HOME

Pamplona: Wildes Treiben

Das traditionelle Stiertreiben in der spanischen Stadt Pamplona hat begonnen. Platzwunden, Verrenkungen oder Gehirnerschütterungen gehören für die waghalsigen Teilnehmer, "Mozos" genannt, dazu.

Ernest Hemingway machte das Spektakel in seinem Roman "Fiesta" (1926) weltberühmt. Die "Sanfermines", wie die Feierlichkeiten zu Ehren von Pamplonas Schutzpatron San Fermín genannt werden, finden jedes Jahr an mehreren Tagen im Juli statt. Jeden Morgen werden je sechs Stiere und sechs Leitochsen bis in die Stierkampf-Arena der Stadt gejagt, wo sie abends von den Toreros getötet werden.

Hunderte waghalsige, junge Männer, die "Mozos", rennen dabei vor den Tieren her. Um die Bullen von sich fern zu halten, benutzen sie zusammengerollte Zeitung. Im vergangenen Jahr starb ein 62-jähriger Spanier, 427 Teilnehmer wurden verletzt. Seit 1924 kamen 14 Läufer ums Leben.

Platzwunden, Verrenkungen oder Gehirnerschütterungen

Gestern war Auftakt. Die Hatz auf der 825 Meter langen Strecke durch die engen Gassen der nordspanischen Stadt dauerte zwar nur zweieinhalb Minuten, es wurden dennoch 45 Menschen verletzt. Acht von ihnen mussten mit Platzwunden, Verrenkungen oder Gehirnerschütterungen in Krankenhäusern behandelt werden, teilte ein Sprecher des Roten Kreuzes mit. In der Nacht hatte es geregnet und das Kopfsteinpflaster war rutschig. Mehrere Teilnehmer stürzten oder wurden von den bis zu 600 Kilogramm schweren Bullen überrannt. Zudem waren es Kampfstiere der südspanischen Züchterei "Torrestrella", die als besonders aggressiv gelten.

Der heutige, zweite Lauf ging aber glimpflich ab. Zwar drängten sich die Läufer in einigen Kurven, mehrere Menschen wurden von Stieren an die Absperrung gedrückt. Einige gestürzte Läufer gerieten zwischen die Hufe der Tiere. Von den Hörnern der Stiere wurde jedoch keiner erfasst, auch sonst wurden keine ernsthaften Verletzungen gemeldet.

Mutprobe für den guten Zweck

Sogar schillernde Prominenz nahm an der Mutprobe teil. Als der vermutlich größte Tieilnehmer wagte sich der ehemalige amerikanische Basketballer Dennis Rodmann (43) in die Meute. Der frühere Spieler der Chikago Bulls zog sich sogar eine kleine Schramme am Arm zu, wie das Fernsehen berichtete. "Es war eine tolle Erfahrung, ich fühle mich super", sagte der 2,03 Meter-Mann. "Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei." Seine Teilnahme diente aber auch einem guten Zweck: Er sammelte Geld für Multiple-Sklerose-Kranke.

DPA