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Kampfstoff Nowitschock: Fall Skripal: Ermittelnder Polizist wurde erst mitvergiftet und verlor dann alles

Er trug Schutzkleidung, aber die half nichts. Nick Bailey untersuchte das Haus der Skripals - und wurde ebenfalls mit Nowitschock vergiftet. Wie der Ex-Agent und seine Tochter überlebte er. Doch er bezahlte einen hohen Preis.

Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury am 3. März 2018 um 16:11 Uhr

Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen am Bahnhof von Salisbury am 3. März 2018 um 16:11 Uhr

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Das Zeug scheint die Pest zu sein – im wahrsten Sinne: Einem britischen Polizisten, der im Fall Skripal ermittelt hat und dabei in Kontakt mit dem Gift Nowitschock gekommen war, ist sein gesamter Besitz abhanden gekommen. "Alles, was den Kindern gehört hat, ist weg, die Autos, wir haben alles verloren", sagte Nick Bailey in der BBC-Sendung "Panorama". Den Kampfstoff hatte er unfreiwillig mit nach Hause gebracht, weil er auf dem Türgriff der Skripals verteilt war.

Vergiftet trotz Schutzkleidung

Im Sommer war im englischen Salisbury eine Frau ums Leben gekommen, die mit Nowitschok in Berührung gekommen war. Der Kampfstoff befand sich offenbar in einer Parfümflasche, die der Freund des Opfers gefunden und seiner Partnerin geschenkt hatte. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden Attentäter den Flakon mit Nowitschok nach dem Anschlag auf Skripals Haus weggeworfen hatten. Laut den Ermittlern habe sich in dem Fläschchen genug von dem Gift befunden, um tausende Menschen zu töten. Das eigentliche Ziel des Anschlags, der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter, haben nur knapp überlebt.

In der Märznacht, in der Nick Bailey zu dem Haus der Skripals gerufen worden war, hat er forensische Schutzkleidung getragen. Schon Stunden später begann er, sich unwohl zu fühlen. "Meine Pupillen waren wie Nadelspitzen, mir war heiß und ich schwitzte", so der 38-Jährige. "Erst dachte ich, das liege am Stress und meiner Müdigkeit." Zwei Tage später fühlte er sich so schlecht, dass er ins Krankenhaus ging. Die Ärzte brauchten Tage um herauszufinden, was genau hinter den Symptomen steckt. Als die Experten dann Nowitschock als Ursache fanden, "ist uns die Kinnlade heruntergeklappt", so ein behandelnder Arzt.

"Zahllose Menschen hätten sterben können"

Kaum einer der Mediziner hatte bis dahin mit dem Gift zu tun. Klar sei nur allen gewesen, dass es eine gefährliche Substanz sei, so der Arzt Duncan Murray, der sich beinahe sicher war, dass die drei Vergifteten sterben würden. Er lag falsch. Die Behandlung allerdings sei sowohl schmerzhaft als auch anstrengend gewesen. "Ich hatte ständig fünf, sechs Injektionen in beiden Armen", so Bailey. Sein Körper ist geheilt, doch seine Seele hat den Vorfall noch nicht überwunden. Nicht nur, dass er seinen gesamten Besitz kontaminiert und damit unbenutzbar gemacht hat – vor allem der Umstand, dass die Attentäter ausgerechnet Nowitschock benutzt haben, macht ihm Angst: "Es ist diese abscheuliche Art, die mich ärgert, es hätten zahllose Menschen sterben können."

Die britische Polizei hat unterdessen neues Videomaterial zu den beiden mutmaßlichen Attentätern veröffentlicht. Bilder der Überwachungskameras zeigen die Männer am 4. März in Salisbuy. Zu sehen sind die beiden mutmaßlichen russischen Geheimdienstagenten, wie sie am Bahnhof ankommen, sich in der Nähe des Tatorts bewegen und später wieder zum Bahnhof zurückkehren.

nik mit DPA/AFP
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