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Neue Details: Fall Ruinerwold: Wie der Vater die Familie aus der Einwohnermeldeliste streichen ließ

Eine Familie soll neun Jahre lang auf einem Bauernhof im niederländischen Ruinerwold festgehalten worden sein. Wieso sind die Behörden eigentlich nicht misstrauisch geworden? Der Vater der Familie hatte seine Auswanderung gemeldet.

Ruinerwold

Neun Jahre lang soll eine Familie auf einem Bauernhof im niederländischen Ruinerwold festgehalten worden sein. 

AFP

Neun Jahre lang soll ein 58-jähriger Österreicher eine sechsköpfige Familie gegen deren Willen auf einem Bauernhof im niederländischen Ruinerwold festgehalten und von der Außenwelt isoliert haben. Aufmerksam geworden sind Menschen der Niederlande und der restlichen Welt auf den Fall, als einer der angeblichen Gefangenen, ein 25-Jähriger namens "Jan", in einer Gaststätte auftauchte und dem Wirt seine Geschichte erzählte. Dieser wandte sich unverzüglich an die Polizei. Die Ermittlungen laufen mittlerweile auf Hochtouren. Der Österreicher sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem Freiheitsberaubung vorgeworfen. Auch der 67 Jahre alte Vater der Familie wurde inzwischen festgenommen.

Immer wieder stoßen die Ermittler auf Unstimmigkeiten. Beispielsweise gerieten im Zuge der Berichterstattung mehrere Social-Media-Profile in den Fokus, die auf den Namen des 25-jährigen "Jan" liefen. Die Bilder widersprechen der Darstellung des 25-Jährigen, dass er seit Jahren nicht mehr draußen war. Lesen Sie mehr dazu hier. 

Wieso taucht die Familie nicht bei den Behörden auf?

Es stellt sich zudem die Frage, warum in den letzten neun Jahren die Behörden nicht auf die Familie aufmerksam geworden sind. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Samstag in Groningen mitteilte, gibt es dafür einen guten Grund: Der Vater der isolierten Familie hat vor zehn Jahren bei den Behörden seine Auswanderung gemeldet. Er hat sich 2009 aus der niederländischen Einwohnermeldeliste streichen lassen. Der Mann wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Montag dem Haftrichter vorgeführt. Die sechs Kinder im Alter von heute 18 bis 25 Jahren waren nie bei den Behörden gemeldet worden.

Am Samstag wurde der Bauernhof noch einmal durchsucht und es wurde ein sogenannter "Geldhund" eingesetzt. Der kann versteckte Geldscheine finden. "Es wurde aber kein weiteres Geld gefunden", sagte Sprecher Bart Olmer. Zuvor war ein "substanzieller Betrag" gefunden worden.

dsw / DPA