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Meinung

Fall Skripal: Zwei "Heilige" in Salisbury: Die Märchenstunde des Kreml

Sie seien bloß als harmlose Touristen nach Salisbury gekommen, behaupten die zwei Männer, die für den Anschlag auf Sergej Skripal verantwortlich sein sollen. Eine abstruse Darstellung.

Russland, Moskau: Das Videostandbild des russischen Fernsehsender RT zeigt Ruslan Boschirow (l.) und Alexander Petrow

Russland, Moskau: Das Videostandbild des russischen Fernsehsender RT zeigt Ruslan Boschirow (l.) und Alexander Petrow

DPA

Es gibt sie also doch! Alexander Petrow und Ruslan Boschirow. Die beiden Männer, die im dringenden Verdacht stehen, den Anschlag auf Sergej Skripal verübt zu haben. Nachdem der Kreml zunächst geleugnet hatte, dass diese beiden Männer existieren, präsentierte der russische Propaganda-Sender RT am Donnerstag plötzlich zwei Männer, die mit Unschuldsmienen beteuerten, genau diese besagten Alexander Petrow und Ruslan Boschirow zu sein. 

Es sei dahingestellt, ob sie es wirklich sind oder ob sie so wirklich heißen und auch ob sie den Anschlag auf Skripal tatsächlich verübt haben. Aber das, was sie in die Kameras von RT posaunten, ist so abstrus, dass man darüber eigentlich nur lachen kann.

Sie seien bloß nach Großbritannien gereist, um in London "die Sau rauszulassen" und die Kathedrale in Salisbury zu sehen, als harmlose Touristen, weiter nichts, so ihre Legende. "Unsere Freunde hatten uns schon lange gedrängt, dass wir diese tolle Stadt besichtigen sollten", sagten die beiden in dem Interview. Die Kathedrale sei schließlich "für ihren 123 Meter hohen Turm und ihr Glockenspiel bekannt, das das älteste der Welt ist, das bis heute funktioniert", sagte Petrow.

Wenn zwei Russen plötzlich Angst vor ein bisschen Schnee haben 

Dafür flogen die beiden also am 2. März von Moskau nach London. Dafür reisten sie also am nächsten Tag nach Salisbury, nur um zwei Stunden später wieder nach London zurückzukehren. Und deswegen reisten sie am 4. März nochmals nach Salisbury, liefen dort eine Stunde herum, kehrten wieder nach London zurück, und flogen dann schnurstracks wieder nach Moskau.

Es stellt sich die Frage: Warum waren die beiden zwei Mal in Salisbury? Schneematsch habe sie am ersten Tag davon abgehalten, die Kathedrale zu sehen, erklären sie. Also seien sie nochmals hingefahren. Da fliegen also zwei Russen extra nach Großbritannien, um eine besondere Kathedrale zu sehen, beantragen Visa, die gar nicht so einfach zu bekommen sind, und lassen sich dann von ein bisschen Schnee abschrecken? Und das wo doch, in ihrer Heimat Schneematsch von November bis März die Straßen verstopft. Mal abgesehen davon, dass man eine Kirche meistens von innen besichtigt.

Und warum liefen die beiden in Salisbury gar nicht in die Richtung der Kathedrale, wenn sie diese sehen wollten? Warum zeigen sie auch keine Schnappschüsse davon? Wenigstens ein Selfie müsste man doch gemacht haben, wenn man schon extra wegen einer Kirche nach England fliegt. Und bei ihrem zweiten Besuch in Salisbury wollen sie ja da gewesen sein. 

Verdacht nur verstärkt

Und auch in London ließen die beiden keine Sau raus, hielten sich nur in ihrer 2-Sterne-Absteige im Osten der Stadt auf. Kein Big Ben, kein Buckingham Palace, kein Tower of London. Und wieso hatten die beiden eigentlich zwei Rückflüge nach Moskau gebucht? Einen am Abend des 4. März und einen in der Nacht auf den 5. März?

Die Darstellung der beiden stimmt vorne und hinten nicht. Und am Ende fragt man sich nur noch: Was soll das Ganze? Den Verdacht von sich ablenken können die beiden Männer  - und mit ihnen auch der Kreml - dadurch nicht. Ganz im Gegenteil. 

Und so muss man angesichts der unfassbar albernen Ausrede zu der Schlussfolgerung kommen, dass entweder der Kreml voller Narren ist oder eben die ganze Welt für ein Narrenhaus hält. Denn eins kann man ausschließen: Dass der Kreml nicht weiß, was die beiden da über den wichtigsten Propaganda-Kanal in die Welt posaunen. 

Chronik: Die Skripal-Affäre - Ist Russland Täter oder Opfer?