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Giftiges Essen an indischer Schule "Das Essen wurde zum Mörder"


In Indien soll kostenloses Schulessen dazu beitragen, dass mehr Kinder zur Schule gehen. Doch die Nahrungsmittel sind oft minderwertig und verdorben - und in einem aktuellen Fall sogar giftig.

Sie aßen Reis, Linsen und Gemüse - dann wurden sie krank. Die Schüler mussten brechen, klagten über Bauchschmerzen, fielen in Ohnmacht. "Meine Kinder sind zum Lernen in die Schule gegangen. Als sie nach Hause kamen, weinten sie und sagten, es tue weh", erzählt ein aufgelöster Vater einem indischen Fernsehsender. 46 Kinder hatten am Dienstag in einer staatlichen Grundschule im Nordosten Indiens eine Schulspeisung bekommen. Mindestens 14 Mädchen und acht Jungen aus dem Dorf Masrakh starben danach.

Eine erste Untersuchung zeigte, dass Insektengift im Essen war. Ob absichtlich oder versehentlich, blieb zunächst unklar. Es war aber nicht das erste Mal, dass in Indien verunreinigtes Schulessen auf dem Teller landete. Nur sehr wenige Eltern seien mit der Qualität des Essens zufrieden, fand eine Untersuchung im Auftrag der Regierung des indischen Bundesstaates Meghalaya heraus.

"Die meisten Schulen in Indien verfolgen keinen Plan: Sie regeln nicht, wo die Zutaten herkommen, wie das Essen zubereitet werden muss oder wo die Schüler essen sollen", beschwert sich Nishit Kumar von der Nichtregierungsorganisation Childline India Foundation.

Fehlende Kalorien und mangelhafte Hygiene

Dabei könnte das indische "Mittagessen-Programm" eine starke Waffe im Kampf gegen Unterernährung und Analphabetismus sein. Etwa 120 Millionen Kinder erhalten nach Regierungsangaben in Indien ein Schulessen. so sollen mehr Kinder in die Schule kommen und gleichzeitig wenigstens einmal am Tag eine gehaltvolle Mahlzeit haben. Doch die Studie aus Meghalaya zeigt: Fast nirgends erhalten die Grundschulkinder die gesetzlich zugesicherten 300 Kalorien pro Tag, selten gibt es jeden Tag ein warmes Essen, nur in der Hälfte der Schulen wird hygienisch gekocht.

"Das Problem ist, dass die Regierung das Kochen oft auslagert", erklärt Kumar. Für die Zubereitung eines Essens erhalten die Organisationen eine Rupie, umgerechnet 13 Cent. Das reicht laut Kumar hinten und vorne nicht für eine ausgewogene, reichhaltige Ernährung. Nach Angaben der Weltbank sind in Indien mehr als die Hälfte der Kleinkinder unterernährt - doppelt so häufig wie in Afrika südlich der Sahara.

"Das würden nicht einmal Tiere fressen"

Auch Betrug und Korruption verhindern, dass das System funktioniert. In Neu Delhi entdeckte die Polizei vor ein paar Jahren acht Lastwagen voller Reis, die statt in eine Schule zum Verkauf in die Hauptstadt gebracht wurden. Gutes Getreide wird manchmal gegen minderwertigeres ausgetauscht. Das musste sogar der Ministerpräsident des Bundesstaates Goa im vergangenen Jahr einräumen: "Das Essen, das von dem Programm aufgetischt wird, ist so schlecht, dass es nicht einmal Tiere fressen würden", wird Manohar Parrikar zitiert.

Manche Lehrerinnen erzählen, dass sie zum Schutz ihrer Schüler immer selbst das Essen vorkosten. Im Dorf Masrakh probierte am Dienstag nur die Köchin, die nun auch im Krankenhaus liegt. "Das Essen wurde zum Mörder", klagt eine Mutter, die zwei Söhne verloren hat. "Als unsere Kinder zur Schule gingen, wussten wir nicht, dass wir nur noch ihre toten Gesichter sehen werden."

juho/Doreen Fiedler, DPA DPA

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