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Bergarbeiter schicken Lebenszeichen: "Wir sind alle 33 im Schutzraum"

Chile erlebt ein kleines Wunder: Zwei Wochen lang wurden 33 Bergleute nach einem Grubenunglück vermisst, an eine Rettung glaubten nur noch wenige. Am Sonntag dann die Erleichterung: Alle Kumpel konnten sich in einen Schutzraum retten.

An solch ein Wunder hat in Chile kaum noch jemand geglaubt: Mehr als zwei Wochen nach dem Einsturz einer Mine sind alle 33 dabei verschütteten Bergarbeiter noch am Leben. Über eine zu ihnen heruntergelassene Sonde schickten sie am Sonntag zwei kleine Briefe als erstes Lebenszeichen an die Außenwelt. Die Nachricht sorgte für wahre Freudenausbrüche im ganzen Land, allerdings kann die Rettung der Kumpel noch Monate dauern.

Präsident Sebastián Piñera verblüffte seine Nation, als er ein Stück Papier in die Fernsehkameras hielt, auf dem in roter Krakelschrift stand: "Wir sind alle 33 im Schutzraum." In einer mit Gummiband umwickelten Plastiktüte hatten die seit 17 Tagen in 700 Metern Tiefe eingeschlossenen Kumpel zwei Nachrichten an einer Sonde, die zu ihnen heruntergelassen worden war, ans Licht geschickt. Vor der Mine am Rand von Copiapo weinten Freunde und Angehörige der Bergarbeiter vor Freude.

Mit dem Lebenszeichen ließ ein Kumpel auch seiner Frau einen Brief zukommen. Darin schrieb der 63-jährige Mario Gomez: "Hab Geduld und Vertrauen. Ich habe keine einzige Sekunde aufgehört, an euch alle zu denken. Ich liebe euch alle." Gomez, der zu den erfahrensten Arbeitern in dem Schutzraum gilt, berichtet darin, dass die Eingeschlossenen seit Tagen die Bohrungen zu ihrer Rettung gehört hätten. "Ich bin sicher, dass wir hier lebend rauskommen."

Eine in die Mine heruntergelassene Mini-Kamera zeigte die schwitzenden Bergleute mit nackten Oberkörpern in dem in 700 Metern Tiefe gelegenen Schutzraum. Dort ist es bei Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius feuchtheiß. "Viele von ihnen haben sich der Kamera genähert und ihr wie Kinder ihre Gesichter entgegengestreckt", sagte Staatschef Piñera. "Wir konnten ihre Freude und ihre Hoffnung in ihren Augen sehen."

Die Männer seien noch mit Wasser versorgt und hätten auch Lampen, sagte der Leiter der örtlichen Katastrophenschutzbehörde, Carlos Garcia. Sie sollten so schnell wie möglich aber weiteres Wasser, Essen und Medikamente erhalten. Ein heruntergelassenes Kabel soll dafür sorgen, dass sie in Kürze mit ihren Angehörigen sprechen können.

Die Bergarbeiter harren seit dem 5. August unter Tage aus: Damals stürzte die kleine Gold- und Kupfermine am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, etwa 850 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, ein. Alle Versuche, sie zu lokalisieren und zu bergen, schlugen bisher fehl. Rund 500 Menschen, darunter viele Angehörige, harrten vor der Mine aus und beteten für die Eingeschlossenen.

Bis die Kumpel wieder Tageslicht sehen, könnten nach Einschätzung von Experten allerdings noch Wochen vergehen. Laut dem mit der Leitung der Bergungsarbeiten betrauten Chefingenieur Andres Sougarret braucht es mindestens vier Monate und stärkere Bohrmaschinen, um einen Schacht in den instabilen Grund zu bohren, der für die Bergung der Männer breit genug wäre.

Die Nachricht vom Überleben der Verschütteten versetzte etliche Chilenen in einen Freudentaumel: In der Hauptstadt Santiago hupten unzählige Autofahrer. Tausende Menschen feierten in anderen Orten auf der Straße und schwenkten Flaggen des Landes.

AFP / AFP