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US-Vater verzweifelt an Sohn: Ein Brief - was ist denn das?

Programmieren, googeln, E-Mails schreiben: Alles kein Problem für einen US-Teenager. Nur Briefe schreiben, das ist für ihn Hexenwerk, beklagt sich der Vater - und stellt das lustige Ergebnis ins Netz.

Das Fiepen eines Modems, das Surren eines spulenden Videorekorders, das Rascheln der Gelben Seiten - es gibt viele Dinge, die Teenager nur noch vom Hörensagen kennen dürften. Durch den digitalen Fortschritt verändert sich der Alltag andauernd, was vor einigen Jahren noch modern war (Faxgerät!), ist plötzlich ein Relikt fürs Museum. Nun hat der Boom von Smartphone, Tablet und Co. offenbar sein nächstes Opfer gefordert: "Mein Teenagersohn weiß nicht, wie er einen Brief schreiben soll", schreibt Brian S. Hall in einem viel beachteten Beitrag auf dem US-Blog "Readwrite". Einen Schuldigen hat der Vater auch schon gefunden: "die Technik".

Eine Briefmarke erschien ihm wie Hexerei

Dabei sei er sonst mit den Leistungen seines Sohns zufrieden, betont Hall. Er könne nicht nur programmieren, sondern sei auch sonst ein exzellenter Schüler, der wenige Tage vor seinem High-School-Abschluss steht. "Der Junge hat ein Smartphone, ein Tablet und einen Laptop" schreibt der Vater in dem Artikel. Dass sein Sohn nicht in der Lage sei, einen einfachen Brief zu schreiben, entdeckte er nur durch einen Zufall: "Ich habe es nur herausgefunden, da seine Mutter und ich ihm erzählt haben, dass es angemessen und höchst profitabel sei, Einladungskarten für seinen Abschluss an seine Großeltern, Tanten und Onkel zu verschicken."

Adresse auf den Umschlag, Briefmarke draufkleben, in den Briefkasten - und ab geht die Post. So einfach, wie Hall es sich vorgestellt hat, war es für seinen Sohn nicht. Als der Vater seinem Sohn einen Briefumschlag reicht, wurde er Zeuge eines "zutiefst verwirrenden Vorgangs", wie es im Artikel heißt. Zuerst schrieb der Sohn die Adresse des Empfängers in die rechte, obere Ecke - allerdings ohne dessen Namen zu nennen. "Dann gab ich ihm eine Briefmarke", schreibt Hall weiter. "Das verblüffte ihn. Die Vorstellung einer physischen Briefmarke erschien ihm wie Hexerei." Prompt klebte der Sohn die Marke im ersten Anlauf in die falsche Ecke. Auch die Rücksendeadresse vergaß er. Was es denn damit auf sich habe, erkundigte er sich bei seinem Vater auf dessen Nachfrage. Der entgegenete, sichtlich genervt: "Die Rücksendeadresse ist deine Anschrift. Unsere Adresse." Der Brief sei ein einziges Desaster gewesen, schreibt Hall, selbst "seine Schönschrift ist grauenhaft".

Google hilft

Um die Wissenslücke seines Sohnes zu schließen, griff Hall zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er startete den Computer, öffnete den Browser und ließ den Jungen googeln, wie man einen Brief schreibt. Der erste Treffer führte ihn auf die Webseite einer Grundschule. Sie zeigt mit selbstgemalten Bildern, an welcher Stelle die Briefmarke kleben soll und welche Angaben auf einen Umschlag gehören.

Am Ende räumt Hall resigniert ein: "Vielleicht ist es einfach zu spät, um Briefe zu schreiben." Die Generation seines Sohnes sei vielleicht die am besten vernetzte und könne so gut mit Technik umgehen wie keine zuvor. Aber wenn sie nicht einmal einen einfachen Brief schreiben können, fragt der besorgte Vater: "Was wissen sie sonst nicht mehr?" Zur Beruhigung: Zur Not lässt sich ja alles googeln.

cf
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