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Missbrauchskandal: Mindestens 115 Fälle an katholischen Schulen

Im Skandal um sexuelle Übergriffe an Schulen haben sich bisher mindestens 115 Opfer gemeldet, die zum größten Teil das Canisius-Kolleg in Berlin und andere Jesuitenschulen besucht haben. Die Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue berichtete am Donnerstag, insgesamt seien zwölf Jesuitenpatres namentlich beschuldigt worden.

Im Skandal um sexuelle Übergriffe an Schulen haben sich bisher mindestens 115 Opfer gemeldet, die zum größten Teil das Canisius-Kolleg in Berlin und andere Jesuitenschulen besucht haben. Die Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue berichtete am Donnerstag, insgesamt seien zwölf Jesuitenpatres namentlich beschuldigt worden.

Es gehe um Schulen und Jugendeinrichtungen im ganzen Bundesgebiet. Es gebe auch einzelne Fälle von Vergewaltigung, darin seien nach ihren bisherigen Erkenntnissen aber keine Jesuiten verwickelt. Es seien auch Frauen als Täter genannt worden.

Raue, die im Auftrag des Jesuitenordens arbeitet, hielt dem Orden vor, sich zwar um ihre Patres gekümmert zu haben, die in Übergriffe und Gewalttätigkeiten verwickelt waren, die Opfer aber eher ignoriert zu haben. "Eine Befassung mit der Seelenlage der anvertrauten Kinder und Jugendlichen habe ich bei dem Aktenstudium vermisst." Es sei an keiner Stelle um die Frage gegangen, wie es wohl der Schülern gehe, die mit den fragwürdigen "Erziehungsmethoden" der Patres konfrontiert waren.

Der Skandal, der mit Enthüllungen am Berliner Canisius-Kolleg vor wenigen Wochen aufgedeckt worden ist, habe "Dimensionen angenommen, die bisher nicht zu erahnen waren". Bislang habe sie sich nur mit den Biografien der beiden Patres Peter R. und Wolfgang S. befasst, die seit den 60er bis in die 80er Jahre am Canisius-Kolleg und anderen Jesuitenschulen in Deutschland tätig waren. Die Fälle am Bonner Aloisius-Kolleg seien noch gar nicht bearbeitet.

Raue sagte, sie werde einen Arbeitsstab gründen, um alle Fälle aufklären zu können. Bislang wollten nur wenige Opfer eine finanzielle Entschädigung, andere wünschten sich eine Entschuldigung. Viele seien erleichtert darüber, dass sie ihre Geschichten endlich erzählen könnten.

Sie halte es für notwendig, dass in den einzelnen Schulen und Internaten Arbeitsstäbe zur Aufarbeitung der Vorgänge eingerichtet würden. Der Orden sollte Institutionen, zum Beispiel einen Ombudsmann, als Ansprechpartner der Schüler entwickeln. Auch sei eine gezielte Fortbildung der Lehrer notwendig, damit sie Signale von Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Übergriffen und Gewalt geworden sind, erkennen könnten.

APN / APN