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Ausbruch des Vulkans Merapi: Banges Warten in Indonesien

Der Ausbruch des Vulkans Merapi in Indonesien hat mindestens 25 Menschen das Leben gekostet. Die größte Sorge der Experten ist es, dass die größte Eruption seit Jahrzehnten bevorsteht.

Indonesien kommt nicht zur Ruhe: Innerhalb von wenigen Tagen ist der pazifische Inselstaat von gleich zwei Naturkatastrophen heimgesucht worden. Mehr als 120 Menschen sind dabei bislang ums Leben gekommen. Im Westen des Landes löste ein Erdbeben eine Flutwelle aus, mindestens 113 Menschen wurden getötet. 150 bis 500 Personen wurden noch vermisst, wie die Behörden mitteilten. Auf der Hauptinsel Java brach der Vulkan Merapi aus, durch die Eruption sind mindestens 25 Menschen gestorben. Mehr als ein Dutzend Menschen seien mit Verletzungen eingeliefert worden, sagte eine Krankenhaussprecherin.

Die Eruption des Merapi begann kurz vor der Abenddämmerung am Dienstag, wie der Chefvulkanologe in dem Gebiet, Subandriyo, erklärte. Der Vulkan schleuderte Wolken mit heißer Asche und Steinen in die Luft. Seit dem Wochenende hatte die Aktivität des Vulkans merklich zugenommen, Tausende Bewohner der Berghänge waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

"Wir hoffen, dass der Druck langsam entweicht"

Die größte Sorge gilt dem steigenden Druck unter dem riesigen Lavadom, wie der Vulkanologe Surono sagte. "Die Energie baut sich auf", sagte er. "Wir hoffen, dass sie langsam entweicht." Andernfalls stehe eine heftige Eruption bevor - "größer als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben". Der Vulkanologe Gede Swantika sagte, es sei noch zu früh, dies mit Sicherheit vorherzusagen. Noch immer liege eine heftige Eruption im Bereich des Möglichen. "Aber wenn es eine Weile so weitergeht wie jetzt, dann haben wir einen langsamen und langen Ausbruch", sagte er.

Pazifischer Feuerring

Bereits 2006 war an dem Vulkan eine Lawine abgegangen und hatte zwei Menschen getötet. Im Jahr 1994 waren bei einem ähnlichen Ausbruch 60 Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Explosion 1930 wurden 1300 Menschen getötet.

Indonesien liegt im pazifischen "Feuerring" mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Das folgenschwerste Beben der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im Dezember 2004 vor Sumatra und löste einen Tsunami aus, der rund um den Indischen Ozean 230.000 Menschen das Leben kostete. Der Ort des Bebens vom Montag und der Merapi sind etwa 1300 Kilometer voneinander entfernt.

Der Erdstoß vom Montagabend (Ortszeit) hatte eine Stärke von 7,7. Sein Zentrum lag 20 Kilometer unter dem Meeresboden. Wegen starken Winds und rauer See war es für Rettungskräfte schwierig, in das Katastrophengebiet vordringen. Besonders betroffen war die dünn besiedelte Inselkette Mentawai, die 280 Kilometer vor der Küste Sumatras liegt und nur per Schiff zu erreichen ist. In zwei Küstenorten auf den Inseln Pagai und Silabu riss eine drei Meter hohe Welle Hunderte Häuser mit sich, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mitteilte. Im Dorf Muntei Baru auf Silabu wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes 80 Prozent der Häuser zerstört. In manchen Gegenden reichte das Wasser bis zu den Hausdächern.

3000 Menschen in Notunterkünfte

Rund 3000 Menschen seien in Notunterkünfte geflüchtet, teilte der Katastrophenschutz weiter mit. Die Besatzungen mehrerer Schiffe in der Region würden noch vermisst. "200 Leichensäcke sind auf dem Weg zu uns, nur für alle Fälle", sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums. Das Erdbeben erschütterte auch Städte entlang der Westküste der Insel Sumatra, darunter Padang. Dort hatte ein Erdstoß der Stärke 7,6 im vergangenen Jahr mehr als 700 Menschen das Leben gekostet.

Mehrere Moscheen gaben nach dem Erdbeben über Lautsprecher Tsunami-Warnungen heraus. "Alle rannten aus ihren Häusern", sagte der Bewohner Sofyan Alawi. Die Straßen, die auf umliegende Hügel führen, seien schnell mit Tausenden Autos und Motorrädern verstopft gewesen. "Wir haben uns immer wieder umgedreht um zu sehen, ob eine Welle im Anrollen war", sagte der 28-jährige Ade Syahputra.

DAPD/DPA / DPA