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Asylbewerberin Laila P. Flugzeug-Crew verhindert Abschiebung

Flugzeug-Crew stoppt Abschiebung
Am Mittwochmorgen verhinderte die Besatzung eines Flugzeuges die Abschiebung von Laila P. von Wien nach Sofia
© Christoph Schmidt/DPA
Eine Frau soll per Flugzeug aus Österreich nach Bulgarien abgeschoben werden. Kurz vor dem Start der Maschine schildert sie der Crew ihre Angst und die Pilotin ermöglicht ein kleines Wunder.

Am Mittwoch um 7.15 Uhr soll eine Maschine der Austrian Airlines von Wien in Richtung Sofia starten. In dem Flugzeug befindet sich auch die Asylbewerberin Laila P., es ist der Tag ihrer Abschiebung. An Bord wehrt sich die 36-Jährige vehement und erzählt einem Crewmitglied, dass die Rückführung für sie einer Katastrophe gleicht. Wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtet, fällt der Protest der Frau auf fruchtbaren Boden. Die Pilotin entscheidet sich gegen den Transport der Frau. Das Flugpersonal hatte offenbar bereits über Facebook von dem Fall gehört.

Nach dem Vorfall wurde Laila P. in eine Wiener Schubhaftanstalt gebracht. Am Nachmittag konnte ihr Anwalt die Freilassung erwirken. Unterstützer und Freunde riefen zu einer Mahnwache auf. Ob und wann es zu einem neuen Abschiebeversuch kommt, ist derzeit nicht bekannt. 

Gemäß der Dublin-III-Verordnung muss der Asylantrag in jenem Land bearbeitet werden, in das ein Asylsuchender bei Einreise in die EU zuerst kommt. Im Fall Laila P. wäre das Bulgarien. Laut eigenen Aussagen habe die aus Afghanistan stammende Frau dort aber traumatisierende Erfahrungen gemacht. Immer wieder berichten Asylsuchende und Flüchtlinge von schweren Misshandlungen in dem südosteuropäischen Land, schreibt die Menschrechtsorganisation Pro Asyl auf ihrer Webseite.

 Freunde von Laila P. hatten sich in sozialen Netzwerken gegen die Abschiebung stark und den Fall bekannt gemacht. Die Frau kam vor einem Jahr nach Österreich, wo sie sich heute bestens integriert fühlt. Sie besuchte mehrere Deutschkurse, hat einen großen Freundeskreis und sich offenbar vor Kurzem verlobt. Auf Twitter äußerten zahlreiche Unterstützer ihre Freude über die vorerst abgewendete Abschiebung.

  

Asylstopp in Österreich

Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hatte vergangene Woche einen Stopp bei der Bearbeitung neuer Asylverfahren ankündigte. Man wolle sich aktuell auf die Rückführungen in andere EU-Staaten konzentrieren. Neue Anträge würden zwar entgegen genommen, aber nicht mehr bearbeitet, berichtete die Tageszeitung "Die Presse". Österreich sei zum "attraktiven Zielland für Flüchtlinge" geworden, da es Asylanträge mit einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von vier Monaten schneller abwickle, als andere EU-Staaten, so die Zeitung weiter. 

 

jho

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