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Schweiz: Mutmaßlicher Doppelmörder gefasst

Nach dem mysteriösen Doppelmord in der Nähe von Magdeburg hat die Polizei den mutmaßlichen Täter geschnappt - und zwar in der Schweiz. Denn auch dort wurde der Mann per Haftbefehl gesucht.

Knapp zwei Tage nach dem Doppelmord an einer Rentnerin und einem Arzt in Mansfeld (Sachsen-Anhalt) hat die Polizei den mutmaßlichen Täter in der Schweiz gefasst. Der 36-jährige mehrfach vorbestrafte Gewaltverbrecher sei in einem Biergarten in Walliswil 50 Kilometer südlich von Basel festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Siegfried Koch in Halle. Der Mann, der sich mit dem Auto des Arztes in das Alpenland abgesetzt hatte, habe keinen Widerstand geleistet. Er sei auch in der Schweiz wegen eines ungeklärten Vermisstenfalls per Haftbefehl gesucht worden.

Der Arbeitslose aus dem Nachbarort Friedrichrode soll in der Nacht zum Montag im Mansfelder Ortsteil Leimbach eine 76 Jahre alte Frau und einen 64 Jahre alten Mediziner getötet haben. Der Mord geschah in dem abgelegenen Haus der Rentnerin. Die Ermittlungen ergaben, dass der Arzt am Sonntagabend während seines Bereitschaftsdienstes zu der Frau gerufen worden war. "Das Motiv für den Doppelmord ist noch völlig unklar, wir werden sehen, was die Vernehmungen dazu ergeben", sagte Koch. Der Arzt war am Montag als vermisst gemeldet worden, die Polizei entdeckte dann im Haus der Seniorin die beiden Leichen.

Der Verdächtige Gabor Torsten S. war nach dem Verbrechen mit dem gestohlenen Geländewagen des Mediziners auf der Flucht und wurde am Montag an einer Autobahntankstelle in Hessen auf Video aufgenommen, als er ohne zu bezahlen weiterfuhr.

Der 36-Jährige hat eine lange kriminelle Vorgeschichte. 1996 hatte ihn das Landgericht Halle zu elf Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilt. Das Landgericht Dessau beschäftigte sich zwei Jahre später erneut mit dem Fall und sprach eine achtjährige Gefängnisstrafe aus. Am 7. Dezember 2007 verurteilte das Amtsgericht Hettstedt den Mann zu vier Monaten Haft ohne Bewährung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in drei Fällen. Am 2. April 2008 wurde er dann vom Landgericht Halle zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt, unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein, Erwerbs und Besitzes von Kinderpornografie, Computerbetrugs und Diebstahls von Schusswaffen.

Mit dem Urteil wurde der Haftbefehl gegen den Mann aufgehoben. Als die Verurteilung rechtskräftig wurde und der Mann die Ladung zum Haftantritt erhielt, aber nicht erschien, wurde erneut Haftbefehl erlassen. Das Justizministerium erklärte dazu, es sei durchaus üblich, dass bei einer Verurteilung zu einer Haftstrafe ein Haftbefehl aufgehoben werde und der Verurteilte zunächst nach Hause gehen könnte. Gerichte müssten in solchen Fällen abwägen, ob es einen Fluchtanreiz gebe. Der Anreiz wird als gering angesehen, wenn Täter zu einer kürzeren Haftstrafe verurteilt werden, aber schon länger in Untersuchungshaft gesessen haben und eine günstige Sozialprognose haben.

Auch in der Schweiz wurde seit längerem nach dem Mann gefahndet: Wie Staatsanwalt Klaus Wiechmann in Halle sagte, geht es dabei um das Verschwinden einer Frau, deren Kreditkarte der 36-Jährige 2007 in der Schweiz gestohlen hatte. Er soll die Frau gekannt haben. Sie gilt seitdem als vermisst.

Der Tatverdächtige bleibe vorerst in Schweizer Gewahrsam, da dort gegen ihn wegen des Verschwindens seiner Bekannten ein Haftbefehl vorliegt. Ermittler aus Halle wollen in den nächsten Tagen in die Schweiz fahren, um den Mann zu vernehmen.

DPA / DPA
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