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Missbrauchs-Prozess gegen Ex-Chefarzt: Danach schenkte er ihr einen Amazon-Gutschein

Bald beginnt in Bamberg der Prozess gegen einen Ex-Chefarzt wegen sexuellen Missbrauchs in 13 Fällen. Im stern spricht nun die Frau, die mit ihrer Anzeige die Ermittlungen ins Rollen brachte.

Von Anette Lache

"Ich fühlte mich erniedrigt und hintergangen": Mit Mut und Beharrlichkeit brachte die Studentin Ermittlungen gegen den renommierten Gefäßchirurgen ins Rollen. Prozessbeginn ist der 7. April.

"Ich fühlte mich erniedrigt und hintergangen": Mit Mut und Beharrlichkeit brachte die Studentin Ermittlungen gegen den renommierten Gefäßchirurgen ins Rollen. Prozessbeginn ist der 7. April.

Vor acht Monaten zeigte die Medizinstudentin Carina Tucher (Name geändert) den Gefäßchirurgen des Klinikums Bamberg an. Die junge Frau war misstrauisch geworden, weil sie sich nach einer Untersuchung für eine angebliche Studie an nichts erinnern konnte. Über eine Stunde fehlte ihr in ihrer Erinnerung völlig. Sie ließ sich Blut abnehmen, auf Betäubungsmittel untersuchen. Zwei Tage später waren die Untersuchungsergebnisse da. "Es war ein ganz schlimmer Moment, als ich erfahren habe, wie hoch die Konzentration des Wirkstoffs auch Stunden danach noch war", sagte die 27-Jährige im Gespräch mit dem stern. "Ich fühlte mich erniedrigt und hintergangen." Einen Tag nach der Untersuchung hatte ihr der bundesweit bekannte Mediziner noch einen Amazon-Gutschein als Dankeschön für ihre Teilnahme an der Studie geschenkt. Eine Studie, die es, wie sie inzwischen weiß, nie gab.

Als Carina Tucher den Chefarzt wegen Körperverletzung anzeigte, wusste sie noch nicht, dass Hunderttausende heimlich gemachte Intimfotos von ihr und zwölf weiteren Frauen existierten. Sie wurden auf den Rechnern des inzwischen entlassenen Arztes gefunden. Die anderen betroffenen Frauen zeigten ihn daraufhin ebenfalls an. Zehn von ihnen waren Patientinnen des Gefäßchirurgen.

Angeklagter bestreitet sexuelle Motivation

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat im Januar Anklage erhoben. Sie beschuldigt den 48-Jährigen, zwischen September 2008 und Juli 2014 Frauen unter dem Vorwand einer ärztlichen Behandlung oder einer Studie mittels des Hypnotikums Midazolam "in einen willenlosen, handlungsunfähigen Zustand versetzt zu haben". Neben der gefährlicher Körperverletzung wirft sie dem Arzt Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen vor".

Der Arzt bestreitet die Vorwürfe gegen ihn in vollem Umfang. "Unser Mandat hat ausschließlich medizinisch forschend gehandelt", sagte sein Anwalt Dieter Widmann dem stern. Von Seiten seines Mandanten habe es "keine sexuelle Motivation" gegeben. In dem Prozess, der am 7. April vor dem Landgericht Bamberg beginnt, werden 68 Zeugen aussagen, außerdem wurden fünf Gutachter bestellt. Zwölf der 13 Frauen werden als Nebenklägerinnen vor Gericht erscheinen, unter ihnen Carina Tucher.

Die ganze Geschichte ...

... der mutigen jungen Frau, lesen Sie im neuen stern, der in dieser Woche bereits am Dienstag (18 Uhr) als E-Mag und ab Mittwoch am Kiosk erhältlich ist.

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