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Peter ist eigentlich Petra

Der schwer verliebte Trauerschwan "Peter" ist mit seinem Schatzi, dem Tretboot, im Münsteraner Zoo angekommen. Doch ihre Beziehung steht dort vor einer Belastungsprobe. Der Zoodirektor verkündete zudem eine kleine Sensation.

Ein wenig bitten ließ er sich schon, der schwer verliebte Trauerschwan "Peter" vom Münsteraner Aasee: Bevor er seinem Herzblatt, einem Tretboot in Schwanengestalt, auch auf den letzten Metern ins gemeinsame Winterquartier im Allwetterzoo folgte, sonnte er sich ausgiebig im Blitzlichtgewitter und hielt seinen Schnabel in jede Fernsehkamera, die sich ihm bot. Ernsthafte Sorgen machte sich aber wohl niemand mehr, dass der inzwischen berühmte Schwan nach sechs Monaten innigster Beziehung doch noch von seinem Plastik-Partner ablassen würde.

Tretboot ist männlich

Eine Überraschung war schon eher das Geschlecht des Schwans: "Peter ist eigentlich eine Petra, eine Schwanenfrau also", verkündete Zoodirektor Jörg Adler zum Ende der einwöchigen Umsiedelungsaktion. Und fügte hinzu: "Ich würde sagen, wir haben uns einfach beim Tretboot vertan. So stattlich groß und imposant, wie das ist, kann es sich hier ganz offensichtlich nur um ein männliches Plastiktier handeln." Flexibel zeigte sich der Direktor auch beim Namen von Münsters Liebling - Peter oder Petra, das bleibe nun jedem selbst überlassen. Selbst entscheiden darf auch der Trauerschwan, ob er tatsächlich den Winter über bei seinem Tretboot-Partner bleiben oder lieber zum Aasee zurückkehren möchte. "Das ist Sache des Vogels, wir machen, was er verlangt", sagte Bootsbesitzer Peter Overschmidt.

Berühmt genug ist der Schwan inzwischen jedenfalls, um sich ein paar Star-Allüren zuzulegen. "Hätten wir den Schwan von seinem Boot getrennt, hätte es einen Aufschrei gegeben", sagt Zoodirektor Adler. Denn vor allem bei den Münsteranern steht der pechschwarze Vogel unter Dauerbeobachtung. Aus Irmgard Müssigs Leben ist Peter schon seit Monaten nicht mehr wegzudenken: Immer wieder hat sie ihn seit seiner Ankunft im Mai auf dem Aasee besucht, nun standen die Daten seines Umzugs sogar fest in ihrem Terminkalender: "Er wird mir fehlen, aber ich hole mir auf jeden Fall eine Jahreskarte für den Zoo, um zu schauen, wie es ihm und dem Tretboot dort ergeht."

Zwar kann der kleine Zoo-Teich kaum mit dem Aasee mithalten, doch das schien das Tier am Donnerstag wenig zu stören. Peters Augenmerk galt allein dem weißen, schwanenförmigen Plastikboot, das von sechs Männern aus dem Zookanal, vorbei an Löwen und Geparden, in das neue Gewässer getragen wurde. Er begrüßte es nach der kurzen Trennung mit einem lauten Ruf und zog wenige Minuten später schon wieder enge Kreise um seinen künstlichen Angebeteten, der ihn um Meter überragt.

Im Nachbarteich leben Single-Schwäne

Doch die wahre Belastungsprobe steht der Beziehung erst noch bevor: Ob "Peters" Treue tatsächlich von Dauer ist, werden spätestens die nächsten Monate zeigen. Möglicherweise, sagt Zoo-Tierärztin Sandra Silinski, sei der Vogel in seiner sexuellen Phase durch die optischen Reize des Schwanenboots dauerhaft fehlgeprägt worden. Seine Anhänglichkeit könne aber auch durch besonders positive Erinnerungen - beispielsweise durch das Füttern neben dem Tretboot - begründet sein. Im Nachbarteich warten sechs Trauerschwäne, der Großteil Singles: "Das lässt doch auf eine wahre Liebe aus Fleisch und Blut hoffen", sagt Adler. Es sei ihm jedenfalls gewünscht, denn so ein Schwanenleben dauert ja nun auch nicht ewig."

DPA/DPA

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