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Albanische Kartelle breiten sich aus: Die Spur der Drogen

Albanische Clans greifen in Mitteleuropa nach der Vormachtstellung im Drogengeschäft. stern-Reporter Jonas Breng verfolgt eine Spur, die vom Frankfurter Bahnhofsviertel bis in die albanische Politik führt – und am Ende zu einem Mann, den sie den "Pablo Escobar des Balkans" nennen.

Titelbild

Ein Gangmitglied überprüft die Qualität von Cannabis. Über die Meerenge nach Italien gelangt der Stoff von Albanien nach Nordeuropa.

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Prolog

Immer morgens, wenn Artan Hoxha ins Bad schlurft, um sich die Zähne zu putzen, schaut er erst einmal nach, ob unten im Hof schon die Killer warten. Hoxha lugt dann durch die Vorhänge seiner Wohnung im siebten Stock, blickt auf die lichtdurchflutete Gasse mit den Akazienbäumen, sieht die Cafés mit den bunten Sonnenschirmen, und manchmal, an den schlechten Tagen, fragt sich Hoxha dann, wie die Mafia es wohl anstellen wird. Hoxha will, dass sie es mit einer Kalaschnikow machen. Oder einer Autobombe. Auf jeden Fall irgendwas Schnelles. "Das geht einmal boom und zack bin ich weg."

Das Leben des kleinen Mannes ist in Gefahr, weil er eine TV-Show moderiert. Sie heißt der "Dschungel" und dreht sich um ein Thema, über das man in Albanien besser schweigt: die Mafia. Sobald die Kameras angehen, legt der Investigativjournalist los, schimpft auf korrupte Politiker, deckt Schmuggelrouten auf, nennt Namen von Kartellen und Drogenbossen. Es ist eine One-Man-Show. Und wahrscheinlich ist nur eines ungewöhnlicher als dass Hoxha redet, nämlich dass er noch lebt.

"Deutschland, pass bloß auf"

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Die albanischen Kartelle zählen zu den berüchtigsten der Welt. Auf dem europäischen Drogenmarkt sind sie in den letzten Jahren immer stärker geworden. Denn das Geschäft mit den Drogen boomt und während immer mehr Stoff den Kontinent erreicht, während Drogenfahnder immer neue Rekordmengen sicherstellen, greifen die Albaner nach der Macht – auch in Deutschland.

Davon erzählt diese Geschichte. Von einem kleinen Land, in dem die Mafia herrscht und einem großen, das dagegen kaum ein Mittel findet. Sie erzählt vom Journalisten Hoxha, der den Mafiaboss Balili jagt. Von einem Killer, der sich verfolgt fühlt. Und von zwei Deutschen, einem wütenden Polizisten und einem Sozialarbeiter, der fast gestorben wäre. Hoxha sagt: "Deutschland, pass bloß auf."

Tom Holz, Samo, Klement Balili, Artan Hoxha, Valentin Persicke

Sozialarbeiter Tom Holz (l.), Drogendealer Samo (2.v.l.), Journalist Artan Hoxha (2.v.r.) und Polizist Valentin Persicke (r.): Ihre Geschichten führen zu Klement Balili, dem "Pablo Escobar des Balkans" (m.).

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Lesen Sie im ersten Teil der Reportage wie die neue Macht der Kartelle einen Streetworker in Frankfurt traf. Oh Gott, ich sterbe, dachte er. Dann wurde alles schwarz.

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