Bad Reichenhaller Stadtrat "Wir wollten warten, bis die ersten Fehler auftreten"


Nach dem Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall hält die Diskussion der Kommunalpolitiker über bauliche Mängel der Dachkonstruktion an.

"Als wir im Stadtrat über diese Halle diskutiert haben, haben wir in keiner Weise über sicherheitsrelevante Themen gesprochen", sagte der Sprecher der CSU-Fraktion im Stadtrat, Stefan Kantsperger. Es sei in einer Stadtratsitzung im Juni 2005 nur um Fragen der technischen Einrichtung und der Wirtschaftlichkeit gegangen. Auch nach Worten des Sprechers der Freien Wählergemeinschaft (FGW), Gerhard Fuchs, ging es nur um die Sanierung von Wasser- und Kühltechnik, von sanitären Anlagen sowie um die Steigerung der Attraktivität der Badehalle, die im selben Gebäudekomplex wie die Eislaufhalle liegt. "Es hat aber immer geheißen seitens des Bauamts, seitens beauftragter Statiker, der Korpus als solcher ist in Ordnung", bekräftigte Fuchs. Zu sanieren seien nur die Technik, Fliesen, Duschen und Ähnliches.

Das Hallendach war am Montag unter der Last großer Schneemassen eingestürzt und hatte etwa 50 Menschen unter sich begraben, von den 34 verletzt geretten wurden. Bis Mittwochmittag wurden 13 Menschen tot geborgen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Eine Frau und ein Mädchen wurden noch unter den Trümmern vermutet.

"Wir wollten warten, bis die ersten Fehler auftreten."

"Die Sanierung hat sich nie auf eine marode Gebäudesubstanz, auf irgendwelche einsturzgefährdete Dinge bezogen", sagte Fuchs, der auch Mitglied im Bauausschuss ist. Er widersprach einem Bericht der Münchner "Abendzeitung", dass bereits seit dem Jahr 2002 ein Gutachten existiere, wonach das Hallendach erneuert werden müsse. "Ich kenne kein Gutachten, in dem drinstünde, das Hallendach sei zu sanieren", sagte Fuchs. "Ich kenne kein Gutachten, das nur mit einer Zeile darauf hinweist, dass irgendwo in diesem Bauwerk statische Probleme wären."

Anders lautende Aussagen seines Stadtratskollegen Sebastian Irlinger (CSU) könne er nicht nachvollziehen, sagte Fuchs. Die "Abendzeitung" hatte Irlinger mit den Worten zitiert: "Wir wollten warten, bis die ersten Fehler auftreten." Irlinger war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Fuchs sagte, als Stadtrat und Vater zweier Kinder habe er ein vitales Interesse, dass weder Kinder noch irgendein Gast in ein Gebäude gingen, dass einsturzgefährdet sein könnte. "Die Aussage, man wusste, dass da Gefahr im Verzug sei, ist hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen", sagte Fuchs weiter. Auch Kantsperger sagte: "Wenn im Stadtrat die Frage der Sicherheit diskutiert worden wäre, dann hätten wir uns nicht überlegt, wie wir die Halle besser nutzen können, dann hätte man natürlich gesagt, man muss sie schließen. Das war aber nicht das Thema."

Reuters Reuters

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