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Missbrauch auf Campingplatz: Polizei hielt Notruf bei Vergewaltigung für Scherz

Ein Mann vergewaltigt auf einem Campingsplatz eine Frau vor den Augen des Freundes. Der ruft die Polizei - doch die glaubt ihm zunächst nicht. Das legt laut übereinstimmender Medienberichte ein Gesprächsprotokoll des Notrufs nahe.

26 Jahre nach einem Kindermord in Thüringen hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen (Symbolbild)

Im Vergewaltigungsfall vom Bonner Rheinufer soll die Polizei nicht korrekt gehandelt haben

Der Fall sorgte deutschlandweit für Aufsehen: Anfang April vergewaltigte ein 31-jähriger Mann auf einem Campingplatz bei Bonn eine junge Frau - und ihr Freund musste die Tat miterleben. Der mutmaßliche Täter hatte das Paar mit einer Astsäge bedroht. Ein Woche später wurde er festgenommen und wartet jetzt auf seinen Prozess.

In der Anklageschrift gibt es allerdings einen Punkt, der die Polizei in sehr schlechtem Licht erscheinen lässt. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat der Freund noch während der Tat den Notruf gewählt. Die Polizistin am anderen Ende der Leitung hielt den Anruf aber zunächst für einen Scherz.

Gesprächsprotokoll ist peinlich für die Polizei

Laut dem Gesprächsprotokoll, das in der Anklageschrift enthalten ist, flüstert der Freund, der sich während der Vergewaltigung im Zelt aufhielt, ins Telefon:

"Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt. Von einem Schwarzen.“ 

Die Polizistin ist misstrauisch: "Und da geht jemand ihre Freundin an?“

Der Freund: "Er hat eine Machete."

Die Polizistin: "Sie wollen mich verarschen, oder?“

Der Freund: "Nein, nein.“

"Hm", entgegnet die Polizistin zweifelnd.

Panisch erzählt der junge Mann, dass er Todesängste habe. Er fürchte, dass der Angreifer seine Freundin gleich umbringen werde. Die Polizistin erkundigt sich nach seinem Namen und verspricht ihm, die Kollegen zu schicken. Dann verabschiedet sie sich mit "Danke, tschö".

Wenige Minuten danach lässt der Täter von seinem Opfer ab. Der Student und seine Freundin fliehen vom Tatort, sie hoffen, irgendwo auf Hilfe zu treffen. Der Freund wählt erneut den Notruf. 

Polizei räumt Fehlverhalten ein

Eine andere Beamtin ist am Apparat und über den Fall informiert. Sie übermittelt dem Anrufer eine Nummer der Polizei in Siegburg. Dort solle sich das Paar hinwenden. "Die können das richtig koordinieren", lautet die Begründung. Dann endet das Gespräch. Bald darauf treffen die Camper auf eine entsandte Funkstreife, die bereits von der ersten Beamtin losgeschickt wurde. Es dauerte gut 20 Minuten, bis die Polizei voll im Einsatz war.

Bei beiden Anrufen reagierten die Beamtinnen ohne Einfühlungsvermögen, sondern taten so, als wenn es sich um eine Ruhestörung handele. Noch schlimmer aber ist: Es gab keine Tipps für Verhaltensmaßnahmen. Der Student und seine Freundin wurden vollkommen allein gelassen.

Die Bonner Polizei hat mittlerweile eingeräumt, dass die "aufnehmende Beamtin die Umstände des ersten Anrufs nicht richtig eingeordnet und sprachlich unangemessen reagiert" habe.


tis