VG-Wort Pixel

Österreich Vorsätzliche Gefährdung von Menschen: 1200-Euro-Strafe für Spaziergang trotz Corona-Infektion

Eine Frau bei einem Spaziergang
Eine Frau bei einem Spaziergang (Archiv)
© Alexander Farnsworth / Picture Alliance
Eine Frau in Österreich war trotz einer Infektion mit dem Coronavirus spazieren gegangen. Sie habe die Heimquarantäne "nicht mehr ausgehalten". Die kleine Runde an der frischen Luft kostet sie jetzt eine saftige Strafe.

Weil sie trotz nachgewiesener Corona-Infektion spazieren ging, muss eine Frau in Österreich eine Geldstrafe von 1200 Euro zahlen. Das Landgericht Ried im Innkreis verurteilte die 35-Jährige am Freitag wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Oberösterreicherin musste nach einem positiven Corona-Test in Heimquarantäne. Vor Gericht meinte sie, dass sie es nach zwei Tagen "nicht mehr ausgehalten" und deshalb mit Mundschutz eine kleine Runde an der frischen Luft gedreht habe. Dabei wurde sie von einer Nachbarin beobachtet, die die Polizei verständigte. Der Richter erlaubte sich einen Seitenhieb auf die Nachbarin, die die 35-Jährige auch selber zum Umkehren hätte auffordern können. "Denunzieren soll nicht zum Volkssport werden, ich finde eine solche Gesellschaft nicht lebenswert." 

Frau bricht Heimquarantäne: Bewährungsstrafe

Bereits am Mittwoch war in Klagenfurt eine 49-Jährige zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und 800 Geldstrafe verurteilt worden, weil sie trotz Heimquarantäne einen Postschalter in einem Supermarkt aufgesucht hatte. Die Frau war im Frühjahr positiv auf das Virus getestet worden. Vor Gericht begründete sie den Gang zur Post damit, dass ihre Enkelin in Bosnien krank gewesen sei und sie der Familie Geld habe schicken wollen. Andernfalls hätte sie die ihr auferlegte Heimquarantäne eingehalten, beteuerte die Frau laut Nachrichtenagentur APA. Sie zeigte sich demnach mit dem zunächst noch nicht rechtskräftigen Urteil einverstanden.

Wegen der zuletzt deutlich gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen gilt in Österreich seit Freitag wieder eine verschärfte Maskenpflicht. Die Infektionskurve müsse unbedingt wieder "runtergedrückt" werden, erklärten die österreichischen Gesundheitsbehörden. In Österreich muss ein Mund-Nasen-Schutz wieder in Supermärkten und anderen Lebensmittelgeschäften getragen werden. Gleiches gilt an Tankstellen, in Bank- und Postfilialen sowie beim Besuch von Krankenhäusern, Pflegeheimen und Arztpraxen. Eigentlich hatte das Land seine strengen Bestimmungen schon deutlich gelockert, zuletzt galt die Maskenpflicht nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und Apotheken. 

Am Montag hatte die Zahl der Covid-19-Erkrankten in österreichischen Krankenhäusern erstmals seit Ende Mai wieder die Marke von hundert Patienten überschritten. Gesundheitsminister Rudolf Anschober warnte am Freitag aber vor Panik. Es gebe "keinen Grund für Alarmismus", sagte er mit Verweis auf deutlich höhere Zahlen im März. Innerhalb von 24 Stunden wurden Anschober zufolge in Österreich 115 neue Corona-Infektionen registriert, am Donnerstag waren es noch 170.

rw DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker