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Papst bietet Ablass via Twitter an: Und selig seien die Follower

Komm und folge mir nach, sagte Jesus seinen Jüngern. Wer Papst Franziskus auf Twitter folgt, dem könnte der Pontifex die Zeit im Fegefeuer verkürzen. Dem Vatikan geht das allerdings zu weit.

Von Katharina Miklis

Als Sünder hat man es nicht leicht. Zumindest in der römisch-katholischen Kirche. Wer seine Sündenstrafen erlassen bekommen und damit seine Zeit im Fegefeuer verkürzen möchte, muss Buße tun. Die sakramentale Beichte ist dafür unabdingbar, ebenso wie ein Gebet und der Empfang der heiligen Kommunion. Ein beschwerlicher Weg zur Indulgenz. Ist das noch zeitgemäß? Wenn es nach dem neuen Papst ginge, wäre die römische Gnade durchaus einfacher zu haben.

Der eher unkonventionell auftretende Pontifex Franziskus, der dem Pomp und der Dramatik des Heiligen Stuhls nicht sonderlich zugetan ist, würde dem Sünder 2.0 den Büßerweg gern etwas müheloser gestalten. Eine Beicht-App ist nicht angedacht, aber noch vor wenigen Tagen hieß es, dass Papst Franziskus auch jenen Gläubigen vollkommenen Ablass gewähren will, die kommende Woche seinen Besuch beim Weltjugendtag in Rio über Twitter und Facebook oder per Livestream verfolgen.

Daraus wird jetzt allerdings nichts. Zumindest will der Vatikan es den Sündern nicht zu leicht machen und stört sich an dem Eindruck, man könne sich per iPad von Sünden reinwaschen. Ein bisschen Reue und Schuldbewusstsein muss schon sein. "Einen Ablass erhält man nicht wie einen Kaffee am Automaten", sagte der Erzbischof und vatikanische Medienverantwortliche Claudio Maria Celli der Tageszeitung "Corriere della Sera". Wer nach entsprechenden Downloads googelt oder auf dem Weltjugendtag in Rio nach schneller Vergebung Ausschau hält, dem sei gesagt: "Es gibt keinen Stand, an dem Ablass-Zertifikate ausgestellt werden". Wer jedoch mit ehrfürchtiger Hingabe den Tweets des Papstes folgt oder mit angemessenem Ernst den Weltjugendtag auf www.pope2you.net verfolgt, könnte, so Celli, "das Geschenk des Ablasses erhalten" - zumindest eines Teilablasses. Eine Dosis altmodischen Glaubens sei auch für surfende Katholiken für einen Ablass nach wie vor notwendig. Ebenso wie wahrhaftige Reue und Gebete mit "erforderlicher Hingabe". Wer nur aus Neugier auf den Livestream klickt, dem würden nicht automatisch die Sünden vergeben.

Gadgets für Gläubige

"Komm und folge mir nach", sagte Jesus von Nazaret zu seinen Jüngern. Das ist ein paar Jahre her. Heute folgen Millionen Follower Papst Franziskus auf seinen Twitteraccounts. Seine Tweets werden in neun Sprachen verbreitet. Auch bei Facebook ist der Vatikan vertreten. An einem Auftritt bei Pinterest arbeitet man zurzeit in Rom. Das alles, so Celli, seien Spielereien für Gläubige. Entscheidend sei, dass die Nutzung "geistliche Früchte im Herzen jedes Einzelnen" hervorbringe.

Der Vorstoß von Papst Franziskus ist prinzipiell nicht ungewöhnlich. Auch in so genannten Jubiläumsjahren der Römisch-Katholischen Kirche, die alle 25 Jahre stattfinden, kann der Papst als Geschenk an alle Gläubigen einen vollständigen Ablass gewähren, womit im Katechismus der Katholischen Kirche der Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott bezeichnet wird. Ein Ablass erwirkt also keine Sündenvergebung, nur den Nachlass von Sündenstrafen. Zuletzt hatte Johannes Paul II. im Jahr 2000 ein Jubeljahr ausgesprochen, um den Eintritt ins 21. Jahrhundert zu feiern.

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