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Schlafen und Sitzen verboten: Französische Stadt vertreibt Obdachlose mit Käfigen

Beim Versuch Obdachlose aus den Zentren zu tilgen, setzen sich Städte häufig in die Nesseln. Der Ort Angoulême in Südfrankreich hat ausgerechnet an Heiligabend neun Bänke mit Metallkäfigen umzäunt.

"Die Stadtverwaltung hat den Weihnachtskäfig erfunden" und "Das ist Weihnachten in Angoulême! Dankt der Stadtverwaltung", steht auf den Zetteln, die aus Protest an die Gitter geklebt wurden

"Die Stadtverwaltung hat den Weihnachtskäfig erfunden" und "Das ist Weihnachten in Angoulême! Dankt der Stadtverwaltung", steht auf den Zetteln, die aus Protest an die Gitter geklebt wurden

Ausgerechnet an Heiligabend hat die Stadt Angoulême in Südwestfrankreich neun Bänke im Stadtkern mit Käfigen umschlossen, damit Obdachlose nicht auf ihnen schlafen können. Nach Protestaktionen hat die Stadt die Gitter jedoch schon in der Nacht zu Freitag wieder entfernt.

Ein Sprecher der Stadt begründete das harte Vorgehen gegen Wohnungslose damit, dass auf den Banken nur Betrunkene säßen, wie das "france24" berichtet. Ladenbesitzer sollen sich schon länger darüber beklagt haben, dass die Bänke nur von Betrunkenen genutzt würden, die dort schliefen, ihre Kunden vergraulten und sich prügelten.

Massive Gitter umschließen die neun Bänke im Stadtzentrum von Angoulême an Heiligabend. Sie sollen verhindern, dass Obdachlose auf ihnen schlafen.

Massive Gitter umschließen die neun Bänke im Stadtzentrum von Angoulême an Heiligabend. Sie sollen verhindern, dass Obdachlose auf ihnen schlafen.

Die Käfige seien eine von mehreren Maßnahmen, um die Stadt sicherer zu machen, zitiert "Russia Today" den Stadtsprecher. Zusätzlich sollen mehr Polizeistreifen patrouillieren und Überwachungskameras aufgehängt werden. Es sei Zufall, dass die Bänke ausgerechnet am 24. Dezember vergittert wurden.

In den sozialen Netzwerken schimpfen viele Nutzer über das Vorgehen der Stadt. Sie werfen der Verwaltung und Bürgermeister Xavier Bonnefont Herzlosigkeit vor, einige rufen auch zur Beschädigung der Konstruktionen auf. Eine Online-Petition gegen die vergitterten Bänke hatten bis Freitagmorgen schon mehr als 2000 Unterstützer unterzeichnet. In Angoulême leben rund 40.000 Menschen.

Der Protest hat anscheinend Erfolg: Inzwischen sind die Metallgestelle wieder abgebaut worden - zweitweilig und aus Sicherheitsgründen, wie die Stadt verschiedenen französischen Medien zufolge angibt. Jugendliche waren aus Protest in die Käfige geklettert, wie die "Stuttgarter Nachrichten" berichten.

haw
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