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Überfälle auf Berliner Partymeile: Jennifer Rostock-Sängerin warnt "alle Berliner und Touristen Berlins"

Gleich zwei Mal wurden am Wochenende Feierwillige in Berlin-Friedrichshain überfallen und verprügelt. In derselben Nacht, in derselben Straße. Eine davon war Sängerin Jennifer Weist. Und sie warnt vor einer Bande.

Von Samuel Rieth

Facebookseite Jennifer Rostock

Jennifer Weists Facebookseite mit dem Posting über den Angriff auf ihren Freund 

Eigentlich kommen Berliner und Touristen hierher, um zu tanzen, zu feiern, um sich zu amüsieren: das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain. Bis vor 20 Jahren wurden hier im Reichsbahnausbesserungswerk an der Revaler Straße Züge repariert. Heute locken Clubs die Nachtschwärmer der Stadt an. Die Feiernden wiederum werden von Kriminellen häufig für leichte Opfer gehalten. So auch am vergangenen Wochenende, zwei Mal kam es zu äußerst brutalen Überfällen.

Am Sonntag wurde bekannt, dass Unbekannte in der Nacht zuvor zwei holländische Touristen überfallen und verprügelt hatten. Seit Montagabend wird auf Facebook ein Post der Sängerin von Jennifer Rostock eifrig weitergereicht. Darin berichtete Jennifer Weist von einem ähnlichen Fall - der beinah tödlich geendet hätte.

ich war am samstag mit freunden im astra in friedrichshain. als ich mit einem freund nach hause gehen wollte, versuchten...

Posted by Jennifer Weist on Monday, 17 August 2015

Sie sei mit Freunden feiern gewesen, schreibt die 28-Jährige in dem Eintrag. "Als ich mit einem Freund nach Hause gehen wollte, versuchten zwei kleine Jungs, meine Brieftasche aus meiner Gürteltasche zu klauen." Doch sie bemerkte die Diebe. Als ihr Begleiter einen von ihnen wegschubste, riss der ihm eine Kette vom Hals. Der 26 Jahre alte Begleiter habe den Täter festgehalten. Doch plötzlich seien drei weitere Personen von der anderen Straßenseite dazugekommen. "Alles ging ziemlich schnell." Weist rief um Hilfe, zwei Männer kamen. "Aber es war zu spät." Einer der Angreifer zog ein Messer und stach zu. Die Klinge traf Weists Begleiter am Hals und habe nur knapp die Schlagader verfehlt. "Es fehlten nur ein paar Millimeter, und er wäre direkt auf der Straße in meinen Armen gestorben", schreibt Weist, die selbst unverletzt blieb. Die Polizei bestätigte ihre Darstellung auf Anfrage. 

Die Täter flüchteten. Der Verletzte musste zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus. Bis Dienstagmittag wurde der Facebook-Eintrag über den blutigen Überfall mehr als 50.000 Mal geteilt. Ein Foto zeigt die Wunde am Hals: ein langer, frisch genähter Schnitt.

Die Täter griffen auch Sanitäter mit Reizgas an

Der Überfall auf die beiden 19-jährigen Holländer lag gerade mal eineinhalb Stunden zurück. Auch der begann mit einem versuchten Taschendiebstahl. Gegen 3.15 Uhr hatte es ein Unbekannter auf das Portemonnaie von einem der Touristen abgesehen. Sie versuchten, die beiden mutmaßlichen Täter festzuhalten. Der Dieb konnte sich losreißen, sein Komplize rief um Hilfe. Sofort tauchten 15 weitere Personen auf, die sich auf die Niederländer stürzten. Die Angreifer sprühten mit Reizgas um sich. Dabei verletzten sie auch zwei Rettungssanitäter, die gerade in der Nähe waren und den Angegriffenen zu Hilfe kamen. Die Angreifer traten und schlugen noch auf die Touristen ein, als die bereits am Boden lagen. Die mutmaßlichen Täter konnten mit dem gestohlenen Portemonnaie flüchten. Die Überfallenen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ermittlungen laufen. Die Opfer werden gerade vernommen, so die Polizei auf Anfrage des stern. Wer die Täter sind und ob die Taten zusammenhängen sei bisher nicht bekannt.

"An diesem Abend habe ich mit der Polizei alle möglichen Gassen abgesucht, um die Täter zu finden, und dabei viele andere Menschengruppen gefunden, denen auch Sachen geklaut worden oder die verletzt worden sind", schreibt Jennifer Weist weiter auf Facebook. Die Polizei sagt, es seien derzeit keine ähnlichen Fälle bekannt, sagte ein Sprecher. 

Weist warnt "alle Berliner und Touristen Berlins" vor einer großen Bande. Niemand solle auf dem RAW-Gelände im Dunkeln allein unterwegs sein. "Diese Leute sind wahnsinnig gefährlich und schrecken nicht davor zurück, für eine beschissene Kette zu töten." 

Laut Polizei lasse sich noch nicht sagen, ob hier wirklich eine Bande am Werk ist.

Ein "kriminalitätsbelasteter Ort"

Beim Club "Astra", wo Weist und ihr Begleiter laut Facebook vor dem Angriff gefeiert haben, hat man von den beiden Überfällen noch nichts gehört. Sind Taschendiebstähle generell ein Problem? "Revaler kennt man doch, oder?", sagt ein Mitarbeiter.

Tatsächlich gilt das RAW-Gelände an der Revaler Straße als "Schwerpunktbereich polizeilicher Maßnahmen". Das heißt dort fahren die Beamten häufiger Streife und halten uniformiert oder in Zivil Ausschau - vor allem nach Drogendealern. Besonders am Wochenende haben die Polizisten auch häufig mit Fällen von Taschendiebstahl und Raub zu tun. Denn dann sind besonders viele Touristen unterwegs. Und je später der Abend, desto mehr dezimiert der Alkohol deren Achtsamkeit.

Polizeiintern gilt das RAW-Gelände als "kriminalitätsbelasteter Ort". Und das schon länger, glaubt man der "Bild"-Zeitung, die 2013 eine Liste mit den "gefährlichsten Orten Berlins veröffentlichte.  

 

Damit Sie sich vor und nach der Party sicherer fühlen, empfiehlt die Polizei:

- Misstrauisch werden, sobald man angerempelt oder "angetanzt" wird - Letzteres war auch bei Jennifer Weist und ihrem Begleiter der Fall.

- Wer einen Dieb auf frischer Tat ertappt, soll sich nicht "voreilig wehren", sagt Polizeisprecher Michael Gassen. Lieber Vorsicht walten lassen, denn den Täter selbst festzuhalten könne auch böse enden - so wie Samstagnacht. "Wir raten, sich nicht in Gefahr zu begeben", so Gassen. Gerade Serientäter hätten keine Skrupel, Gewalt anzuwenden, wenn sie ertappt würden. Deshalb sei es besser, sich genau einzuprägen, wie der Täter aussieht und wohin er flüchtet. Gegebenenfalls um Hilfe rufen und Zeugen heranziehen - und vor allem natürlich: die Polizei rufen.