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Verhungerte Lea-Sophie: "Zu schwach, um Dir zu helfen"

Die Großeltern der verhungerten Lea-Sophie aus Schwerin haben in einer Traueranzeige ihre Hilflosigkeit bedauert. Die Anzeige schließt mit den Worten: "Wir werden Dich immer lieb haben!" Der Stadtrat will nun die Aufklärung vorantreiben.

Nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie aus Schwerin ist eine Traueranzeige in der "Schweriner Volkszeitung" zum Tod des Mädchens erschienen. Darin werfen die Großeltern die Frage nach dem Warum auf. Sie bedauern zudem ihre eigene Hilflosigkeit: "Wir waren zu schwach, um Dir zu helfen." Die Anzeige schließt mit den Worten: "Wir werden Dich immer lieb haben!" Das Mädchen war in der Nacht zum vergangenen Mittwoch in Schwerin an den Folgen monatelanger Vernachlässigung gestorben. Die Eltern hatten sie verhungern und verdursten lassen. Bei ihrem Tod hatte Lea-Sophie nur noch 7,4 Kilogramm gewogen. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.

Der Schweriner Stadtrat will die Aufklärung des Hungertods vorantreiben. Es wird ein Gremium aus Vertretern aller Fraktionen geben, das parallel zu den laufenden Prüfungen der Verwaltung eigene Ergebnisse beisteuern soll, wie der Vorsitzende der Fraktion CDU/Liberale, Gert Rudolf, ankündigte. Die Stadtverwaltung hat ebenfalls angekündigt, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit einem eigenen Untersuchungsbericht begleiten zu wollen.

Kritik am Kinderschutz des Bundes

Unterdessen hat die Sozialministerin von Schleswig-Holstein, Gitta Trauernicht, dem Bund mangelnde Aktivitäten beim Kinderschutz vorgeworfen. "Im Rahmen einer Sonderkonferenz am 24. November 2006 zum Thema Kinderschutz und im Rahmen von Bundesratsaktivitäten hatten wir den Druck und die Erwartung auf die Bundesebene gerichtet, doch wir sind enttäuscht worden", sagte die SPD-Politikerin dem Berliner "Tagesspiegel". Weil das Land nicht länger warten und seine eigenen Möglichkeiten ausschöpfen wollte, habe es ein eigenes Kinderschutzgesetz verabschiedet. "Ich weiß, dass sich auch andere Bundesländer auf den Weg gemacht haben, ein solches oder ähnliches Gesetz zu verabschieden", wird Trauernicht zitiert. Sie halte das für erforderlich. "Gut wäre es gewesen, wenn die Bundesebene dies koordiniert hätte, damit die rechtlichen Situationen in den einzelnen Ländern gleich gewesen wären", sagte sie.

Angesichts des jüngsten Todesfalls der kleinen Lea-Sophie in Schwerin sprach sich Trauernicht für Hilfe zur Vorbeugung von Kindesvernachlässigung aus: "Die Hilfen müssen schon zur Geburt oder davor an die Familien herangetragen werden. Es muss eine aufsuchende und nachhaltige Hilfe sein." So würden im Kinderschutzgesetz von Schleswig-Holstein die verbindlichen Früherkennungsuntersuchungen sechs Vorstellungen beim Arzt bis zum fünften Lebensjahr mit einem kontrollierenden Einladungs- und Meldewesen verankert. Die Ministerin äußerte die Überzeugung, "dass wir weiterkommen durch eine Kultur des Hinschauens, durch eine Verantwortungsgemeinschaft". Der Fall Lea-Sophie zeige, "wir müssen professioneller werden, wir müssen Vernachlässigung frühzeitiger erkennen", sagte die SPD-Politikerin.

DPA/AP / AP / DPA