Sizilien Mafiaboss nach 40 Jahren geschnappt


Seit Jahrzehnten war Bernardo Provenzano nicht mehr gesichtet worden. Sein ehemaliger Anwalt sagte, möglicherweise sei er schon tot. Nun ist Provencano, Chef der Cosa Nostra, verhaftet worden - auf Sizilien natürlich.

Der meistgesuchte italienische Mafiaboss Bernardo Provenzano ist nach mehr als 40 Jahren auf der Flucht gefasst worden. Er sei der Polizei auf einem Landgut in der Nähe von Corleone (Sizilien) in die Falle gegangen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Corleone erlangte in dem Dreiteiler "Der Pate" als Mafiahochburg traurige Berühmtheit.

Der 73 Jahre alte Provenzano gilt als Chef der Cosa Nostra, die er führte, seitdem der "Boss der Bosse" Toto Riina in Palermo 1993 verhaftet wurde. In den vergangenen Jahren war die Polizei Provenzano zwar häufig auf den Fersen, doch immer wieder konnte er entwischen. Diesmal war die Polizei erfolgreich: Bei seiner Festnahme habe der Mafiaboss keinerlei Widerstand geleistet. Ein DNA-Test habe bestätigt, dass es sich tatsächlich um Provenzano handelt.

Noch im vergangenen Monat hatte sein ehemaliger Anwalt erklärt, Provenzano sei möglicherweise schon seit mehreren Jahren tot. Seine Verhaftung gilt als größter Coup gegen das organisierte Verbrechen seit mehr als zehn Jahren.

Uraltes Fahndungsfoto

Um den "Capo Mafia" ranken sich zahlreiche Legenden. Unter anderem hieß es, er habe sich als Bischof getarnt. Im vergangen Jahr war berichtet worden, Provenzano habe sich heimlich in Marseille operieren lassen. Er habe sich in der französischen Klinik als Bäcker aus einem sizilianischen Dorf ausgegeben.

Insider bezeichneten Provenzano stets als äußerst misstrauisch und menschenscheu. Wegen seiner Entschlossenheit wird er auch "Der Traktor" genannt.

Ein besonderes Problem der Mafiajäger war stets: Das letzte Fahndungsfoto des Mafiabosses war 42 Jahre alt. Erst seit wenigen Jahren gab es wieder ein Phantombild, das nach den Angaben inhaftierter Mafiosi angefertigt worden war.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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