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Rekord-Lotto: "Der Dicke" macht Spanien glücklich

Die spanische Weihnachtlotterie "El Gordo" hat in einer Kleinstadt in den Pyrenäen viele Lotto-Spieler sehr glücklich gemacht. Der Hauptgewinn lässt deutsche Jackpots verblassen.

Vorzeitige Bescherung in Spanien: Zwei Tage vor Heiligabend hat die traditionsreiche Weihnachtslotterie einen warmen Geldregen mit Rekordgewinnen von 1,8 Milliarden Euro über das Land niedergehen lassen. Der Hauptgewinn mit insgesamt 390 Millionen Euro, genannt "El Gordo", zu Deutsch "der Dicke", entfiel bei der Ziehung am Mittwoch auf die Lose mit der Nummer 54 600. Für jedes der 195 Lose mit dieser Glücksnummer gibt es zwei Millionen Euro.

Die Spanier hatten in diesem Jahr bei der größten und ältesten Lotterie der Welt fast 2,6 Milliarden Euro für die Lose ausgegeben - mehr als je zuvor. Wieder einmal bewahrheitete sich die Weisheit: Das Glück hat seinen Sitz in den Pyrenäen. Die an den Berghängen liegende Kleinstadt Sort, zu deutsch "Glück", machte ihrem Namen alle Ehre. Dort waren alle Lose mit dem Hauptgewinn verkauft worden. Die Lotterieverwaltung in dem Bergstädtchen hatte sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach als Glücksfee erwiesen. In zehn Jahren wurden dort fünf Hauptgewinne ausgegeben.

Lose schon vor Wochen ausverkauft

Der verschlafene Ort ist mittlerweile zu einer Wallfahrtsstätte für Loskäufer geworden. Xavier Gabriel, 47, vertreibt in seinem Laden "La Bruixa d'Or" (Goldene Hexe) über Internet Lose in alle Welt, auch nach Deutschland, Japan oder in die USA. Der Andrang war diesmal so groß, dass die Lose schon mehrere Wochen vor der Ziehung ausverkauft waren. Allerdings hat es nicht mehr allein mit Glück zu tun, dass die Hauptgewinne so häufig auf Sort fallen: Je mehr Lose in dem Ort verkauft werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass darunter auch Treffer sind.

Einen besonders dicken Stapel mit Losen aus Sort hatte sich der Bäcker Juan Antonio Herrera aus dem südspanischen Dorf Beas gesichert. Sie alle trugen die Nummer des Hauptgewinns. Herrera verkaufte seine Losanteile überall im Dorf an seine Kunden, denen er jeden Morgen frische Brote ins Haus brachte. Nach der Ziehung strömten in Beas die Dorfbewohner jubelnd auf die Straßen. "Praktisch jede Familie hat etwas vom Hauptgewinn abbekommen", berichtete der Bürgermeister. "In unserem Dorf herrscht eine einzige Orgie."

200 Euro pro Schein

Die Weihnachtslotterie schüttet zwar riesige Summen aus, aber sie bringt nur selten neue Millionäre hervor. Da ein ganzes Los stolze 200 Euro kostet, kaufen die Spanier sich normalerweise nur Anteile in Form von Zehntel-Losen. Dies hat zur Folge, dass die Gewinne sich nicht auf Einzelpersonen, sondern auf größere Bevölkerungsgruppen verteilen.

Die Nummer für den "Dicken" wurde in der Rekordzeit von vier Minuten gezogen. Die ganze Prozedur mit der Ziehung der anderen Gewinnzahlen zog sich dann noch über drei Stunden hin. Als die Kinder der Madrider Waisenschule "San Ildefonso" in ihrem monotonen Singsang die Zahlenfolgen aller Gewinne vorgetragen hatten, knallten vielerorts die Sektkorken. Menschen lagen sich jubelnd in den Armen oder brachen überwältigt in Tränen aus.

Einer der Glücklichen war der Nachtschwärmer Vicente in Alicante. Er hatte am Vorabend in einer Kneipe in Alicante einem Freund ein Zehntellos für 20 Euro abgekauft. Wenige Stunden später war er um 200 000 Euro reicher.

Hubert Kahl/DPA / DPA