VG-Wort Pixel

Teenager-Doppelmord in Bodenfelde Wer ist Jan O.?


Die Polizei ist sich sicher, dass Jan O. der Doppelmörder von Bodenfelde ist und traut ihm sogar das "Potenzial zum Serienmörder" zu. Ein Blick in die Vergangenheit des 26-Jährigen offenbart eine Jugend zwischen Drogen, Alkohol, Arbeitslosigkeit und Kriminalität.

Die Wohnung liegt in einem schmucklosen, etwas verwohnten Mehrfamilienhaus am Rande von Uslar. Einer der Briefkästen ist tief eingedrückt: "Jan wenn du nicht rauskommst...", ist mit Filzstift daraufgekritzelt. Die Polizei ist sich sicher: Der letzte Mieter dieser Wohnung, Jan O., ist der brutale Doppelmörder von Bodenfelde. Der Northeimer Kripochef Andreas Borchert sieht in ihm sogar das "Potenzial zum Serienmöder".

Die Nachbarn im Haus kennen den jungen Mann nach eigenen Angaben allenfalls vom Sehen. Ein im Nachbarhaus wohnender Arbeiter beschreibt den mutmaßlichen Doppelmörder als "einen ruhigen Jungen, bei dem man nie an Gewalttätigkeit gedacht hat". Jan O. sei oft mit schlechten Schuhen und kaputter Jacke herumgelaufen, sagt der Nachbar. Er habe ihm schon Kleidung schenken wollen.

Drogentherapeut spricht von "Reifeverzögerung"

Der 26-Jährige sei stets mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs gewesen und oft in das neun Kilometer entfernte Bodenfelde oder sogar in das 18 Kilometer entfernte Dorf Amelith gefahren oder gewandert, sagt der Nachbar weiter. Über seine Drogentherapie in Amelith, die im vergangenen Winter endete, habe er offen gesprochen.

Die christliche Therapieeinrichtung "Neues Land" im Dorf Amelith, in der Jan O. ein Jahr lang lebte, ist in einer ehemaligen Pension untergebracht. "Er hatte schon den Willen, aus den Drogen auszusteigen", erinnert sich der Leiter der Einrichtung, Eberhard Ruß. Allerdings sei Jan O. mit schwieriger Vergangenheit nach Amelith gekommen. Mental sei der damals 24-Jährige noch auf dem Niveau eines Jugendlichen gewesen. Ruß attestiert ihm eine "Reifeverzögerung".

Alkohol, Arbeitslosigkeit, Diebstähle

In der Therapie hat Jan O. clean gelebt. Letztlich sei er aber nur von den illegalen Drogen, nicht aber vom Alkohol losgekommen, sagt Ruß. "Die Droge Alkohol wird in unserer Gesellschaft leider sehr bagatellisiert", sagt er. In der Therapie habe Jan O. gut mitgearbeitet. Weitergehende Unterstützung nach seiner Entlassung habe er jedoch nicht erhalten.

Einen Beruf hat Jan O. nach den bei der Justiz geführten Akten nie gelernt. Nach seiner Schulzeit war er immer wieder arbeitslos. Der heute 26-Jährige wurde im Oktober 2007 vom Landgericht Lüneburg zu zwei Jahren und neun Monaten Haft wegen zahlreicher schwerer Diebstähle verurteilt. Zuvor legte er gegen ein in März 2007 vom Amtsgericht Uelzen verhängtes Urteil Berufung ein.

Zwei Jahre in der geschlossenen Therapie

Nach der Verurteilung in zweiter Instanz wurde der junge Mann für zwei Jahre zur geschlossenen Suchttherapie in ein Landeskrankenhaus bei Zeven in Westniedersachsen eingewiesen. Er galt als abhängig von Alkohol, Tabletten und Cannabis. Gelegentlich soll er auch harte Drogen konsumiert haben. Bei der Entlassung aus der geschlossenen Anstalt sei die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt worden, hieß es weiter. Als Bewährungsauflage habe er die weitere offene Therapie in Amelith im Solling machen müssen.

Jan O. wurde im September 1984 in Uelzen geboren. Dort besuchte er die Grundschule, die Orientierungsstufe und danach eine Förderschule, die er ohne Abschluss verließ. Schon als Jugendlicher kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Er wurde wegen Diebstählen, Sachbeschädigung und wegen Handels mit geringen Mengen von Betäubungsmitteln verurteilt. Wegen Gewalttaten stand der mutmaßliche Doppelmörder bislang aber noch nicht vor Gericht.

Vater ist mit ihm "nicht fertig geworden"

Der Vater von Jan O. reagierte erschüttert auf die mutmaßliche Täterschaft seines Sohnes. "Ja, ich kann mir vorstellen, dass es Jan war", sagt er der Onlineausgabe der in Uelzen erscheinenden "Allgemeinen Zeitung". Er habe in der Vergangenheit alles versucht, sei aber mit seinem Sohn "nicht fertig geworden". Schon in der zweiten Klasse habe dieser Mitschüler tätlich angegriffen. Vor allem mit dessen Alkoholkonsum sei es "schlimm" gewesen. Als er ihn vor die Wahl gestellt habe, eine Therapie zu machen oder den Kontakt abzubrechen, habe der Sohn gedroht, "mir das Haus anzuzünden", sagte der Vater dem Blatt.

fw/DAPD dapd

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker