HOME

Münster: Der Schwan und sein Tretboot

Der Schwan vom Aasee in Münster ist immer noch glücklich in ein Tretboot verliebt. Doch weil der Winter kommt, müssen die beiden nun umziehen - Experten fürchten, der Ortwechsel könnte eine Beziehungskrise bei dem Pärchen auslösen. stern TV berichtet.

Von Tom Kühn und Sönke Wiese

Sie waren das Paar des Sommers: der kleine schwarze Schwan und das große weiße Tretboot. Die Geschichte rührte die Menschen auf der ganzen Welt. Ob in Australien, Indien, Taiwan, Japan oder den USA: Überall berichteten die Medien über die ungewöhnliche Liebe auf dem Aasee in Münster. Dort hat sich der Schwan, der schwarzer Peter getauft wurde, in ein Tretboot verguckt.

Die Form des Gefährts ist zwar einem Schwan nachempfunden. Doch die Dame ist aus Plastik, überragt den kleinen Verehrer um Meter, und fliegen kann sie auch nicht. Dass seine Avancen sie kühl lassen, stört den schwarzen Peter nicht - er hat die größte Liebe seines Lebens gefunden.

Seit Mai zieht er treu seine Kreise um die Plastikdame, beobachtet und beschützt sie. "Wenn ich mit einem Segelboot auch nur in die Nähe des Tretboots kam, plusterte sich der schwarze Vogel auf und zeterte", berichtet Bootsverleiher Peter Overschmidt. Inzwischen hat sich der Schwan an den Bootsbetrieb gewöhnt und seine Eifersucht abgelegt. Wenn Kunden das Tretboot mieten, schwimmt er brav hinterher.

Die Liebe überstand die fruchtlose Paarungszeit

Dass Schwäne Bindungen zu Booten oder zu Imitationen aufbauen, kommt immer wieder vor. Aus Hamburg ist ein ähnlicher Fall bekannt, bei dem ein Schwan jedes Jahr aufs Neue zu seiner "Geliebten" auf der Alster zurückkehrte. Doch die Romanze in Münster erstaunt die Biologen besonders: Schwarze Trauerschwäne leben normalerweise nur mit gleichartigen Tieren zusammen. Beziehungen zu den weißen Höckerschwänen sind nicht bekannt.

So glaubten die Experten auch nicht an eine Zukunft der ungewöhnlichen Beziehung. Nach der Paarungszeit im Juli, so unkten sie, würde die Liebe erkalten. Doch weit gefehlt: Die Romanze auf dem Aasee hält bis heute an. Der schwarze Peter ist eben ein besonders treues Tier.

Nun aber sind die Münsteraner in Sorge um ihr berühmtes Pärchen. Der Winter stellt die Beziehung auf eine harte Probe. Gemeinsam können die Schwäne nämlich nicht auf dem Aasee überwintern - Frost tut beiden nicht gut. Sie müssen in den Allwetter-Zoo Münster umziehen. Dort hat Direktor Jörg Adler "ein Freigehege in absoluter Toplage" mit Unterstützung einer Bausparkasse organisiert.

Gefällt dem Pärchen die neue Heimat?

Problem: Der Zoo liegt am anderen Ende des Aasees, zwei Kilometer entfernt vom Quartier des Tretboots. So weit hat sich der schwarze Peter mit seiner Geliebten noch nie hinaus gewagt. Und man weiß: Schwäne können zickig werden, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt.

Behutsam bereitet Bootsverleiher Overschmidt den Trauerschwan auf den Wohnortwechsel vor. Seit Mitte Oktober unternimmt er "Gewöhnungsfahrten" mit Tretboot und Schwan im Schlepptau Richtung Zoo - jedesmal ein paar Hundert Meter weiter. Am 9. November soll schließlich der große Umzug stattfinden. Und ganz Münster hofft dieser Tage inständig, dass dem prominenten Pärchen sein neues Zuhause gefällt.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?