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SWR-Bericht Gefälschte Impfpässe im Umlauf – Behörden sind alarmiert

Impfpass mit Nachweis über Coronavirus-Schutzimpfung
Wie viele gefälschte Impfpässe mit vermeintlichen Nachweisen über eine erfolge Coronavirus-Schutzimpfung im Umlauf sind, ist nicht bekannt
© Andreas Arnold / DPA
Vermeintliche Immunität auf Bestellung: Im Internet blüht offenbar ein lebhafter Handel mit gefälschten Impfpässen – eine Gefahr für alle in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Die Polizei ermittelt.

Kriminelle verkaufen in Deutschland in großem Stil gefälschte Impfpässe, mit denen die Käuferinnen und Käufer eine vermeintliche Impfung gegen das Coronavirus nachweisen können. Das haben Recherchen des Magazins "Report Mainz" vom Südwestrundfunk (SWR) ergeben.

Die Dokumente werden demnach unter anderem über den Messenger-Dienst Telegram angeboten, zum Stückpreis von 150 Euro. Bei größeren Bestellungen gebe es einen Mengenrabatt. Geliefert werden sie dem Bericht zufolge mit nachgemachten Stempeln von Impfzentren deutscher Großstädte sowie mit gefakten Aufklebern von Biontech-Impfstoff-Chargennummern. Die gefälschten Impfausweise sollen von echten kaum zu unterscheiden sein.

Ermittlungen wegen gefälschter Impfpässe

Die Journalistinnen und Journalisten konnten einen der Händler ausfindig machen. Er habe angegeben, pro Tag bis zu 30 Exemplare der gefälschten Nachweise zu verkaufen, es herrsche "Land unter mit Anfragen". Verantwortliche der betroffenen Impfzentren zeigen sich schockiert. "Das ist beschämend, das ist furchtbar, ich kann es gar nicht fassen, ich bin sprachlos", sagte der Leiter einer Einrichtung in Frankfurt. Ein anderer sagt: "Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so was gibt." Nur Fachleute aus den Impfzentren könnten die Fälschungen erkennen. Für Beamte, die so einen Impfpass zum Beispiel an einer Landesgrenze kontrollieren, sei das nicht möglich, zitiert der SWR den Leiter des Frankfurter Zentrums.

Die Strafverfolgungsbehörden sind alarmiert. Das Landeskriminalamt Hessen habe Ermittlungen aufgenommen, heißt es in dem Bericht. Die Herstellung und die Nutzung "unrichtiger Gesundheitszeugnisse" können laut Strafgesetzbuch mit Gefängnis bestraft werden. Zudem dürfte es sich bei dem Handel auch um gewerbsmäßigen Betrug handeln.

Den Kriminellen spielt in die Hände, dass Blanko-Impfpässe frei verkäuflich sind und keine einheitlichen Sicherheitsmerkmale haben, wie es zum Beispiel bei Personalausweisen der Fall ist. Lediglich Stempel, Unterschrift und Chargennummern-Aufkleber müssen damit gefälscht werden.

Neben möglichen Ermittlungserfolgen könnte in Zukunft die Einführung eines fälschungssicheren digitalen Impfnachweises den Täterinnen und Tätern ihre Geschäftsgrundlage entziehen.

Im Zuge der fortschreitenden Impfkampagne könnten Nachweise über die Immunisierung immer weiter an Bedeutung gewinnen. Sobald ein signifikanter Teil der Bevölkerung die Möglichkeit zu einer Impfung hat, sollen Menschen mit einem Nachweis über ihre Impfung wieder einen normaleren und sicheren Alltag führen können und zum Beispiel wieder reisen oder Restaurants besuchen dürfen. Ungeimpfte mit einem gefälschten Impfnachweis könnten dann in vermeintlich sicheren Umfeldern zu einer Weiterverbreitung des Coronavirus beitragen – und damit zu einer längeren Pandemie und weiteren Toten.

Quellen: "Report Mainz", Strafgesetzbuch, Nachrichtenagentur AFP

wue

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