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300 Tote bei Bootsunglück: Crew hinderte Passagiere an der Flucht

Erst haben sie aus Gier ein zu kleines Boot hoffnungslos überladen, dann ließen sie es in unruhige Gewässer fahren, wo es sank. Jetzt verstecken sich die Mitarbeiter einer afrikanischen Schiffahrtsgesellschaft. Sie sollen für den Tod von bis zu 300 Menschen verantwortlich sein.

Die Polizei im westafrikanischen Sierra Leone fahndet nach den Verantwortlichen einer Schiffskatastrophe bei der möglicherweise bis zu 300 Menschen ums Leben gekommen sind. Ein Polizeisprecher sagte am Freitagmorgen, der Schiffseigner und andere Mitarbeiter der Schifffahrtsgesellschaft hielten sich offenbar versteckt.

Zunächst waren die Ermittler von 150 Menschen an Bord des Schiffes ausgegangen, das in der Nacht zum Mittwoch verunglückt war. Inzwischen stehe fest, dass 251 Bordkarten verkauft wurden, sagte der Polizeisprecher. Außerdem waren zahlreiche Kinder an Bord, die aus den Ferien zurückkehrten und umsonst mitfahren durften. Das Boot war jedoch nur für 25 Passagiere zugelassen.

Mehrere Passagiere hätten das - zusätzlich mit Waren - überladene Schiff aus Sorge um ihre Sicherheit vor der Abfahrt verlassen wollen, wurden aber von der Mannschaft daran gehindert. Es gab keine Rettungswesten an Bord. Noch ist unklar, ob der Sturm das Schiff zum Kentern brachte oder ob es wegen der Überladung sank.

"Wir gehen von keinen weiteren Überlebenden aus", erklärte der Leiter des Rettungseinsatzes. Das Meer sei an der Unglücksstelle viel zu turbulent. Zwar fuhren nach dem Unglück auch Fischer aufs Meer, um nach Überlebenden zu suchen, aber es konnten nur 36 Menschen gerettet werden. Sie hatten sich an das gekenterte Boot geklammert und waren noch in der Nacht von Rettungskräften geborgen worden.

AP/DPA / AP / DPA