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Attentat auf Ex-Spion: Theresa May: Verdächtige im Fall Skripal sollen russische Agenten sein

Ein halbes Jahr nach dem Attentat auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal gab die britische Polizei die Identität zweier Verdächtiger bekannt. Premierministerin Theresa May bestätigte vorm Parlament in London, dass es sich um zwei russische Agenten handeln soll. 

Russische Herkunft des Nervengifts im Fall Sergej Skripal von OPCW bestätigt

Sicherheitskräfte mit Schutzanzügen untersuchen den Ort, an dem der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter offenbar vergiftet wurden (Archivbild)

AFP

Mit der Veröffentlichung von Namen und Fahndungsfotos im Fall Skripal erhöht London den Druck auf Moskau. Zwei Russen sollen das auf den Ex-Spion und seine Tochter verübt haben.

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und Tochter Julia hat die britische zwei Verdächtige benannt: Es handelt sich demnach um zwei Russen, die Pässe auf die Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow nutzten. Beiden wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz des chemischen Kampfstoffs Nowitschok vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Großbritannien beantragte europäische Haftbefehle, stellte aber keine Auslieferungsanträge an . Die russische Verfassung verbietet die Auslieferung von eigenen Staatsangehörigen. 

Skripal mit Nowitschok vergiftet

Vater und Tochter Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt entdeckt worden. Sie waren mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Sie leben inzwischen an einem geheimen Ort. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Nowitschok gehört zu den tödlichsten Kampfstoffen und kann über die Haut oder Atemwege in den Körper gelangen. Die Überlebenschancen sind sehr gering. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den und 80er Jahren heimlich, um internationale Verbote zu umgehen. Auch andere Länder forschten damit.


Verdächtige unter falschen Namen eingereist

"Wir haben jetzt ausreichend Beweise, um Anklagen im Zusammenhang mit dem Angriff auf Sergej und Julia Skripal zu erheben", sagte ein Polizeisprecher. Die Verdächtigen seien wahrscheinlich unter falschen Namen eingereist und etwa 40 Jahre alt. Scotland Yard veröffentlichte Fahndungsfotos der Männer und bat die Bevölkerung um Hinweise. 

Das russische Außenministerium wies alle Vorwürfe umgehend zurück. "Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa der Agentur Tass zufolge in Moskau. London solle nicht die Öffentlichkeit manipulieren, sondern bei der Aufklärung mit Russland kooperieren.

Die beiden Verdächtigen sind laut Polizei am 2. März nach Großbritannien geflogen. Am Folgetag sollen sie die südenglische Stadt Salisbury ausgekundschaftet haben und am 4. März - dem Tag des Attentats - wieder abgereist sein. In ihrem Hotel in London seien winzige Spuren des verwendeten Nervengifts nachgewiesen worden. 

Britisches Paar versehentlich mit Nervengift in Kontakt

Vor etwa zwei Monaten kam ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt. Der Mann hatte ein Parfümfläschchen gefunden, das er seiner Freundin schenkte. Sie hatte sich mit der Flüssigkeit besprüht - die dreifache Mutter starb acht Tage nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Das Gift ist in beiden Fällen identisch. Das bestätigten Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen OPCW), teilte das Außenministerium am Dienstagabend in London mit. London warf Moskau erneut vor, Drahtzieher des Anschlags zu sein. 

Die Polizei betonte in einer Stellungnahme: "Wir haben keinen Zweifel, dass beide Vorfälle miteinander zusammenhängen, und sie bilden nun ein Ermittlungsverfahren."

140 russische Diplomaten ausgewiesen

Infolge der Krise wiesen Großbritannien, die USA und verbündete Staaten - auch Deutschland - insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten aus. Der Kreml reagierte mit ähnlichen Maßnahmen. Die USA stellten zudem fest, dass Russland für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verantwortlich sei. Das löst laut Gesetz Sanktionen aus, wie es sie bislang nur gegen Nordkorea und Syrien gab. Seit Ende August ist eine erste Runde von Strafmaßnahmen in Kraft. Sie sind zwar noch relativ milde, doch der Rubelkurs und die Aktien russischer Unternehmen gerieten unter Druck. 

Schwerer wird eine zweite Sanktionsrunde nach drei Monaten die russische Wirtschaft treffen. Sie könnte das Auslandsgeschäft russischer Banken lahmlegen; die Fluggesellschaft Aeroflot könnte Landerechte in den USA verlieren. Moskau behält sich Gegenmaßnahmen vor, doch viele Optionen hat der Kreml nicht: Zu klein ist der Handel, zu groß die Abhängigkeit von US-Technik, um die USA treffen zu können.

Verdächtige sollen russische Agenten sein

Theresa May, die britische Premierministerin, gab am Mittwoch vor dem Parlament in London bekannt, dass es sich beid en beiden verdächtigen Männern um russische Agenten handeln soll. Es gebe Hinweise, dass sie Mitglieder des russischen Militärgeheimdiensts GRU seien, so die Regierungschefin.

"Zusammen mit unseren Verbündeten werden wir alle Mittel unseres Sicherheitsapparats ausschöpfen, um der Gefahr zu begegnen, die vom GRU ausgeht", sagte May.

Dieses gestellte Archivbild zeigt einen sowjetischen Soldaten in einem Schutzanzug, der mit giftigen Substanzen arbeitet.
ky / DPA