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Sklavenhalter-Paar in Bosnien: Misshandeltes Mädchen will zurück nach Deutschland

Acht Jahre lebte die 19-Jährige in einem abgelegenen bosnischen Dorf und wurde dort von einem Ehepaar als Sklavin gehalten. Nach ihrer Befreiung will sie nun nach Deutschland zu ihrem Vater. Der erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Ex-Frau.

Die junge Deutsche, die von einem bosnischen Ehepaar acht Jahre wie eine Sklavin gehalten worden sein soll, will laut einem Medienbericht nach Deutschland zurückkehren. Bei ihrer Vernehmung durch die Polizei habe die 19-jährige Bettina S. "gefleht, dass sie nicht nach Karavlasi zurückgebracht wird", berichtete die Lokalzeitung "Dnevni Avaz" am Dienstag. Der Hauptzeuge in dem Fall, ein Nachbar, erhielt indes Drohanrufe.

Die junge Frau habe den Beamten gesagt, dass sie nach Deutschland zurückkehren und dort mit ihrem Vater und ihren Geschwistern leben wolle, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise. Wie die "Dnevni Avaz" auf ihrer Internetseite schrieb, gab die 19-Jährige an, ihr Vater lebe in Eisleben in Sachsen-Anhalt. Demnach hielt sie bis zu ihrem achten Lebensjahr Kontakt zu ihm und kann sich daran erinnern, "dass er eine Armbehinderung" hat.

Ein Sprecher der bosnischen Staatsanwaltschaft sagte, er könne den Zeitungsbericht "weder bestätigen, noch dementieren". Im Zuge der Ermittlungen würden mindestens drei deutsche Städte als möglicher Herkunftsort des Mädchens genannt, darunter auch Eisleben, sagte der Sprecher. Zu den anderen beiden Städten machte er keine Angaben.

Retter erhält Drohanrufe

Das Mädchen war von einem 52 und 45 Jahre alten bosnischen Ehepaar in Bosnien laut Ermittlungen der dortigen Justiz acht Jahre lang wie eine Sklavin gehalten und misshandelt worden. Die Polizei entdeckte die heute 19-Jährige Mitte Mai in einem Wald nahe dem Dorf Karavlasi und nahm die mutmaßlichen Peiniger fest.

Ein Nachbar, Sead Makalic, hatte die Behörden alarmiert. Er ist in dem Fall der wichtigste Zeuge und gab an, mehrmals gesehen zu haben, wie das Mädchen "geschlagen, erniedrigt und zu harten Arbeiten gezwungen" worden sei. Am Dienstag sagte er, er habe Drohanrufe von Mitgliedern der Familie des inhaftierten Ehepaars erhalten. Einer der Brüder des Mannes sowie ein weiterer Mann hätten gesagt, "dass sie jemanden dafür bezahlt haben, meine kleine Tochter zu entführen", sagte Makalic.

Ex-Frau soll weitere Töchter verheiratet haben

Bettina S. kam vor acht Jahren mit ihrer Mutter nach Bosnien. Angeblich ist ihre Mutter Christine die zweite Frau des festgenommenen Mannes. Diese soll sich zum Zeitpunkt der Festnahme auch in dem Dorf aufgehalten haben. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP wies die Mutter allerdings die Vorwürfe des Nachbarn als "Lüge" zurück.

Der Vater des Mädchens erhebt einem Medienbericht zufolge schwere Vorwürfe gegen die Mutter. Diese sei nach Angaben des Vaters bereits 2001 mit dem Mädchen verschwunden, berichtete der MDR am Dienstag vorab nach Recherchen der Nachrichtensendung "exakt", die am Mittwochabend ausgestrahlt wird. Anschließend habe er nichts mehr vom Schicksal seiner Tochter gehört, sagte Alfred S. dem Magazin.

Nach Angaben des schwerkranken leiblichen Vaters der heute 19-jährigen Bettina hat das Mädchen weder in Deutschland noch anschließend in Bosnien eine Schule besucht. Alfred S. warf seiner geschiedenen Frau vor, sie habe weitere gemeinsame Töchter Scheinehen mit Bosniern und Serben schließen lassen, um den Männern Aufenthaltsgenehmigungen für Deutschland zu verschaffen. Seit mehreren Jahren vermisse er eine weitere Tochter und befürchte, dass sie verschleppt worden sein könnte.

swd/AFP / AFP
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