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Eislingen-Prozess: Höchststrafen für habgierige Mörder

Hohe Haftstrafen im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen: Andreas Häussler muss lebenslang hinter Gitter. Er handelte nach Ansicht des Gerichts aus Habgier. Sein Komplize Frederik Begenat wird für zehn Jahre weggesperrt. Dennoch sind Angehörige der Opfer enttäuscht.

Das Landgericht Ulm hat die beiden Vierfachmörder von Eislingen zu den höchst möglichen Strafen verurteilt. Der 19-jährige Sohn der getöteten Familie, Andreas Häussler, erhielt am Mittwoch wegen Mordes eine lebenslange Gefängnisstrafe. Das Gericht stellte bei ihm eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Sein 20 Jahre alter Mittäter Frederik Begenat bekam eine Jugendstrafe von zehn Jahren. Die beiden Schulfreunde hatten am 9. April 2009 Häusslers Eltern und seine beiden Schwestern mit 30 Schüssen getötet.

Das Gericht ordnete für Häussler außerdem eine vorbehaltene Sicherungsverwahrung an: Damit wird zum Ende der Haftzeit geprüft, ob der Verurteilte eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und deshalb eingesperrt bleibt. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin.

Dennoch zeigten sich Angehörige der Opfer enttäuscht von der Gerichtsverhandlung. "Der Prozess hat die Frage nach dem 'Warum' nicht beantwortet. Das hätte ich mir aber gewünscht", sagte Arno Mild, 24, zu stern.de. Er war vier Jahre mit der damals 22-jährigen Annemarie Häussler liiert, als sie ermordet wurde.

Nach Überzeugung der Staatsanwältin handelte Häussler aus Habgier: Er habe das Vermögen der Familie alleine erben wollen. Der Verteidiger des 19-Jährigen kündigte an, die Verurteilung zu lebenslanger Haft anzufechten. Als Grund gab er an, das Gericht habe seinen Antrag auf einen Jugendpsychiater abgelehnt.

Jugendstrafe wegen "Asperger-Syndrom"

Bei Begenat hatte die Anklägerin eine vom Gutachter attestierte Entwicklungsstörung berücksichtigt und deshalb eine Jugendstrafe gefordert. Demnach leidet der 20-Jährige unter dem "Asperger-Syndrom", einer Art Autismus. Die Verteidiger hatten für beide Angeklagten Jugendstrafen gefordert, ohne ein Strafmaß zu nennen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Täter mit 19 Schüssen erst die 22 und 24 Jahre alten Töchter der Familie Häussler beim Fernsehen ermordeten. Danach besuchten sie die ahnungslosen Eltern in einer Gaststätte und plauderten mit ihnen. Kurz danach verließen die beiden Freunde die Kneipe und kehrten zum Tatort zurück. Als der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen Häussler und seine 55-jährige Frau Else später dort eintrafen, wurden sie mit elf Schüssen umgebracht. Begenat gestand vor Gericht, die Schüsse auf Bitten seines Freundes alleine abgefeuert zu haben, die Staatsanwaltschaft zweifelte das aber an.

Verhandlung fand ohne Zuschauer statt

Über die Täter sagte der 24-jährige Arno Mild: "Ich habe mit den beiden abgeschlossen. Ich habe keine Gefühle für sie. Sie sind mir egal." Auch das Urteil sei ihm völlig gleichgültig, so Mild zu stern.de. Aber zum Jahrestag des Vierfachmordes werde zum Grab seiner Freundin Annemarie gehen und ihr vom Prozessausgang berichten.

Der Prozess dauerte mehrere Monate und endete nun fast genau ein Jahr nach der kaltblütigen Tat. Das Gericht vernahm rund 40 Nachbarn, Freunde und Bekannte von Opfern und Tätern. Es verhandelte 20 Tage lang - ohne Zuschauer, da sich die Vierfachmörder zunächst auch wegen mehrerer Einbrüche in einen Supermarkt und Tennisclub vor Gericht verantworten mussten. Diese Taten hatten sie begangen, als sie noch minderjährig waren.

Kurz vor Ende des Prozesses stellte das Gericht diese Verfahren vorläufig ein. Nur die Anklage wegen eines Einbruchs in die Eislinger Schützengilde blieb neben dem Mordvorwurf bestehen. Dort hatten die beiden Schulfreunde im Oktober 2008 die beiden Tatwaffen und 15 weitere Waffen gestohlen.

DPA/AFP / DPA