VG-Wort Pixel

Internationale Studie "Höchste Zeit zu handeln": Hitzewelle in Sibirien durch Klimawandel bedingt

Hitzewelle in Sibirien
Die am 19.06.2020 vom ECMWF Copernicus Climate Change Service besorgte Karte zeigt die Oberflächentemperatur in der Region in Sibirien
© Ecmwf Copernicus Climate Change / DPA
Die jüngste Hitzewelle in Sibirien wäre nach Einschätzung eines internationalen Forscherteams ohne den Klimawandel "fast unmöglich". Ihr Fazit: Es ist höchste Zeit zu handeln. 

In Sibirien herrschen momentan Spitzentemperaturen von 38 Grad Celsius und seit Monaten um fünf Grad Celsius höhere Durchschnittstemperaturen. Nach Einschätzungen eines internationalen Forscherteams ist die Hitzewelle aufgrund des menschengemachten Klimwandels entstanden. Derartige Hitzeperioden gäbe es höchstens alle 80.000 Jahre, so die Forscher am Mittwoch in einer Studie. 

Die Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse wie Monsterstürme oder Dürren sind inzwischen wohlbekannt, doch bis vor relativ kurzer Zeit waren die Wissenschaftler nicht in der Lage, ein einzelnes Wetterextrem eindeutig mit der Erderwärmung in Verbindung zu bringen.     

Mit Computersimulation die Hitze in Sibirien analysiert

Dank einer noch recht jungen Disziplin - der sogenannten Zuordnungsforschung - gelang es dem Team der Initiative "World Weather Attribution" mit Hilfe von Computersimulationen, den Einfluss des Klimawandels auf die Hitze in Sibirien zu ermitteln. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Hitzewelle "in einem Klima, das nicht durch den Ausstoß von Treibhausgasen erwärmt wurde, fast unmöglich" wäre. Die CO2-Verschmutzung der Atmosphäre habe die ungewöhnlich hohen Temperaturen 600 Mal wahrscheinlicher gemacht.    

Hauptautor Andrew Ciavarella vom britischen Wetterdienst (Met Office) bezeichnete die Ergebnisse der Studie "niederschmetternd". Diese seien "ein weiterer Beweis für die extremen Temperaturen, die wir in einem sich erwärmenden Klima weltweit häufiger zu erwarten haben", erklärte er. Die Studie wurde von anderen Wissenschaftlern noch nicht begutachtet. Mitautorin Sarah Kew vom Royal Netherlands Meteorological Institute sprach dennoch von einem der "überzeugendsten Ergebnisse aller bisherigen Zuordnungsstudien".   

Klimaaktivisten unter sich: Al Gore trifft sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Greta Thunberg.

Dem Forscherteam zufolge hat die Hitzewelle in Sibirien gravierende Folgen für die gesamte Welt. Sie erinnerten daran, dass inzwischen rund 1,15 Millionen Hektar Wald in Flammen aufgingen und Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre freisetzten. Der gleichzeitig auftauende Permafrostboden führte wiederum im Mai zur Beschädigung eines Öltanks und einer der bislang schwersten Umweltkatastrophen in der Region.    

Nach den Worten von Forscherin Kew ist die Botschaft der Studie eindeutig: "Uns bleibt nur noch wenig Zeit, um das Klima auf das Niveau des Pariser Abkommens einzupendeln." Das Klimaabkommen von 2015 sieht vor, den Anstieg der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst sogar 1,5 Grad gegenüber den vorindustriellen Werten zu begrenzen. Um das zu erreichen, müssten die CO2-Emissionen zwischen 2020 und 2030 um jährlich 7,5 Prozent gedrosselt werden.

deb AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker