HOME

Fall Ursula Herrmann: Die Zweifel des Bruders

Ursula Herrmann war zehn Jahre alt, als sie 1981 entführt wurde. Sie erstickte in einer Kiste. Es dauerte fast 30 Jahre, bis ein Täter verurteilt war. Doch ist es der Richtige? Michael Herrmann sucht Gewissheit – und wählt einen juristischen Umweg.

Von Nicolas Büchse

Am 4. Oktober 1981 wird Ursula Hermanns Leiche weggebracht

Der 4. Oktober 1981. Ursula Herrmanns Leiche wird in einem Zinksarg weggebracht. 19 Tage hatten Polizisten nach dem Mädchen gesucht.

Was die Leute reden? Natürlich weiß das Michael Herrmann, Lehrer, Mädchenrealschule, katholische Religion und Musik. Gib endlich Ruh! Das Schwein sitzt doch im Knast, irgendwann ist auch mal gut! Jetzt will der auch noch Geld für den Tod seiner Schwester!
Doch Michael Herrmann, 51 Jahre, lange, zurückgekämmte Haare, sitzt vor dem Keyboard in seinem Musikstudio in der Augsburger Innenstadt und sagt, er müsse so weit gehen, er finde sonst keinen Frieden.

Vor zwei Wochen wurde er zum medizinischen Gutachter bestellt, der soll für das Gericht klären, ob Herrmann über das normale Maß hinaus an Trauer leidet. Herrmann erzählte von seinem Tinnitus, der nach dem Prozess kam und der ihn oft schon vor dem Wecker aus dem Schlaf reißt, wenigstens ist es ein genauer Ton, er kennt sich aus mit Tönen, schätzt ihn auf 9.000 Hertz. Er erzählte auch von der psychologischen Begleitung, die ihm Halt gab während des Prozesses und danach. Er sprach von all dem Schmerz, den er durch Werner Mazurek erlitten habe. Den er nun auf Schmerzensgeld verklagt, 20.000 Euro. Denn der Schmerz ist seine letzte Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen.

Die Gewissheit ist wichtiger als der Schadenersatz

Werner Mazurek sitzt in Lübeck im Gefängnis. Ein Gericht kam 2010 zu dem Schluss, dass er am 15. September 1981 ein zehnjähriges Mädchen vom Fahrrad gezerrt und in eine vergrabene Kiste im Waldstück Weingarten bei Eching am Ammersee gesperrt habe, in der das Kind erstickte. Urteil: lebenslänglich. Mazurek aber leugnet die Tat bis heute. Das Kind hieß Ursula. Michael Herrmanns Schwester.

Gut 500 Meter entfernt von Michael Herrmanns Studio lehnt sich Walter Rubach, der Anwalt von Werner Mazurek, in seinem Bürostuhl zurück und sagt: Die Schadensersatzklage von Michael Herrmann ist für meinen Mandanten ein Geschenk des Himmels. Ich hoffe auf eine neue Beweisaufnahme. Damit mein Mandant freikommt. Es ist eine paradoxe Situation: Da fordert einer von dem anderen Geld, und der freut sich darüber.

Die Tat bemächtigte sich seines Lebens: Michael Herrmann sucht nach 34 Jahren den Mörder seiner Schwester

Die Tat bemächtigte sich seines Lebens: Michael Herrmann sucht nach 34 Jahren den Mörder seiner Schwester

Und Michael Herrmann sagt in seinem Studio: Ich hoffe auch, dass alles noch einmal aufgerollt wird, auch wenn ich Werner Mazurek nun wirklich kein Geschenk machen will. Vielleicht aber kommen wir der Wahrheit näher. Ich will mehr als 20 000 Euro. Ich will Gewissheit. Es ist eine paradoxe Situation: Da klagt einer auf 20 000 Euro Schadensersatz und sucht eigentlich die Wahrheit, riskiert aber, dass der Mann rehabilitiert wird, der nach höchster Rechtsprechung seiner Schwester das Leben nahm.

Was beweist ein altes Tonbandgerät?

Doch Michael Herrmann ist sich nicht sicher, ob mit Mazurek wirklich der Richtige im Gefängnis sitzt. Er ist sich nur sicher, dass er sich nicht zufrieden geben kann mit all den Zweifeln, die ihm während des Prozesses kamen, von dem er so viele Tage wie möglich verfolgt hat. Das ist Herrmanns gar nicht paradoxe Situation.

Die Zweifel kamen in Herrmanns Leben am 29. Mai 2008, 27 Jahre nach Ursulas Tod, er erinnert sich genau. Das Foto in der Zeitung zeigte ein Tonbandgerät. Der Text sagte, die Staatsanwaltschaft unternehme vor der Verjährungsfrist einen letzten Versuch, den Fall aufzuklären. Bei einer Hausdurchsuchung habe man dieses Gerät bei Werner Mazurek gefunden, es weise die gleichen Tonmerkmale auf wie das Gerät, mit dem damals die Melodie abgespielt wurde bei den Erpresseranrufen.

Ein Schock. Aus dem Nichts plötzlich ein Täter. Michael Herrmanns erster Gedanke: Jetzt haben sie endlich das Schwein. Sein zweiter Gedanke: Wie können die anhand eines Tonbandgeräts, nach 27 Jahren, Ursulas Entführer identifizieren? Da war er, der erste Zweifel. Mit ihm kamen die Erinnerungen.

Die Suche im Wäldchen Weingarten

Der 15. September war ein Spätsommertag, der erste Schultag nach den Ferien. Die Herrmanns wohnten in Eching am Ammersee, Vater Lehrer, Mutter Hausfrau, vier Kinder, die zehnjährige Ursula die Jüngste. Ihr erster Tag in der fünften Klasse. Michael war 18 und besuchte die 13. Klasse. Er verstand sich gut mit Ursula, auch wenn kleine Schwestern natürlich mal nerven. Am Nachmittag übten sie noch gemeinsam Klavier. Dann stieg sie aufs Fahrrad und fuhr ins Nachbardorf zum Sport. Und über alles, was dann passierte, legte sich ein Schatten.

Ein Bild von Ursula Herrmann

Am 15. September 1981, dem ersten Schultag nach den Ferien, wird die damals 10-jährige Ursula Herrmann entführt

Ursula! Sie war nicht zurückgekommen aus dem Nachbardorf. Ursula! Sie hatten nach ihr gesucht im Wäldchen Weingarten am Uferweg. Ursula! Die Anrufe kamen in den Tagen danach. Kein Wort, immer nur diese Melodie, das Erkennungssignal des Senders Bayern 3, nur die Töne C-F-F-A-A-C-A, wahrscheinlich reiner Terror gegen die Familie. Zwei Erpresserbriefe, aufgeklebte Zeitungsbuchstaben, zwei Millionen Mark Lösegeld. Doch für eine Übergabe war es da längst zu spät. Ursula. Die beiden Polizisten mit den ernsten Gesichtern kamen am 19. Tag der Entführung ins Haus. Der 4. Oktober 1981.

Die Mutter versteinerte augenblicklich. Der Vater fragte immer wieder: Es wurden doch keine Verletzungsspuren gefunden? Es wurden keine gefunden, das lässt hoffen, dass Ursula ihre letzten Minuten, Stunden nicht mitbekam. Und der Rechtsmediziner kam zu dem Schluss, dass das Kind höchstens fünf Stunden in der Kiste gefangen war, bis der Tod eintrat. Am Abend klingelte eine Frau aus dem Dorf, sie sagte nur, sie hätte bei einem Verkehrsunfall ihren Sohn verloren, schweigend saßen sie zusammen.

Ein Schatten über der Familie

Es schreibt sich so leicht, wenn Kinder getötet werden: „Ihr Tod erschüttert Deutschland.“ Aber im Fall Ursula Herrmann war es wirklich so. Die Polizisten weinten, als sie das Kind fanden. So grausam das Bild, ein Mädchen, verängstigt kauernd in einer engen Kiste, vergraben im Wald, Erde darüber gedeckt, Fichtennadeln darüber gestreut, nasses Laub in der Öffnung des funktionslosen Lüftungsrohrs. Der Rechtsmediziner erinnerte sich Jahrzehnte danach: "Da sah man diesen armen Wurm in der Kiste kauern. Ich sehe es noch, als ob es heute wäre."

Eduard Zimmermann suchte in mehreren Sendungen die Mörder und erklärte in einem seiner letzten Interviews mit brüchiger Stimme, es sei der schlimmste Fall in 35 Jahren "Aktenzeichen XY … ungelöst". Er habe Polizeifotos gesehen, das Mädchen habe einen darauf mit flehenden Augen angesehen. Zum Glück erfuhr die Familie schnell, dass Ursulas Augen in Wirklichkeit geschlossen waren, dass es auch nicht stimmte, als die Zeitungen schrieben, Ursula sei "qualvoll erstickt". Wer an Sauerstoffmangel stirbt, schläft ein ohne Schmerzen. Das ist der Trost, an dem wir uns 27 Jahre lang aufzurichten versucht haben, sagt Michael Herrmann.

Erpresserbriefe nach der Entführung von Ursula Herrmann

Ausschnitt aus einem der insgesamt drei Erpresserbriefe, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt und an die Eltern von Ursula Herrmann gerichtet waren

Ein schwacher Trost, der den Schatten, der über der Familie lag, nur wenig aufhellen konnte. Aber sie hatten nichts anderes. Der Vater sagte: Wir beschäftigen uns von innen her mit der Tat. Den Täter sucht die Polizei. Nicht wir. So hatten sie sich damit abgefunden, ohne Täter zu leben. So konnten sie das Verbrechen als Unglück sehen, das über sie hereingebrochen war wie ein Verkehrsunfall. Man lernt, damit zu leben, oder nicht, sagt Michael Herrmann.

Die Tat bemächtigte sich seines Lebens

Wir haben gelernt, damit umzugehen. Jedes der Geschwister auf seine Weise. Die Schwester fand den Glauben. Der Bruder wurde Surfer. Michael Herrmann fand erst den Glauben und dann die Musik. Unterrichtet beides. Gründete eine Familie, wurde Vater von vier Kindern, lebte sein Leben, zergrübelte es nicht, wenn er an Ursula dachte. Das war sein Weg, die Trauer zu ertragen. 27 Jahre lang. Dann wurde ihm an diesem Maitag 2008 plötzlich ein Täter präsentiert, und die Tat bemächtigte sich seines Lebens.

Wir wollten nicht ein zweites Mal Opfer sein, sagt Michael Herrmann. Wir wollten aktiv sein. Deshalb habe ich mich zusammen mit meinen Eltern entschlossen, als Nebenkläger aufzutreten. Nebenkläger können in einem Gerichtsverfahren Fragen und Anträge stellen. Sie haben das Recht auf Akteneinsicht.

Er studierte Seite für Seite, 24.000 Blatt. Kämpfte sich durch die Irrwege der Ermittlungen, Polizeipannen, Eifersüchteleien einzelner Beamter, ganzer Dienststellen, durch die verblassten Spuren, denen die Polizei nachging oder auch nicht. Die Ermittlungen waren eine Katastrophe, man muss sich nur einmal vorstellen, dass der Einsatzleiter die Freiwillige Feuerwehr Eching rief, um die Kiste zu bergen, und das, bevor an eine gewissenhafte Spurensicherung zu denken war.

Seine Kinder sagten: Papa, du verkriechst dich ja schon wieder in den Akten. Seine Frau sagte: Du bringst das Verbrechen in die Familie. Michael Herrmann sagt, er wurde förmlich in die Akten gesogen. Und in den Gerichtssaal, 56 Verhandlungstage dauerte der Prozess. Schließlich das Urteil, ausgefertigt durch das Schwurgericht Augsburg am 25. März 2010. Die Überzeugung der Kammer von der Täterschaft des Angeklagten ergibt sich aus der Gesamtschau von Indizien, sagte der Richter.

Werner Mazurek ist seit 2010 in Haft

Werner Mazurek 2009 im Gerichtssaal. Er bestreitet bis heute, Ursula Herrmann entführt zu haben. 


Ein Verurteilter, aber kein Täter

Michael Herrmann studierte Werner Mazurek, bartumwuchertes Gesicht, bärenhafte Statur, irritierend selbstbewusstes Auftreten, es erstaunte ihn anfangs, dass es ihm gelang, diesem Mann ohne Rachegefühle gegenüberzutreten. Werner Mazurek war 31 Jahre alt in diesem Jahr 1981, Fernsehtechniker, wohnte in der Nachbarschaft der Herrmanns und hatte finanzielle Probleme. Und viele Indizien sprechen für seine Täterschaft. Er war schon damals in Verdacht geraten, hatte erst kein Alibi für den Tatzeitraum und versuchte sich eins zu beschaffen. Ein Bekannter namens Klaus Pfaffinger sagte aus, er habe für ihn ein Loch im Wald gegraben und die Kiste darin gesehen, widerrief aber kurz darauf: alles frei erfunden. Mazurek hörte zudem nach der Entführung mit einem manipulierten Radio den Polizeifunk ab. Die Tat, führte der Richter aus, sei für den Angeklagten auch nicht völlig lebensfremd. Er sei ein verurteilter Betrüger, schlug seinen Stiefsohn und sperrte den Familienhund in die Tiefkühltruhe, wo ihn seine damalige Frau am nächsten Tag tot fand. Kein schlechtes Gewissen, er erklärte: Nimm’s nicht so tragisch.

Und die Staatsanwaltschaft gründete dieses späte Verfahren auf das alte Grundig-Spulentonbandgerät TK 248, das 2007 gefunden worden war. Die Gutachterin sagte im Prozess, dieses Gerät sei "wahrscheinlich" das Tatwerkzeug der Erpresseranrufe. Mazurek hatte erklärt, er habe das Gerät erst 2007 auf einem Flohmarkt gekauft, aber er konnte es nicht beweisen. Michael Herrmann bekam vom Gericht keine Gewissheit, sondern eine Gesamtschau der Indizien. Wir haben einen Verurteilten, aber keinen Täter, sagt Herrmann.

"Alternativen zur Täterschaft Mazureks"

Das Urteil galt Werner Mazurek. Aber es machte auch Michael Herrmann zu einem Gefangenen seiner Zweifel. Er recherchierte weiter, sprach ehemalige Kriminalkommissare, verfasste eine DIN-A4-Seite: "Alternativen zur Täterschaft Mazureks". Auf ihr notierte er fünf weitere mögliche Täter, es wurde ihm immer unerträglicher, damit zu leben: Gesamtschau der Indizien. Denn die Gesamtschau seiner Zweifel ist lang. Wie kann ein altes Tonbandgerät so ein zentrales Beweisstück sein, fragt Michael Herrmann. Er blickt sich um in seinem Tonstudio. Er fragt sich, ob ein Gerät nach 30 Jahren die gleichen Parameter habe wie damals. Und wieso wurde es in den 80er Jahren nicht gefunden, als Werner Mazurek schon einmal im Visier der Ermittler war? Wieso bewahrte er das Gerät auf, wenn es ihn doch belasten konnte? Wieso sollte Werner Mazurek ausgerechnet Ursula Herrmann entführen? Seine Frau hatte eine Zeit lang bei den Herrmanns geputzt, er musste wissen, dass bei der Familie kein Vermögen zu erpressen war.

Und wieso misst das Gericht dem Geständnis von Pfaffinger so viel Bedeutung bei, der erzählte, er habe in Mazureks Auftrag ein Loch ausgehoben? Herrmann sagt, dass der längst verstorbene, psychisch labile Trinker damals Werner Mazurek nur belastet haben könnte, weil er sich durch die stundenlangen Verhöre unter Druck gesetzt fühlte. Selbst die Ermittler maßen seiner Aussage damals kaum Bedeutung bei. Es sei erstaunlich, wie ein Toter das ganze Verfahren stütze.

Jäger, Schüler, Rechtsradikale

Verstehen Sie mich nicht falsch, sagt Herrmann, natürlich kann es auch Werner Mazurek gewesen sein. Aber ich habe wirklich lange nachgedacht. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit auf unter 50 Prozent. Er nimmt ein Papier aus einem Ordner. Die Alternativtäter. Säuberlich aufgelistet, unterteilt in „Pro und Contra“. Darauf findet sich Harald W., Expolizist, verschuldet, er jagte oft im Weingarten. Zeugen sahen sein Auto zum Zeitpunkt der Entführung in der Nähe. Im Kofferraum fand die Polizei Haare von Hunden und Eichhörnchen. Auch in der Kiste fand man sie. Doch Herrmann stieß auch auf Indizien, die gegen W.s Schuld sprechen.

Auch auf der Liste: „ein oder zwei psychisch gestörte Schüler oder Exschüler des Landerziehungsheims Schondorf“. Ein ehemaliger Schüler brachte ihn zu dieser Hypothese. War Ursula ein Zufallsopfer? Sollte ein Schüler entführt werden? Unter Contra listet Herrmann aber auf: So eine Tat ist Jugendlichen nicht zuzutrauen.

Die damaligen Jagdberechtigten im Wäldchen stehen ebenso auf der Liste. Unter ihnen Rechtsradikale, vielleicht führt die Spur zur Wehrsportgruppe Hoffmann, die immer wieder in Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Oktoberfest 1980 gebracht wird. Auf diese Theorie brachte ihn ein ehemaliger Polizist. Contra: keinerlei Hinweise in den Akten.

Der Täter, das steht für Michael Herrmann fest, muss sich ausgekannt haben. Er musste gewusst haben, wo er unentdeckt graben konnte. Denn es dauerte wohl 20 Stunden, bis das Loch ausgehoben war. Und es brauchte einen zweiten Mann, um die Kiste, 60 Kilogramm schwer, 139 mal 60 mal 72 Zentimeter groß, in das Loch zu hieven. Selbst wenn Werner Mazurek also etwas mit Ursulas Tod zu tun haben sollte, wer noch? Und warum kam diese Frage im Prozess nicht zur Sprache?

Die Kiste, in der Ursula Herrmann 1981 erstickte

Die Kiste, in der Ursula Herrmann erstickte, wurde für den Prozess vor dem Landgericht Augsburg originalgetreu nachgebaut


Post von Werner Mazurek

Ein Zettel voller Hypothesen, manche plausibler, manche eher abwegig. Für Michael Herrmann genug, um das Urteil zu hinterfragen. Er will eindeutige Beweise, sehnt sich nach Klarheit ohne Zweifel. Vor zwei Jahren hatte er einen Termin bei seiner Anwältin, es ging um die Scheidung von seiner Frau, auch so ein Kollateralschaden des Prozesses. Er fragte, was er tun könne, um zu erreichen, dass das Verfahren neu aufgenommen wird.
Es gab eine Möglichkeit, einen Umweg, aber juristisch möglich. Ein Zivilprozess um Schmerzensgeld. Um festzustellen, ob Mazurek Herrmann Geld schulde, könnte es das Gericht für notwendig halten zu klären, ob Mazurek überhaupt für den Tod des Mädchens verantwortlich ist. Es gibt Fälle, in denen diese Strategie aufging.

Michael Herrmann sagt, er mache sich durchaus Hoffnungen. Und wenn es Mazurek wirklich war, dann solle er mit dem Schadensersatz wenigstens symbolisch für all den Schmerz geradestehen, den er verursacht habe. Sein Anwalt Joachim Feller wundert sich, dass das Gericht Herrmann überhaupt medizinisch begutachten ließ. Niemand bezweifle, dass der über das normale Maß an Trauer hinaus am Tod der Schwester leide, auch die Gegenseite nicht.

Michael Herrmann sagt, er könnte damit leben, wenn er keinen Erfolg hat. Wichtig sei nur, dass er es versucht habe. Dann könne er endlich abschließen. Den Tinnitus mit Musik übertönen, wieder mehr Musik machen, weniger in die Akten gucken. Mit der Gesamtschau der Indizien leben. Keine Post mehr von Werner Mazurek bekommen.

Der schrieb ihm aus dem Gefängnis, man habe ja dieselben Ziele, wolle das Verbrechen aufklären, denn Fakt sei, er sei es nicht gewesen. Das müssten sie jetzt beweisen. Mazureks Briefe sind eher getragen vom Mitleid mit sich selbst als mit der Familie Herrmann, eher fordernd als fragend. Zu Weihnachten bekam Herrmann eine Karte mit besinnlichen Festtagswünschen aus der Haftanstalt Lübeck.

Michael Herrmann schrieb nur einmal an Werner Mazurek. Er begann: "Ich war überrascht, einen Brief von Ihnen zu bekommen. Denn es ist Ihnen sicherlich klar, dass ich trotz aller Zweifel an Ihrer Schuld erhebliche Vorbehalte gegen Ihre Person hege." Er wisse nicht sicher, ob Mazurek nicht doch der Täter sei. Sein Brief schloss: "Wenn Sie nicht der Täter sind, wünsche ich Ihnen, dass sich noch neue Erkenntnisse auftun und Sie rehabilitiert werden können. Wenn Sie der Täter sind: Fahren Sie zur Hölle!"

Diese Reportage ist dem aktuellen stern entnommen.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(