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Salomonen: Hoffnung am Ende der Welt

Tropische Wirbelstürme sind den Einwohnern der Salomonen seit Generationen vertraut. Deshalb bleibt die Hoffnung, dass sie auch diesmal rechtzeitig Schutz suchen konnten.

Sie leben in flachen Hütten aus Bäumen und Blättern, die Eingeborenen auf den kleinsten Inseln der Salomonen in der Südsee. Tropische Wirbelstürme - wie sie jetzt die Region mit noch völlig unklaren Folgen wieder heimgesucht haben - sind ihnen seit Generationen vertraut. Das könnte ihre Rettung sein. Doch es wird noch Tage dauern, bis Einzelheiten über das Schicksal der Menschen an die Außenwelt dringen. «Geld und Kommunikation sind die größten Probleme», sagte Gerald Stenzel, deutscher Honorarkonsul in Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, der dpa in einem Telefongespräch.

Telefone oder Funk gibt es nicht


Bislang gibt es nur Berichte von Piloten und Kameraleuten, die über die Inselgruppe hinweggeflogen sind und von wilden Verwüstungen berichteten, die der Wirbelsturm «Zoe» am Samstag angerichtet haben soll. Und es gibt Spekulationen: Von Tausenden Vermissten oder gar Toten ist die Rede. Klarheit wird wohl erst die Besatzung eines Versorgungsschiffes bringen können, das ins Unglücksgebiet aufbrechen sollte und dort erst in zwei, drei Tagen ankommen soll.

«Wir wissen hier auch nicht mehr als das, was australische Piloten berichtet haben, die über das Unglücksgebiet geflogen sind», sagte Stenzel. «Telefone oder Funk gibt es dort nicht. Auch können auf den kleinen Inseln keine Flugzeuge landen.» Betroffen von dem Zyklon, der mit mehr als 300 Stundenkilometern über die Südsee gefegt war, sind vor allem die beiden Inseln Tikopia und Anuta mit rund 4000 Einwohnern. Sie liegen nach Angaben Stenzels etwa 600 bis 700 Kilometer von der Hauptinsel Guadalcana und rund 2000 Kilometer von Australien entfernt.

Zyklone sind nach den Worten des Honorarkonsuls für die Einheimischen nichts Ungewöhnliches. «Ein paar Mal im Jahr suchen sie die Inseln heim», sagte er. «Und die Menschen bringen sich und ihre Habe so gut es geht in Sicherheit. Deshalb bleibt auch jetzt die Hoffnung, dass sie rechtzeitig haben Schutz suchen können.» Sorge bereitet aber vor allem die Frage, ob auf den Inseln am Ende der Welt möglicherweise hohe Flutwellen Schlimmes angerichtet haben könnten. Der Regionalpolitiker Gabriel Teao glaubt, dass viele Einheimische die hohen bis zu elf Metern hohen Flutwellen nicht überlebt haben.

"Zyklone sind nichts Ungewöhnliches"


Ein Arzt, der zu den Inseln reisen will, glaubt nicht daran, dass den Verletzten noch geholfen werden kann. Schwerverletzte brauchten keine Hilfsgüter mehr, sie seien inzwischen längst tot, sagte Dr. Herman Oberli. Es sei jedoch durchaus möglich, dass es noch Menschen auf den Inseln gebe, die Hilfe benötigten.

Insgesamt zählen die Salomonen rund 350 000 Einwohner, 40 000 von ihnen wohnen in der Hauptstadt. Seit etwa 18 Jahren ist Gerald Stenzel deutscher Honorarkonsul und zuständig für «ein halbes Dutzend» Deutsche, die auf den Salomonen leben sowie für die großen und kleinen Probleme von Touristen. Im Hauptberuf arbeitet der 54- Jährige als Schiffsmakler.

Die zum Commonwealth gehörenden Salomonen sind seit knapp 25 Jahren unabhängig und eine parlamentarische Monarchie. Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elizabeth II.

Wolfgang Duveneck / DPA
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