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Corona-Hotspot Indien Augenzeuge berichtet: "Als ich das Krankenhaus betrat, herrschte das reinste Chaos"

Sehen Sie im Video: Augenzeuge berichtet aus Corona-Krankenhaus – "Es herrschte das reinste Chaos".




Im "Holy Family" Krankenhaus in Neu Delhi wird ein Corona-Patient aufgenommen - ein gängiges Bild dieser Tage. Für diesen Mann gibt es noch Hoffnung, für viele andere ist hier zu mancher Stunde aber keine Behandlung mehr möglich. Weil es keine Betten mehr für sie gab, starben bereits mehrere Menschen zu Hause oder auf dem Weg ins Krankenhaus. Um den Menschen in der Welt einen Eindruck von den dramatischen Geschehnissen zu geben, war Reut ers-Fotograf Danish Siddiqui ganz nah dran - hier zu sehen in einem weißen Overall und mit einer kleinen Kamera. Siddiqui erzählt von den Ereignissen in einem anderen Krankenhaus in Neu Delhi, aus dem er ebenfalls berichtete. Hier herrschten ganz andere Zustände. "Als ich das Krankenhaus betrat, herrschte das reinste Chaos. Ich war wirklich schockiert, denn vor ein paar Monaten war ich in demselben Zimmer gewesen, und ich hätte mir nicht vorstellen können, dass sich die Patienten nach ein paar Monaten die Betten teilen würden, weil es einfach zu viele waren. Auch die Sauerstoffversorgung war sehr begrenzt. Manchmal trugen die Patienten ihre eigenen Sauerstoffflaschen in diese Notaufnahme rein. Ich denke, dass alle, einschließlich des medizinischen Personals, von der Anzahl der Patienten, die in diese COVID-Einrichtung kamen, überwältigt waren." Wenn Siddiqui die leidenden Menschen fotografiert, empfindet er auch ein mulmiges Gefühl: "Man geht nicht zu nah ran, damit die Würde des Opfers oder seiner Familie gewahrt bleibt - aber man muss auch die Geschichte zeigen, die das Ausmaß der Verwüstung durch diese Pandemie deutlich machen soll, die im Herzen unseres Landes stattfand." Selbst in Neu Delhi, sagt Siddiqui, der Hauptstadt des Landes mit der modernsten medizinischen Ausstattung, gab es Massenverbrennungen. Das hätte sich niemand vorstellen können, sagt er. "Ich weiß nicht, ob es mich persönlich schon so sehr getroffen hat - aber eines meiner Kinder wurde inmitten der zweiten Wellt positiv getestet. Glücklicherweise war es asymptomatisch und es ging ihm nach ein paar Tagen wieder gut. Aber ich hatte riesige Angst, wenn ich in diese Risikogebiete gehe, diesen unsichtbaren Feind mit nach Hause zu bringen." Siddiqui sagt, dass viele Inderinnen und Inder bereits im Februar den Eindruck gehabt hätten, als sei das Schlimmste bereits überstanden. Er macht Premierminister Narendra Modi mit dafür verantwortlich, dass bereits über 300.000 Menschen in Indien an oder mit dem Coronavirus gestorben sind. Modi hätte sich geweigert, einen zweiten strengen Lockdown zu verhängen, wie es ihn im vergangenen Jahr in Indien gegeben hatte, so Siddiqui. Den Höhepunkt an Neuinfektionen gab es Anfang Mai mit rund 400.000 pro Tag. Mittlerweile geht die Zahl deutlich zurück.
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Im Mai herrschten in dem südasiatischen Land Ausnahmezustände. Danish Siddiqui erzählt im Video, wie er die Geschehnisse im Krankenhaus und bei den Massenverbrennungen erlebt hat.

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