sagte: Zum Teufel damit, zahle die zehn Dollar für die Papiere und gehe hin in Frieden." Damit wurde er Eigentümer des Mondes, was er sich auch flugs noch von einem Anwalt bestätigen ließ. Dazu sicherte er sich das Copyright für die Besitzerurkunden, die Grundstückskäufer von ihm erhalten.

Der Mond als Republik

Hinweise von Rechtsexperten, dass der Mond nach einem internationalen Vertrag von 1967 keiner Nation gehöre, kümmern Hope wenig: Er sei ja schließlich kein Staat, sondern eine Einzelperson. Und was Bush betrifft: Der könne für seine geplante Mondstation ein Grundstück zum Nulltarif von ihm leasen, wenn er offiziell seine - Hopes - Besitzerrechte anerkenne. Vielleicht finden die US-Astronauten bei ihrer Ankunft ja schon Mondbewohner vor: Wie Hope sagt, unterstützt er mit einem Teil seiner Einkünfte eine private Firma, die sich an der Entwicklung eines Raumfahrzeuges für kommerzielle Flüge beteiligt. Demnächst sollen die Mondteilhaber schon mal eine galaktische Regierung wählen, und die Verfassung steht längst. Der Mond ist eine Demokratische Republik.

Gabriele Chwallek DPA

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