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China: Ein Klimmzug zu viel: Kletter-Künstler stürzt bei Video-Dreh in den Tod

Hunderte von Malen kletterte Wu Yongning schon auf Chinas höchste Wolkenkratzer. Seine Fans begeisterte er mit spektakulären Fotos und Videos. Doch dieses Mal ging sein Stunt fürchterlich schief.

China: Der Rooftopper Wu Yongning hängt an der fassade des Huayuan International Centres in Changsha

Mit Klimmzügen im 62. Stock wollte der Rooftopper Wu Yonging seine Fans in den sozialen Netzwerken beeindrucken

Es ist ihm anzusehen: Wu Yongning ist in der luftigen Höhe zu Hause. Konzentriert, aber ruhig sitzt er auf dem Dach des Huayuan International Centres, einem Wolkenkratzer in der südchinesischen Metropole Changsha. Wu Yongning ist Rooftopper. Ungesichert klettert er auf höchste Gebäude.

Mit souveränen Handgriffen macht er sich bereit, fegt mit der Hand den Schmutz von der Dachkante. Seine langen Haare hat er sich mit einem Knoten aus dem Gesicht gebunden. Langsam lässt er sich über die Kante gleiten, unter ihm erstreckt sich ein 62 Stockwerke tiefer Abgrund. Kurz hält er inne, dann beginnt er mit seinen – einen, zwei, beim dritten gerät er ins Stocken, versucht sich mit dem linken Fuß am Gebäude abzustützen, probiert sich immer wieder hochzuziehen, doch vergeblich. Die Kraft verlässt ihn. Er sucht Halt, rutscht ab und stürzt hunderte Meter in die Tiefe.

Wu wollte seiner Freundin einen Heiratsantrag machen

Die ganze Aktion hat er mit einer Kamera gefilmt, die er selbst zuvor aufgestellt hatte. In den letzten Jahren hat Wu sich den Ruf als Star der Rooftopper-Szene erklettert. Mehr als 300 Wolkenkratzer hat er schon bestiegen. Ungesichert. In luftigen Höhen machte er spektakuläre Bilder und Videos, die er auf der chinesischen Social-Media-Seite Weibo postete. Mehr als eine Million Follower hatte er dort. Und durch sie wurde Wus Tod nun öffentlich. Denn der 26-Jährige hatte seit Wochen nichts mehr gepostet. Seine Follower machten sich Sorgen. Laut BBC ereignete sich der Unfall bereits am 8. November.

Ein nicht näher genanntes Familienmitglied Wus sagte der BBC, ein Sponsor habe ihm 100.000 Yuan (knapp 13.000 Euro) für eine Rooftopping-Challenge geboten. Wer der Sponsor war und worin die Aufgabe bestand, war jedoch nicht klar. "Er wollte seiner Freundin am Tag nach der Challenge einen Heiratsantrag machen", zitiert die "South China Morning Post" Wus Stiefonkel Feng Shengliang. "Er brauchte das Geld für die Hochzeit und für Medikamente für seine kranke Mutter."

Nicht nur in China klettern Adrenalinjunkies auf Wolkenkratzer

Rund um den Globus erklettern immer wieder Menschen ungesichert Wolkenkratzer. Kritikern setzen sie entgegen, dass ihre Erfahrung ihre Sicherheitsausrüstung sei. "Der Moment, in dem du beginnst, eine Sicherheitsausrüstung zu tragen, ist der Moment, in dem du zu zweifeln beginnst – und dadurch können dann Fehler geschehen", sagte der britische Kletterer James Kington der BBC.

Waghalsige Kletterer im Interview: Ungesichert auf Chinas höchstem Gebäude
tyr
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